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Bemerkungen zum Brutvorkommen des Wiesenpiepers,
Anthus p. pratensis (L.), und der Sumpfohreule,
Asio fl. flammeus Pontopp., im Vogtlande
Von Heinrich Dathe, Leipzig
Der Bericht F. DERSCHs über das Brutvorkommen des Wiesen¬
piepers im Vogtlande (Mitt. Ver. säch. Ornith. 3, H. 3, 1931,
S. 142 — 144) veranlaßt mich, einige meiner Feststellungen zu
veröffentlichen. Ich beobachte jährlich zu den verschiedensten
Zeiten einige Wochen in der näheren Umgebung von Reichen¬
bach i. V. Auf die Eigenschaft des Wiesenpiepers als Brutvogel
in diesem Gebiet wurde ich erstmalig am 13. 7. 1929 aufmerksam.
An diesem Tage stellte ich nämlich ein Junge fütterndes Exemplar
bei der sogenannten Lehmpfütze bei Reichenbach fest. Am nächsten
Tag — 14. 7. — beobachtete ich den gleichen Vorgang im Schmalz¬
bachtal bei Heinsdorf. Beide Oertlichkeiten sind sumpfig und für
ein Vorkommen des Wiesenpiepers wie geschaffen. Leider werden
beide Stellen von Jahr zu Jahr mehr entwässert. Schon 1930
gelang es mir nicht mehr, an den genannten Plätzen Wiesenpieper
aufzufinden, sodaß wahrscheinlich diese Brutorte durch Ver¬
änderung der ökologischen Bedingungen schon aufgegeben worden
sind. Dafür machte ich 1930 einen anderen ziemlich sicheren
Brutplatz aus. Auf den zum Rittergut Brunn bei Reichenbach
gehörigen sumpfigen und morastigen Wiesen sah ich am 22. IV.
einzelne ♂♂auf niederen Büschen oder auf Pfählen der Vieh¬
koppeln sitzen, singen und Balzflüge vorführen, ganz so, wie ich
es an erzgebirgischen Brutpiepern beobachtete. Auch hier würde
der Wiesenpieper passendes Wohngelände finden. Als Nachbarn
hätte er Kiebitz und Bekassine. Ferner vermute ich noch das
Brüten des Wiesenpiepers auf den feuchten Wiesen hinter der
Siedlung von Reichenbach, da ich dort zu jeder Jahreszeit einzelne
Exemplare angetroffen habe. Während der Zugzeiten ist er selbst¬
verständlich überall recht häufig.
In den „Mitteilungen der Vogtländischen Gesellschaft für
Naturforschung", Heft I (Plauen 1925) führt DERSCH in seiner
Arbeit über die „Brutvögel des Vogtlandes" auch die Sumpf¬
ohreule auf. Neben einer anderen Feststellung zur Brutzeit aus
Plauen greift er auf eine Angabe BAUERs i m „I. Jahresber. d.
ornithol. Beobachtungsstationen i. Kgr. Sachsen" zurück, die sich
ebenfalls in HEYDERs „Ornis saxonica" befindet. BAUER berichtet
1885, daß die Sumpfohreule bei Friesen in der Nähe von Reichen¬
bach brüte. Seit dieser Zeit hat sich aber augenscheinlich das
Gelände in Friesen derartig geändert, daß heute schwerlich eine
Sumpfohreule hier eine Wohnstätte finden dürfte. Nur ein ein-