Decheniana, Band 125, Heft l/2
Seite 249—253
Bonn, Dezember 1972
Bestimmung von Meilerkohlen aus dem Hunsrück und ihre vegetations~
kundliche Aussage
Von Albrecht Krause, Bonn-Bad Godesberg
Mit 2 Tabellen und 1 Abbildung im Text
(Eingegangen am 29. 5.1972)
Kurzfassung
Im Hunsrück wurde auf 25 Meilerplätzen Holzkohle aufgesammelt und bestimmt. Die Holzarten-
analyse gibt Hinweise auf die Waldzusammensetzung der vergangenen Jahrhunderte und zeigt weit¬
gehend Übereinstimmung mit der potentiellen natürlichen Vegetation. Die Rolle der Buche als be¬
deutendster Holzkohlenlieferantin wird bestätigt.
1. Einleitung
In den Wäldern des Hunsrück findet man zahlreiche kreisrunde, planierte Flächen
von 5 bis 8 m Durchmesser. Es sind „Kohlplatten“, auf denen Meiler errichtet und
Holzkohlen gebrannt wurden. Sie erinnern an das ehemals weit verbreitete Köhler¬
gewerbe, das in enger Verbindung mit den Hütten- und Hammerwerken stand, die
die Eisenerze des Hunsrück verarbeiteten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang
die Rheinböller Hütte, die Stromberger Neuhütte, die Gräfenbacher Hütte und der
Simmerhammer, die sich alle um den Soonwald gruppierten. Um eine Vorstellung vom
Holzkohlenbedarf der Eisenindustrie der vergangenen Jahrhunderte zu vermitteln,
soll im folgenden wiedergegeben werden, was Bauer (1962, p. 62) über die Rhein¬
böller Hütte schreibt:
„1809 besaß das Werk einen Hochofen, ein Frischfeuer und einen Hammer. Der Ofen arbeitete
aber wegen Kohle- und Wassermangel nur sieben Monate im Jahr. Der jährliche Holzverbrauch allein
für Kohle betrug 10 600 Ster oder rm, das bedeutet rd. 7950 fm oder cbm und entsprach bei Buche
einem Holztrockengewicht von rd. 5 724 000 kg. Daraus wurden 684 000 kg Holzkohlen gemeilert.
Für 1 kg Kohle benötigte man demnach rd. 8 kg Buchenholz. Mit der genannten Menge Holzkohle
erzeugte man in Rheinböllen 133 000 kg Eisenwaren und 16 182 kg Grobeisen, insgesamt 149 182 kg
Eisen. Das bedeutet einen Kohlholzverbrauch je kg erzeugten Eisens von 38 kg oder je to Eisen von
51 fm. Das Werk beschäftigte 1809 60 Hüttenarbeiter, 60 Köhler und 12 Erzgräber.“
Mit der Einführung der Steinkohlenfeuerung im 19. Jahrhundert, die durch den
Bau der Nahe-Eisenbahn rentabel wurde, verlor die Holzkohle rasch an Bedeutung,
und die letzten Meiler brannten am Idarwald 1859 in Horath und 1894/95 in Hoxel
(Hoffmann 1957).