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Beiträge zur Ökologie und Faunistik der Wirbeltiere
(Vertebrata: Amphibia, Reptilia, Aves, Mammalia [Rodentia et
Insectivora]) des Eulenberges bei Hennef
Rainer Alf, Christian Chmela und Matthias Schölten
Mit 9 Tabellen und 1 Abbildung
(Manuskripteingang: 20. Oktober 1994)
Kurzfassung
Im Rahmen der floristischen und faunistischen Untersuchungen am Eulenberg (Nordrhein-Westfalen, Niede¬
rer Westerwald, Rhein-Sieg-Kreis, Stadt Hennef) wurden die Wirbeltiergruppen der Reptilia, Amphibia, Aves
und Mammalia (Rodentia et Insectivora) untersucht. Das Arteninventar dieser Gruppen wird vorgestellt. Durch
die Einflüsse des Bergbaus auf Vegetationsstruktur, Geomorphologie und Mikroklima entstanden vielseitige
Biotoptypen. Nach Beendigung des Bergbaus konnten diese Lebensräume durch die Wirbeltiere ganz unter¬
schiedlich genutzt werden. Diese Besiedlungsstruktur und Aspekte der Insellage wie Kleinräumigkeit, Isolati¬
on und Interaktion mit dem Umland werden diskutiert.
Abstract
In the context of a floristic and faunistic investigation at the Eulenberg (Low Westerwald, Rhine-Sieg-District,
Northrhine-Westfalia) the vertebrate animal groups of Reptilia, Amphibia, Aves and Mammalia (Rodentia et
Insectivora) were examined. An inventory of these types of species will be presented. Due to the impact of
mining on the structure of landscape and Vegetation as well as on the micro-climate different types of biotops
evolved. After mining had finished, these living spaces were used by vertebrate animals in their respective,
characteristic way. These structures of Settlement and aspects of the islandlike position including size, isolati-
on from and interaction with the environment will be discussed.
1. Einleitung
Der Eulenberg (Nordrhein-Westfalen, Rhein-Sieg-Kreis, Stadt Hennef, TK 1:25.000 Nr. 5210)
stellt als ursprünglicher Basaltvulkan ein typisches Landschaftselement des niederen Westerwal¬
des dar. Stark geprägt wurde das Gebiet durch den Basaltabbau v.a. im 20sten Jahrhundert. Dieser
Bergbau nahm sehr starken Einfluß auf die Boden- und Reliefstruktur. Bedingt durch diese Ver¬
änderungen entstand eine hohe Vielfalt an Biotoptypen. Detaillierte Angaben zu den naturräumli¬
chen Grundlagen und den abiotischen Eigenschaften (Boden, Mikroklima) sind zu entnehmen bei
Steinwarz (1997a).
Die trocken-warmen Ruderalflächen des Eulenbergs in Kombination mit den vorwaldartigen
Sukzessionsstadien unterschiedlichsten Alters, den natumahen Waldresten sowie der See mit sei¬
nen Steilhängen bieten vielen Wirbeltierarten günstige Bedingungen. Der Eulenberg grenzt sich
durch seine strukturreichen und heute fast unbeeinflußten Flächen von den umgebenden, intensiv
landwirtschaftlich genutzten Flächen stark ab.
Anhand der Wirbeltiererhebungen sollen die aus der Lage und dem Charakter des Gebiets resul¬
tierenden Aspekte wie Kleinräumigkeit, Vielfalt der Lebensräume und Interaktion mit dem
Umland diskutiert werden. Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Arbeiten zur Flora und Fauna
des Eulenbergs (Jonas & Steinwarz 1997, Schucht et al. 1997, Stech 1997, Steinwarz 1997a, b).
2. Kleinsäuger (Mammalia: Rodentia et Insectivora)
Unter dem systematisch nicht definierten Begriff „Kleinsäuger“ faßt man Säugetiere bis etwa Rat¬
tengröße zusammen. In der Bundesrepublik gehören dazu die Insektenfresser (Igel, Maulwürfe,
Spitzmäuse), die Nagetiere (Schläfer, Hamster, Hörnchen, Wühlmäuse, Echte- oder Lang-