Sumpfohreule oder Waldohreule?
Nachdem ich bereits im Jahr 1972 zur Diskussion über dieses Bild meine Begründung zur Annahme, daß es sich um eine Sumpfohreule handelt, abgab, sei mir als dem Bildautor heute, nach neuerlicher Aufnahme der Diskussion zu diesem Thema, nochmals eine Stellungnahme erlaubt.
Herr Dr. Schoennagel gab mir verschiedene Zuschriften zur Einsicht, die von pro bis kontra Sumpfohreule lauten; aus diesem Grunde möchte ich noch einige Tatsachen beisteuern, die bisher nicht beachtet wurden oder nicht beachtet werden konnten, da es sich bei der fraglichen Aufnahme um ein Schwarz-Weiß-Foto handelt, bei dem die Farben also nicht zur Beurteilung herangezogen werden konnten.
1. ) Diese Eule saß hudernd auf den Jungen bzw. hinter den Jungen, in einem Biotop sumpfiger Viehweide, in vollkommen freiem Gelände. Neben dem Nest sind auch die Fruchtstände des Löwenzahns im Bilde zu sehen.
2. ) Da ich diese Brut längere Zeit beobachten konnte, wußte ich, daß dieses Tier 7 Eier im Gelege hatte, aus dem nach und nach 6 Junge schlüpften.
3. ) Die Iris des Alt-Vogels war nicht orange-rot, wie bei der Waldohreule, sondern schwefelgelb, wie bei den Sumpfohreulen üblich.
4. ) Die Pulli zeigten sowohl im Dunenkleid, als auch im Jugendkleid, die für Sumpfohreulen typische dunklere Färbung, die bei der Waldohreule in gleichem Alter und der gleichen Entwicklungsstufe wesentlich heller, flaumiger und grauer ist.
5. ) Auch die Haltung der Jungtiere zeigte die flache, waagerechte der Sumpfohreule und nicht die senkrechte, aufgerichtete der Waldohreule.
6. ) Diese Eule ist nicht das einzige Exemplar dieses Aussehens unter der Sumpfohreulen- population der Insel Borkum. Ich kann Color-Dias (oder Color-Copien von Dias) wohl eines ganzen Dutzends derartig gezeichneter Tiere, gleichen Aussehens an Hand meiner Aufnahmensammlung aus verschiedenen Jahren und verschiedener, räumlich weit getrennter Brutplätze, vorlegen.
7. ) Gerade dieses Tier beobachtete und fotografierte ich zusammen mit dem, inzwischen leider verstorbenen, Herrn Wilhelm Voemel, Weilburg. Bei uns bestand seinerzeit kein Zweifel, daß es sich um eine Sumpfohreule handelt, zumal wir bei: Brehm-Reihe, Gerber, „Die Sumpfohreule" bei Abb. 10 ein Tier gleichen Aussehens fanden und hier auch die Varianten dunkel- gesichtiger und hellgesichtiger Tiere eingehend behandelt werden. (Der Name des Bildautors G. Hoffmann ist rein zufällig dem meinen ähnlich.)
8. ) Die im gleichen Heft 7/72 der Ornith. Mitt, angeblich brütende Sumpfohreule, mit dem runden Gesichtsschleier, ist kein ad. Tier, sondern eine junge Sumpfohreule, die vom Bildautor gefunden (krank?) und in dieses Nest gesetzt wurde, um diese Aufnahme zu machen. Dies weiß ich von einem Augenzeugen.
9. ) Der Partner der umstrittenen Eule jagte am Tage und brachte Beute zum Nest, wie ich mit dem Glas beobachten konnte. Es handelte sich nicht um den frühen Morgen oder die Abendstunden, sondern um vormittags zwischen 10 und 11 Uhr, was auch für die tagjagende Sumpfohreule spricht.
10. ) Ich betreibe seit 1968 die Einbürgerung der Waldohreule auf Borkum mittels künstlicher Horste, die ich für diese Art anbringe. Im Jahre 1973 z. B. wurden 5 Brüten der Waldohreule in diesen künstlichen Horsten erfolgreich durchgeführt und die Jungtiere beringt. (Hierzu werde ich im Winter einen eingehenden Bericht in den Ornith. Mitt. geben.)
Ich verfüge also auch über vergleichbare Aufnahmen dieser Eulenart in allen Entwicklungsstufen, die aber alle in Color-Aufnahmen bestehen, die leider in den Ornith. Mitteilungen nicht in Farbe gedruckt werden können.
11. ) Seit über 20 Jahren verfolge ich gerade die Sumpfohreule, die Populationsschwankungen und Entwicklungen dieser Art, sowie den Schutz der Borkumer Population asio flammeus. Es liegen auch Ringrückmeldungen auf Borkum beringter Exemplare aus Karelien und finnisch Lappland vor, wobei es sich m. E. bestimmt um Sumpfohreulen gehandelt haben muß, wenn auch nicht zweifelsfrei feststeht, daß gerade aus dieser Brut derartige Ringfunde vorliegen, da jährlich zwischen 25 und 50 Jungtiere dieser Art von meinem Freund Herrn W. Pötter, Borkum, beringt wurden.
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