Zur Siedlungsdichte des Seeregenpfeifers (Charadrius alexandrinus) an der Westküste von Schleswig-Holstein
von Peter Gloe, Meldorf
Ein als Brutplatz des Sandregenpfeifers (Charadrius hiaticula) bekannter Platz im Vorland an der Elbmündung bei Friedrichskoog (Gloe 1971 b:92) wurde 1973 mehrfach besucht, was zur Entdeckung einer „Kolonie" des Seeregenpfeifers (Charadrius alexandrinus) führte.
Es handelt sich um ein ca. 200x200 m großes Sandfeld (aufgespült, ca. 1,5 m über Vorland- Niveau), dessen Sand z. T. fest ist, z. T. durch Wind bewegt wird und das sporadisch von Andel (Pucinellia maritima) bewachsen ist und Spülsaumreste enthält. Das Sandfeld wird an je zwei Seiten von Vorland und von älteren, flachen Sandaufspülungen, die dichter bewachsen sind, umgeben.
Wenngleich es nicht möglich war, eine exakte Auszählung der Brutpaare von Charadrius alexandrinus vorzunehmen, geben folgende Ergebnisse Hinweise auf die Dichte dieser „Kolonie" und darin möglicher Minima der Reviergröße:
Am 22. 5. wurden innerhalb von 40 Miutnen, ohne gezielt nachzusuchen, 4 Gelege mit 3 Eiern, 1 Gelege mit 2 Eiern, 1 ad. mit pulli, 2 Stellen mit Schalenresten geschlüpfter Gelege sowie über 15 Scharrstellen und Nestmulden gefunden;
Am 25. 5. zählten D. Möller und Vf., ebenfalls nicht gezielt, insgesamt 10 Gelege (1 bis 3 Eier), darunter einige bereits am 22. 5. festgestellte.
Die große Anzahl anwesender, durchweg warnender und verleitender Seeregenpfeifer ließ zu, den Bestand auf „nicht unter 20 Paare!" einzuschätzen.
Einschließlich der dünner von Charadrius alexandrinus besiedelten alten Spülflächen (Gesamtareal ca. 14 ha) gruppierten sich an dieser Stelle ca. 50 Brutpaare.
Die Siedlungsdichte des Seeregenpfeifers ergibt auf den 4 ha des überwiegend sandigen Spülfeldes den rechnerischen Wert von (nicht kleiner als) 50 P./10 ha, also ca. 2000 qm durchschnittliche Reviergröße. Auf den übrigen 10 ha brüteten ca. 40 Paare in einer rechnerischen Dichte von 40 P./10 ha, was einer mittleren Reviergröße von 2500 qm entspricht.
Im Büsumer Hafenkoog brüteten 1971 13 Paare auf 8 ha (Gloe 1971 a:87), auf der Insel Helmsand bis zu 3 Paare auf einem ca. 25 qm großen, inmitten von Pucinellia maritima, Elymus arenarius und Schill abgelagerten, Schotterhaufens (Gloe 1972:39).
Brutnachbarn auf dem 4 ha großen Sandfeld vor Friedrichkoog waren 1973:
Austernfischer (Haematopus ostralegus): 1 Gelege mit 2 Eiern;
Sandregenpfeifer: 2 Paare, eines davon — Weibchen frischtot — führte am 25. 5. 73 Juge, davon 1 tot (Unterkühlung,). Das Männchen warnte und verleitete nur in über 20 m Entfernung von den Jungen!
Zwergseeschwalbe (Sterna albifrons): 2 Paare im Revier, Fischchenübergabe am 22. und 25. 5. 73.
Feldlerche (Alauda arvensis): 2 Paare; in einem Nest (zwischen Spülsaumresten) am 22. 5. 2 ca. 8 Tage alte Junge und 1 Ei.
Schrifttum
Gloe, P. (1971a): Der Brutvogelbestand im Ostteil des Büsumer Hafenkoogs 1971; CORAX 4, Beiheft l, p. 83-91.
-,— (1971b): Brutplätze des Sandregenpfeifers (Charadrius hiaticula) in Dithmarschen; CORAX 4, Beiheft i, p. 92-93.
—,— (1972): Aus der Vogelwelt der Meldorfer Bucht; Dithmarschen, Zeitschrift für Landeskunde und Heimatpflege, NF, 2, p. 38-45.
Anschrift des Verfassers: Peter Gloe, D 2223 Meldorf, Mühlenstraße 10
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