Aus dem Leben des Braunen Buschdrossling (Ptyrticus turdinus)
von Hansjoachim Mitsch, Berlin
Der Braune Buschdrossling (Ptyrticus turdinus) wurde das erste Mal von Dr. Hartlaub (1814 bis 1900) beschrieben. Bis heute ist unser Wissen über diese Vogelart aber mehr als bescheiden geblieben! In dem Grauen Trugbürzelstelzer aus Südamerika hat dieser Afrikaner ein Gegenstück, auch dessen Lebensweise ist weitgehend unbekannt. Hier möchte ich die Aufmerksamkeit auf die erst genannte Art lenken, die andere soll in einer späteren Arbeit behandelt werden.
Die Heimat dieses bis zu 20 cm langen Vogels wird pauschal mit „Zentral-Afrika" angegeben. Dabei wäre zu berücksichtigen, daß diese Art in den letzten Jahrzehnten ohne Zweifel aus weiten Gebieten vertrieben ist. Die sich ständig ausbreitende Landwirtschaft sorgt dafür, daß der Lebensraum des Buschdrosslings vernichtet wird, denn er schätzt äußerst dichten Bodenbewuchs und ist überwiegend an den Rändern der noch vorhandenen Urwälder, jetzt aber auch im Innern derselben zu finden. An sich ist verwunderlich, daß trotz der Größe des Vogels so wenig Kenntnisse über ihn vorhanden sind. Natürlich brachte die sehr versteckte Lebensweise mit sich, daß wir über die Balz, die Paarung und den Nestbau kaum etwas wissen. Auch Fragen wie diese — ob sich die Wohn- und Übernachtungsgebiete überdecken oder das Sozialverhalten — sind offen! Desgleichen gibt es keine Zahlen über die Häufigkeit in bestimmten Gebieten, ein Konkurrenzdruck durch eigene Artgenossen dürfte im allgemeinen jedoch kaum bestehen. Die Vegetationsbeschreibung ist ebenfalls ein Kapitel für sich, denn wieviel Zoologen sind auch gute Botaniker? In den östlichen Teilen des Kongourwaldes dürfte der Bestand noch erhalten bleiben; die Verhältnisse brachten es mit sich, daß Europäer keine Gelegenheit zur Einreise erhalten und die Eingeborenen, der meist dünn besiedelten Gebiete, andere Interessen haben als den Wald zu vernichten!
Hier möchte ich auf eine Mitteilung hinweisen, die zu dem oben gesagten als Ergänzung dienen mag. — „Leider ist der Vogelbestand zuweilen auch dort, wo man noch einer jungfräulichen Natur zu begegnen wähnt, schon bedroht. Auch in Ostafrika machen sich stellenweise schon die Folgen menschlicher Vernichtungswut bemerkbar, und es möge deshalb an dieser Stelle eine Mahnung um Schutz und Erhaltung der hochinteressanten Vogelwelt des Gebietes Raum finden." — Diese Worte stammen aus dem Jahre 1910 und wurden von Prof. Dr. Reichenow, dem zweiten Direktor des Zoologischen Museums Berlin veröffentlicht! Also schon vor 60 Jahren waren die Bestände bedroht. Und heute?
Was die an den Kongo-Urwald angrenzenden Landstriche betrifft, wie Uganda, dessen Nationalpark Ströme von Touristen herbeilockt, ist die Art dort nur in sehr abseits gelegenen Gebieten noch vereinzelt anzutreffen. Im westlichen Ruanda und Burundi sieht es besser aus. Wie die Verhältnisse im westlichen Teil Tansanias liegen ist mir nicht bekannt. Was dagegen Angola betrifft, kann nur ein Urteil über jene bewaldeten Gebiete abgegeben werden, die nicht von Guerillas heimgesucht werden. Hier ist der Buschdrossling öfter zu entdecken, wie Pflanzer versicherten, als in den bereits genannten Staaten. Aus Kongo-Brazzaviüe liegen Beobachtungen der letzten Jahre nicht vor. Der wenigstens heute noch geschlossene Block des Kongo-Urwaldes dürfte für die Buschdrosslinge die letzte Zuflucht sein! Afrikanern, die Wissenswertes über die Vögel zu berichten wissen, sind nicht zu ermitteln. Weiße wie Schwarze sagten mir, auf einen Generalnenner gebracht: „Deine Sorgen möchte ich haben!" Nun Sorgen waren es gewiß nicht, aber die Vögel zu besitzen erschien mir erstrebenswert, eben weil Feldbeobachtungen für den Weißen über mehrere Monate aus Zeit- und oft auch Geldmangel nicht möglich sind. Ihre Verhaltensweisen in der Gefangenschaft zu beobachten, stellt daher eine nicht ideale, aber nützliche Ergänzung dar!
Immerhin bewirkte eine von mir ausgesetzte Prämie doch ein sichtbar anwachsendes Interesse seitens der Eingeborenen, über die vielen Fehlschläge möchte ich schweigen! Erst nach Jahren konnte ich wenigstens drei der Raritäten erwerben. Im Endresultat waren sie teurer als zwei große Hyazintharas! — Vorsorglich hatte ich ausführlich auf die richtige Einrichtung des Transportkäfigs aufmerksam gemacht und glaube, nur ihr allein habe ich zu verdanken, daß die Vögel die Reise leidlich überstanden. Zuerst beobachtete man die Hinweise nicht und setzte die Importen einfach in den leeren Behälter mit dem Erfolg, daß die das schützende
Leihgabe 3 der Senckenbergjschen Nafur- forsdhenden GeseMschaft

