Zur Reform der deutschen Vogelnamen
Die auf der Vogelbeobachtungsliste des Biologie-Verlages und auf p. 34 des Jahrganges 16 der Ornithologischen Mitteilungen angegebenen Namen — soweit sie gegen die im „Peter- son" geändert sind — gefallen mir sehr gut, mit einer Ausnahme: Bei Odins- und Thorswassertreter sollten Namen gewählt werden, welche etwas mit den bezeichneten Arten zu tun haben, z. B. Halsbandwassertreter und Rotbrustwassertreter (notfalls auch die alten Namen Spitzschnabel- und Plattschnabelwassertreter). Wie soll man sich sonst merken können, welcher Name zu welchem Wassertreter gehört?
Vogelnamen, die nach menschlichen Namen gebildet sind, sagen nichts über die Vogelart aus, und sollten durch andere Namen ersetzt werden. Z. B. Moorstrandläufer statt Temminckstrand- läufer (wie im Schwedischen); Lorbeerlerche statt Theklalerche (wie im „Specht-Naumann").
Ich halte es nicht für nötig, daß der deutsche Name die Gattungszugehörigkeit zum Ausdruck bringt. Amsel ist ein gut eingebürgerter Name, bei dem jeder deutsche Ornithologe weiß, daß es sich um eine Drossel handelt. Dies ist umso weniger bedenklich, als bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen ohnehin Turdus merula beigefügt wird. Die amerikanischen Ornitho- logen haben da viel weniger Bedenken, und benutzen lautmalende Namen wie Pewee und Towhee u. ä. Allerdings sollte der deutsche Name keine falsche Gattungs- oder Familienzugehörigkeit suggerieren. Daher möchte ich vorschlagen:
Doppelbekassine (statt Doppelschnepfe) Zwergbekassine (statt Zwergschnepfe) Krabbenalk (statt Krabbentaucher) Papageilund (statt Papageientaucher) Steppenflughuhn (statt Steppenhuhn)
Birkenhänfling (statt Birkenzeisig) Zitronengirlitz (statt Zitronenzeisig) Schneesperling (statt Schneefink) Wespenmilan (statt Wespenbussard) (vgl. bei „Berndt = Meise")
Seeschwalbe, Sturmtaucher, Flughuhn, Brachschwalbe und Nachtschwalbe empfinde ich jeweils als einen Begriff, der keine Verwandtschaft mit Schwalben, Tauchern usw. ausdrückt. Ich würde daher auch gerne die Namen Nachtschwalbe, Rothalsnachtschwalbe, Ägypten-Nachtschwalbe beibehalten. Zumal ich den Namen Ziegenmelker in manchen deutschen Gegenden nach wie vor für diskriminierend halte, genauso wie Fischreiher und Raubwürger.
Da der Name Sumpfmeise völlig fehl am Platze ist, bin ich wie viele andere Ornithologen für den Namen Nonnenmeise. Parus palustris ist kein Argument für Sumpfmeise. Abgesehen von außereuropäischen Arten ist die lat.-griech. Benennung nicht der Anlaß für die Wahl des deutschen Namens.
Da Mistel- und Wacholderdrossel ähnlich fehl am Platze sind, möchte ich die Namen Schnarrdrossel und Schackdrossel neben Zippdrossel (statt Singdrossel) zur Diskussion stellen.
Falsche Schreibweise sollte man berichtigen. Nicht nur Bleßralle (für Bläßhuhn), Bleßgans (für Bläßgans) sondern auch Rephuhn (statt Rebhuhn), Urhahn (statt Auerhuhn; vom Auerochsen sind wir ja schon längst abgekommen!) und Grasmieke (von grau = grau und smieken = schlüpfen, statt Grasmücke). Rrof _ Dr Erich Gl ock, Clausthal-Zellerfeld
Anmerkung der Redaktion: Zum Thema deutscher Vogelnamen wurde in mehreren Nummern der Orn. Mitt. 1963 und 1964 von Dr. Corti, Prof. Dr. Dathe, Dr. Creutz, Dr. Kumerloeve, Dr. Makatsch und E. Zimmerli in ausführlichen Beiträgen Stellung genommen.
Eine Leserumfrage hatte für eine große Reform (im Sinne von Corti) keine Mehrheit (aber immerhin 39% der Stimmen) gefunden, wohl aber 92% für eine kleine Reform, d. h. für eine Bereinigung in bestimmten Fällen, wie Graureiher (statt Fischreiher), Greifvögel (statt Raubvögel), Bleßralle (statt Bläßhuhn) u. a. Diese wenigen Änderungen werden inzwischen von immer mehr Ornithologen akzeptiert. Etliche Zeitschriften, wie die von Prof. Dr. Dathe herausgegebene „Beiträge zur Vogelkunde", „Der Zoologische Garten" und „Milu", ferner „Vögel der Heimat", „Orn. Mitt.", „Leben und Umwelt", „Biolog. Abhandl." usw. schreiben grundsätzlich Bleßralle, Teichralle u. a. Daß einige, vornehmlich ältere Ornithologen, sich von alten Namen, auf die sie geprägt wurden, nicht trennen wollen, ist verständlich und war schon in der Diskussion zum Thema „Greifvogel oder Raubvogel" in den 50er Jahren zum Ausdruck gekommen.
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