Decheniana ( Bonn ) 143 , 486 - 493 ( 1990 )
Geologisch - biologische Exkursion in das Siebengebirge am 18 , Juni 1989
Wolfgang Kolbe , Albrecht Krause , Wilhelm Meyer , Hubert Roer
Mit 1 Abbildung
Am Sonntag , 18 . Juni 1989 , brachen um 10 Uhr 70 Teilnehmer an der Fähre in Königswinter
bei sonnigem Wetter zu einer geologisch - biologischen Siebengebirgs - Exkursion auf . Es
wurden in stetem Wechsel jeweils geologische , botanische und zoologische Erläuterungen
und Demonstrationen geboten ( vgl . die nachfolgenden Beiträge ) . Der erste Halt war im eis¬
zeitlichen Blockmeer des Rüdenet , das aus Trachytblöcken der Drachenburg - Kuppe
besteht . Der Weg führte dann oberhalb der Weinberge um den Drachenfels herum und auf
die Anhöhe zwischen Drachenfels und Wolkenburg hinauf ; hier konnte das Wolkenburg¬
gestein in einem kleinen Steinbrach angesehen werden . Von hier führte der Weg zum Wirts¬
haus „ Milchhäuschen 1 - , wo Mittagsrast gehalten wurde . Anschließend wurde im nahen Elsi -
gerfeld ein Stollen für Trachtyttuffabbau aufgesucht , vor dem Erläuterungen zur Fleder¬
mausfauna gegeben wurden . Von hier ging der Weg hinunter zu den Ofenkaulen , an deren
südlichstem Abbau die Trachyttuffdecke mit einem Ausbruchspunkt zu studieren ist . Dann
ging es nach Norden bis zur Straße Königswinter - Ittenbach , an der die tertiären Liegend¬
schichten gegenüber dem Wintermühlenhof angeschnitten sind . Der Weg ging dann durch
den Hohlweg ( die „ Hölle “ ) ins untere Nachtigallental mit einer anderen Fazies der Trachyt -
tuffe ( Höllentuff ) . Die Exkursion endete gegen 17 Uhr in Königswinter .
Geologie
Wilhelm Meyer
In den letzten Jahrzehnten hat man besonders in der Umrandung des pazifischen Ozeans
zahlreiche Vulkankomplexe untersucht , die ihrer Zusammensetzung nach Ähnlichkeit mit
dem Siebengebirge haben , also neben basaltischen auch intermediäre oder saure Laven und
Tuffe ( z . B . Andesite , Phonolithe , Trachyte , Rhyolithe ) gefördert haben . Die Kenntnis
dieser meist jüngeren und besser erhaltenen Vulkankomplexe gestattet uns nun , die Entste¬
hungsgeschichte des Siebengebirgsmassivs , das etwa 25 Millionen Jahre alt ist und durch den
Rhein und seine Nebentäler sehr tief abgetragen wurde , neu zu interpretieren , wenn auch
die großtektonische Stellung des Siebengebirges anders ist als bei den zirkumpazifischen
Vulkanen .
Für den Nichtpetrographen soll folgende Übersicht helfen , die wichtigsten Gesteine ein¬
zuordnen ( mit Beispielen aus dem Siebengebirge ) :
Basalte : Nephelinbasanit ( Nonnenstromberg ) , Alkaliolivinbasalt ( Petersberg ) , Olivinba¬
salt ( Kasseler Heide ) , Tephrit ( Löwenburg ) , Hawaiit ( Lyngsberg in Bad Godesberg ) .
Latite ( früher hier als Andesite bezeichnet ) : Quarzlatit ( Wolkenburg , Stenzeiberg ) , Latit
( Broderkonsberg ) .
Trachyte : Quarztrachyt ( Drachenfels ) , Trachyt ( Lohrberg ) , Alkalitrachyt ( Gang am
Kühlsbrunnen ) .
Näheres zur Petrographie bei Frechen & Vieten ( 1970 ) und Vieten et al . ( 1988 ) .
Die Gesteine des Schiefergebirgssockels , es sind Sandsteine , Siltsteine und Tonschiefer ,
gehören im Siebengebirge zu den unterdevonischen Oberen Siegen - Schichten . Sie konnten
nördlich vom Ulanendenkmal bei Rhöndorf beim Aufstieg zur Wolkenburg angesehen
werden . Die Tertiärsedimente im Liegenden der Vulkanitfolge wurden als konglomeratfüh¬
rende Quarzite an der Straße Königswinter - Ittenbach gegenüber dem Wintermühlenhof
gezeigt .
Der Vulkanismus begann mit der Förderung basaltischer Schmelzen in relativ beschei¬
denem Umfang . Bald danach erreichte er jedoch einen katastrophalen Höhepunkt . Es hatte
sich in der Kruste ein großer Herd intermediärer bis saurer Schmelzen gebildet , in dem ein
hoher Gasdruck entstand . Dieser relativ leichte Magmenkomplex stieg in der Kruste auf