Zur Kenntnis der Collembolenfauna des Naturparkes Kottenforst - Ville
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4 . Die Collembolenfauna der verschiedenen Lebensräume des Untersuchungsgebietes
4 . 1 . Collembolen der Streu und des Bodens der Waldflächen
Bei der Untersuchung der Collembolenfauna des Kottenforstes konnten insgesamt 62 Col -
lembolenarten nachgewiesen werden ( Tab . 1 ) . Die meisten dieser Arten wurden in den
Boden - und Streuproben aus den Wäldern gefunden .
Die Bedeutung der Collembolen für den Umsatz der Streu ist aufgrund der geringen Bio¬
masse nicht so hoch wie manch anderer Gruppen , aber wegen der hohen Individuenzahlen
durchaus nicht zu unterschätzen . So wurden im Boden der Waldflächen des Kottenforstes
durchschnittliche Besatzdichten von 25 000 Collembolen/m 2 ermittelt , wobei im Winter nie
weniger als 10 000 Individuen/m 2 gefunden wurden , im Herbst dafür aber bis zu 75 000/m 2
nachgewiesen werden konnten .
Collembolen sind selbst keine grabenden Erdbewohner , sondern bei ihrer Suche nach
Nahrung im Boden auf ein natürliches Lückensystem oder auf die Gänge anderer Tierarten
angewiesen . Der Boden im Kottenforst , ein schwerer Lößlehm , sehr fein und dicht ,
beschränkt ein Leben der großen Collembolenarten auf die oberen 5 cm , die Streuauflage
( O, ) und die Abbauzonen ( O f und O h ) bis zum Mineralboden ( A h ) . Durchschnittlich 88 %
der Collembolen wurden in den Waldflächen in diesen oberen Zentimetern des Bodens
gefunden . Mit zunehmender Verdichtung des Bodens in der Tiefe nahm der Collembolen -
besatz drastisch ab . Lediglich Spezialisten unter den Collembolen , sehr kleine und längliche
Formen , sind zu einem Leben in den dichten , tieferen Schichten befähigt . Zu diesen zählen
Friesea truncata , Mesaphorura macrochaeta , Tullbergia callipygos , Proisotoma minima und
Megalothorax minimus .
Drei Arten traten in den Waldflächen des Kottenforstes in besonders hohen Individuen¬
zahlen auf , Isotomiella minor , Isotoma notabilis und Folsomia quadrioculata . Diese eudomi -
nanten Arten sind eurytop und eurychron . Recht zahlreich waren auch Arten wie Tullbergia
callipygos , Onychiurus vanderdrifti , Onychiurus quadriocellatus , Onychiurus furcifer und
Lepidocyrtus lignorum . Onychiurus vanderdrifti und Tullbergia callipygos wurden besonders
häufig in der Fichtenparzelle entdeckt . Die Lebensbedingungen unter Fichtenbewuchs
scheinen für sie günstig zu sein . Gisin ( 1943 ) bezeichnet Tullbergia callipygos als leicht aci -
dophil . Sie tritt in Wäldern besonders dort auf , wo sich die ersten Anzeichen einer begin¬
nenden Bodenversauerung zeigen ( Oxalis - Bewuchs , Riedgras , Nadelstreu in künstlichen
Fichtenwäldern , Moospolster ) . Mit einem pH - Wert unter 4 sind auch die Böden der unter¬
suchten Flächen als sauer einzustufen . Onychiurus quadriocellatus lebt in und unter Laub¬
streu und war demzufolge in Fichtenflächen nicht so häufig anzutreffen . Gisin ( 1952 )
bezeichnet Onychiurus quadriocellatus als gemein und charakteristisch für schwere , kalkfreie
Waldböden des Schweizer Plateaus . Dies bestätigen auch Funde aus Deutschland . Beson¬
ders bezeichnend ist aber nach den vorliegenden Ergebnissen seine Vorliebe für Böden mit
Laubstreu , ganz besonders für dichtliegendes , feuchtes Laub . So wurden bei Streuproben
im Eichen - Hainbuchenwald 639 Exemplare , im Rotbuchenwald 514 , im Fichtenforst
dagegen nur 147 Exemplare/0,6 m 2 gefunden .
4 - 2 . Collembolenbesiedlung der Baumrinden
Lm das Artenspektrum der rindenbewohnenden Collembolen zu erfassen , wurden die
Rinden einiger Eichen und Buchen mit einem Exhaustor abgesaugt . In solchen Saugproben
Würden jedoch nur wenige Arten gefunden : Vertagopus cinereus , Entomobrya nivalis , Ento -
m obrya corticalis , Tomocerus flavescens und Xenylla boerneri .
Vertagopus cinereus wurde ausschließlich an Stämmen , in Boden - und Streuproben aber
nic ht nachgewiesen . Die Funde beschränken sich auf den Herbst und das Frühjahr . Ento -
171 ° brya nivalis und Tomocerus flavescens waren in ihrem Auftreten nicht an Baumrinden
§ e bunden .
Wolters ( 1983 ) stellte fest , daß sich die Jungtiere von Tomocerus flavescens auf den Boden -
dächen zwischen den Bäumen entwickeln . Im Sommer steigen die Adulten bei günstiger ,
macht warmer Witterung die Bäume empor . Entomobrya corticalis ist eine Art , deren Ent¬
wicklung mehr oder weniger an den Rinden abläuft oder wenigstens in unmittelbarer Nähe