Eisente (Clangula hyemalis) und Zwerggans (Anser erythropus) in Essen Vom 28. 12. 1964 bis zum 2. 1. 1965 beobachtete ich auf dem Baldeneysee eine Eisen t e, die ich auch anderen Essener Vogelfreunden vorführen konnte. Am letzten Tag konnten wir uns ihr bis auf etwa 10 m nähern. Sie glich am meisten der Abbildung des „immature-♂" in SCOTT & BOYD, Wildfowl of the British Isles, London 1957. Vermutlich dasselbe Exemplar wurde vorher auf dem Geiseckesee bei Schwerte, einem anderen, etwa 40 km flußaufwärts gelegenen Ruhrstausee, von den Herren Cramer (Dortmund-Hörde) und Herkenrath (Wuppertal-Barmen) gesehen. Am 4. 3. 1965 entdeckte ich in den Ruhrauen oberhalb des Baldeneysees auf einer durch die Ruhr und einen Altarm gebildeten Insel eine ad. Zwerggans, die sich durch in geringer Entfernung vorübergehende Angler nicht stören ließ. Daraufhin versuchten wir uns ihr am nächsten Tag mit einer kleinen Beobachtergruppe zu nähern, zunächst bis zum anderen Ufer des etwa 30 m breiten, mit brüchigem Eis bedeckten Altarms. Die Gans kam „neugierig" ans andere Ufer, beäugte uns und zog langsam am Ufer weiter. Nun gingen wir über eine Brücke auf die Insel und ohne Deckung auf sie zu. Als wir noch etwa 80 m entfernt waren, beschleunigte sie ihr Tempo, versuchte aufs Eis auszuweichen, rutschte aber aus und kehrte aufs Land zurück. Als wir bis auf etwa 10 m herangekommen waren, flog sie auf und flußaufwärts davon. Am 7. 3. fand ich sie etwa 1 km oberhalb am Ruhrufer wieder, in Gesellschaft einiger Stockenten. Am 10. 3. war sie aber wieder auf dem alten Platz, wo sie mit einem Trupp Bleßrallen zusammen weidete, um die sie sich aber nicht, weiter kümmerte. Andere Gänse waren während der ganzen Beobachtungszeit nicht in der Gegend. Zuletzt sah ich sie am 28. 3. 1965 — eine bemerkenswert lange Verweildauer! Inzwischen war sie von zahlreichen Ornithologen aus Essen und Umgebung „besichtigt" worden. Bei weiteren, weniger direkten Annäherungsversuchen wich sie vorsichtig, aber nicht ängstlich, aufs Wasser aus (das Eis war mittlerweile geschmolzen).
Wie erklärt sich das auffällige Verhalten der Gans? Handelte es sich um einen Irrgast, der aus seiner nordischen Heimat den Menschen nicht kannte und sich nun, in ungewohnter Umgebung und ohne Anschluß an seinesgleichen, so seltsam benahm? Oder handelte es sich um einen Flüchtling aus der Gefangenschaft, der den Menschen kannte, aber nicht fürchtete? Die Frage ist deshalb von besonderem Interesse, weil die Zwerggans anscheinend bisher weder in der ehemaligen Rheinprovinz noch im angrenzenden Westfalen beobachtet worden ist.
Literatur:
Neubaur, Fritz: Beiträge zur Vogelfauna der ehemaligen Rheinprovinz. Bonn 1957 Söding, Klemens: Vogelwelt der Heimat. Recklinghausen 1953
Dr. Helmut Demuth, 43 Essen, Moltkestraße 89
Eisenten (Clangula hyemalis) im Ober- und Mittelwesergebiet
Am 28. Oktober 1964 gelang mir der Erstnachweis der Eisente im Oberwesergebiet. Drei Vögel rasteten auf dem Kiesloch Engern bei Rinteln. Am 11. November 1964 sah Dr. Behnke eine Eisente auf Töneböns Teich bei Hameln.
Die Mittelweser scheint diese nordische Ente etwas häufiger aufzusuchen. Für den bekannten Überwinterungsplatz für nordische Wasservögel, die Weserstaustufe Schlüsselburg, Krs. Minden, besitze ich für den Winter 1964/65 folgende Daten: 15. 11 4 Ex., 22. 11. 2 Ex. und 29. 12. 3 Ex.
Dr. Erich Schoennagel, 325 Hameln, Am Meisenbrink 14
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