Dickicht gewohnten Tiere sich in der „kahlen" Umgebung fehl am Platze fühlten. Immerhin war man so vernünftig und gab nach dem Verlust von 2 Exemplaren, innerhalb von 20 Minuten, dem Rest von 5 Stück die Freiheit! Als endlich eine Sendung mit 4 Buschdrosslingen in meinen Händen war, betrug der Verlust nur einen Vogel, und dieser hatte, was man wohl bei dem Fang übersehen hatte, einen vernarbten Flügelstummel und ein steifes Bein; ihm war die Reise also bestimmt zu anstrengend.
Sicherlich können die Afrikaner es nicht gerade mit Paradiesvögeln aufnehmen, denn die Oberseite des Körpers weist ein schlichtes Braun auf, während der untere Teil weiß ist. Die Brustpartie zeigt außerdem schwarzbraune Tupfen, um sie als Dreiecke anzusehen, wie in der Literatur angegeben, bedarf es allerdings einiger Phantasie! Die Beine wirken im Verhältnis zur Körpergröße zierlich. Der Schnabel ist kurz, aber kräftig. In der Form lassen sie sich am besten mit unserer Amsel vergleichen, ihre Lebensform ist jedoch völlig anders!
Buschdrosslinge sind nur längere Zeit zu pflegen, wenn wir sie in einem Treibhaus unterbringen, dann huschen sie am Boden umher, aber nur an jenen Plätzen, die durch dichtes Pflanzengewirr die nötige Sicherheit bieten. Das von ihnen geschätzte feuchtwarme Klima darf nicht vergessen werden. Allenfalls kann ein größeres Vogelzimmer als Ersatz dienen, Käfighaltung ist dagegen nicht möglich! Wie bereits gesagt, sind sie recht empfindlich und lieben durchaus nicht, wenn zu oft in ihrem Lebensbereich hantiert wird. Selbst das Vorbeigehen an dem „Biotop" wird genau registriert und die Wirkung ist für den Pfleger an ihrem Verhalten leicht abzulesen! Die Vögel gehören an Vorsicht ihrer Umwelt gegenüber zu den Spitzenreitern, was in der Gefangenschaft natürlich zu nicht zu übersehenden Komplikationen führt!
Besonders ist darauf zu achten, daß die Wände am Boden stark bepflanzt sind, die Mitte kann schon eher lichter sein. Ihre Fluchtdistanz ist nicht groß, nur sind sie es eben gewöhnt, stets schnellstens aus dem Blickfeld eines Feindes zu verschwinden, dank des Dickichts in der Natur ist das auch leicht möglich. Bei der entwickelten Geschwindigkeit kann ein Genick- oder Schädelbruch leicht fällig sein, falls gegen eine Wand gerannt wird. Wichtig ist, nicht nur Blattpflanzen einzusetzen, sondern ein dichtes Gestrüpp aus überwiegend dünnen Ästen muß entstehen. Sehr günstig ist, zusätzlich das sogenannte Ziergras zu verwenden. Man kann es schnell auswechseln und durch selbst gezogenes leicht ersetzen. Im ersten Augenblick scheint diese Art in ihrem Biotop eine Übereinstimmung mit den Huhnpittas und Zwerghuhnpittas zu haben, aber dies trügt! Gewiß, auch diese streifen ebenfalls gern durch hohes Gras, wissen aber so dichtes Gestrüpp, wie die Buschdrosslinge es nun einmal lieben, nicht zu schätzen.
Ihre schwierige Pflege in der Gefangenschaft bedingt eine strapazierfähige Geduld! Nur wenn man auf ihre Eigenarten eingeht, sind die Vögel über einen längeren Zeitraum zu halten! Als typische Bewohner des Unterholzes ist ihre Fluchtdistanz zwar gering, aber die kleinste Störung kann sie in Panik versetzen! Selbst die bescheidenste Veränderung ihrer Umwelt quittieren sie mit einer oft tagelangen Ruhepause, d. h. man hört sie nicht, während sonst ein Scharren und Rascheln am Boden vernehmbar war. Denn das Erdreich wird ständig nach Nahrung abgesucht und dabei jedes Blatt, jeder kleinste Ast und abgefallene Rindenstücke umgewendet. Dabei werden Gegenstände bis zu einer Größe von ca. 5 cm Länge mit dem Schnabel bewegt, während sie alles andere, was am Weg liegt, mit den Füßen fortscharren. Meist wird das rechte Bein als „Laubkratzer" benutzt, aber auch beide Beine können zugleich in Tätigkeit treten, wobei Luftsprünge von 2 bis 6 cm absolviert werden. Dank dieser Kraftleistung kann auch das Erdreich gelockert und anschließend einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Sonst stochern die Vögel allerdings nicht mit dem Schnabel im Boden, das „Sortieren" der abgefallenen Blätter etc. ist eben ihre Lieblingsbeschäftigung.
So wäre noch das Problem der Nahrungsaufnahme zu lösen! Fliegende Insekten werden kaum erbeutet, zumal diese in der Natur im Dickicht wenig anzutreffen sind. Aber Maden, Larven, Würmer und das Heer der Laufkäfer sind äußerst beliebt! Zeitweise kann man sie in der Gefangenschaft auch mit Heuschrecken ernähren, wobei die Buschdrosslinge sich als recht wählerisch entpuppten. Auf der Erde haben wir ca. 25 000 verschiedene Heuschreckenarten, davon sind übrigens noch nicht einmal 20 für den Menschen schädlich, der Pfleger müßte also mit deren Beschaffung kaum Sorgen haben — das Gegenteil ist jedoch der Fall! Die meisten Versuche Heuschrecken käuflich zu erwerben, scheitern und gelingt es endlich eine Art zu erwerben, dann sind zur Abwechslung unsere Buschdrosslinge nicht geneigt, sie zu verzehren.
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