Decheniana (Bonn) 138, 149-156 (1985)
(Aus dem Institut für landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde der Universität Bonn)
Zur Kenntnis der Collembolenfauna
des Naturparkes Kottenforst-Ville: das Artenspektrum
Michael Schieuter
Mit 1 Tabelle und 1 Abbildung
(Eingegangen am 16. 6. 1984)
Kurzfassung
Im Waldgebiet des Naturparkes Kottenforst-Ville bei Röttgen nahe Bonn (Bundesrepublik Deutsch¬
land) konnten bei Untersuchungen, die den Boden und die Streu von Eichen-Hainbuchen- (Galio-Car-
pinetum), Rotbuchen- (Fagus sylvatica) und Fichtenflächen (Picea abies), eine Wiese, Baumstämme
und mehrere Tümpel und Weiher umfaßten, insgesamt 62 Collembolenarten nachgewiesen werden.
Abstract
In the forests of the Naturpark Kottenforst-Ville near Röttgen (Bonn, Federal Republic of Germany)
62 species of Collembola were found. The investigation dealt with soil and litter of some oak-hornbeam
forests (Galio-Carpinetum), beech forests (Fagus sylvatica), spruce forests (Picea abies) and a meadow.
Besides that the springtails of trunks and some ponds and pools of that region were examined.
1- Einleitung
Die Collembolen zählen zu den dominierenden Insektengruppen des unbewirtschafteten
und bewirtschafteten Bodens. Ungeachtet ihres Individuenreichtums und ihrer Bedeutung
für die Streuzersetzung gibt es nur wenige Arbeiten, die sich bis jetzt in Nordrhein-West¬
falen der Erfassung dieser Tiergruppe widmeten. Diese beziehen sich zumeist auf landwirt¬
schaftlich genutzte Böden (Land 1954; Hermosilla 1976, 1980, 1982; M. Schleuter 1981;
Hergarten 1984). Die Zahl der Untersuchungen von Waldflächen ist noch geringer und
beschränkt sich auf das Siebengebirge (Strebel & Altner 1961) und das Burgholz (Wup-
Pertal/Solingen) (Kampmann 1978; Kolbe, Kampmann & Schleuter 1984). In dieser Arbeit
soll das Artenspektrum der Collembolen des Naturparkes Kottenforst-Ville,-eines Waldge¬
bietes in der Nähe von Bonn, vorgestellt werden.
Die Collembolen zählen zu den ursprünglichsten und ältesten Insektengruppen. Sie sind
Primär flügellos und werden im deutschen Sprachgebrauch als Springschwänze bezeichnet.
Hamengebend ist eine je nach Art mehr oder weniger gut ausgebildete Sprunggabel am
JV. Abdominalsegment. Diese ermöglicht es den 0,5-5 mm großen Tieren, sich der Viel-
z ahl der Feinde durch einen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße gewaltigen Sprung zu ent¬
gehen. Die Collembolen bewohnen bei genügender Feuchtigkeit alle terrestrischen Lebens-
faume, insbesondere aber den Boden und die Streuschicht. Die Trockenresistenz ist bei
ihnen wenig ausgeprägt. Nur wenige Arten ernähren sich herbivor als Gras-, Kraut- oder
Blattfresser oder gar räuberisch. Die meisten sind omnivor oder detritivor. Sie fressen
Mikrobiell zersetzte Pflanzenreste, Pilzhyphen und Sporen, Wurzeln und auch Exkremente
größerer Bodentiere. Die Bedeutung der Collembolen beim Abbau der Streu liegt also
Weniger in einer Konkurrenz zu den Primärzersetzern, Regenwürmern, Asseln, Schnecken
Mid Diplopoden, als vielmehr in einer Weiterverwertung der durch diese entstehenden
Reste.