Kleiber (Sitta europaea) brütet in Felsen
Wie mir Herr C. Schindler (Wolfsburg) glaubwürdig berichtete, hat 1955 ein Kleiberpaar in einer etwa 50 cm hohen und 5 — 10 cm breiten Felsspalte des alten Kalksteinbruches auf dem Klieversberg (Stadtkreis Wolfsburg) erfolgreich gebrütet. Eine Fluglochverengung war nicht festgestellt worden. Über weitere Kleiberbruten in Felsen und Gemäuer haben bisher u. a. B. Quantz (Orn. Mschr. 56, p. 32, 1931), G. Creutz (Beitr. Fortpfl.-Biol. Vögel 11, p. 197 — 209, 1935, R. Hauri (Orn. Beob. 55, p. 31 bis 32, 1958), H. Herren (antea 56, p. 30 — 31, 1959), J. Neumann (antea 58, p. 143, 1961) und H. Oelke (Vogelwelt 82, p. 118, 1961) berichtet.
Erwin R. Scherner, D 3180 Wolfsburg 6, Rabenbergstraße 64
Nist-Tragödie
Im Jahre 1967 wurde an der Baumgrenze oberhalb von Reit im Winkl (Obb) eine abgestorbene Wettertanne gefällt. Als der Stamm zu Boden schlug, schwärmte aus einer Baumhöhle ein Bienenschwarm aus. Der Jager Hans Windbichler aus Reit sägte sich ohne Rücksicht auf zahlreiche Bienenstiche das hohle Stück aus dem Stamm heraus, um den Honig ernten zu können.
Daheim stellte er fest, daß sich unter den Waben am Boden der Nisthöhle eine Tragödie abgespielt haben mußte. Vom Wachs durch und durch präpariert (bis heute unverändert erhalten) fand sich dort ein aus kleinen Singvogelfedern gebildetes, flaches Nest. Darauf liegt ein wohl taubes, weißliches, durch Wachs usw. bräunlich geflecktes Ei. Auf diesem wiederum liegen die Mumien von zwei höchstens wenige Tage vorher geschlüpften Jungvögeln.
Helmut Bettmann, D 407 Rheydt, Pestalozzistraße
Zwei Brüten der Kohlmeise (Parus major) gleichzeitig am selben Baum
Im Versuchsrevier „An den drei Steinen" der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Wolfsburg im Rothehofer Forst (Stadtkreis Wolfsburg) befindet sich eine Eiche, die sich in 2 m Höhe in zwei Stämme gabelt. An beiden Stämmen der Gabelung befinden sich, nur etwa 40 cm voneinander entfernt, seit 1965 die Nistkästen Ic/70 und Ic/71, beides Holzbetonhöhlen des Systems „Schwegler".
1966 und 1967 war die Höhle 70 jeweils unbelegt, während in 71 beide Jahre das Kohlmeisen-Weibchen 80 343 813 brütete.
Am 9. Mai 1968 saßen in 70 das Weibchen 80 382 019 und in 71 das Weibchen 9 591 331 (alle Ringe von der „Vogelwarte Helgoland") auf je 10 Eiern. Leider fielen beide Gelege wie auch nahezu alle übrigen Brüten im genannten Revier Mitte Mai dem Raubzeug zum Opfer, so daß es nicht möglich war, weitere Beobachtungen durchzuführen. Es muß daher ungeklärt bleiben, ob es sich um zwei Paare oder um Polygamie handelte. Letzteres scheint jedoch angesichts der ausgeprägten Territorialität dieser Art wahrscheinlicher.
Bruns berichtete 1963 ebenfalls von einem solchen Fall; auch hier konnten die vorstehenden Fragen nicht geklärt werden.
Literatur
Bruns, H. (1963): Zwei Kohlmeisenbruten (Parus major) zur gleichen Zeit am gleichen Baum. Orn. Mitt. 15, p. 87—88.
Erwin R. Scherner, D 3180 Wolfsburg 6, Rabenbergstraße 64
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