Die Hangentwässerung Zell.
Von Dr. Ludwig SPUHLER, Ludwigshafen.
Am 23. Februar 1935 fand mit einem Kameradschaftsabend
eine Arbeit ihren Abschluß, die nicht allein in Fachkreisen
lebhaftem Interesse begegnen dürfte, die Hangentwässerung
Zell im Pfrimmtal. Den Pfälzern ist ja schon teilweise be¬
kannt, worum es sich hier handelt. Wiederholte Notrufe in
den Zeitungen machten eine breitere Öffentlichkeit darauf auf¬
merksam, daß hier die Heimstätte fleißiger Weinbauern in
Gefahr stand durch übermächtige Gewalten vernichtet zu
werden.
Der aus Schleichsand und Cyrenenmergel aufgebaute nörd¬
liche Hang des Pfrimmtals war in Bewegung geraten. Es
ist eine Erscheinung, die in der Pfalz und im angrenzenden
Rheinhessen schon lange bekannt ist. Überall, wo diese
Schichten die Talwand bilden, verraten sie dem kundigen
Auge schon von weitem durch ihre unruhigen Oberflächen¬
formen, daß sie in Bewegung sind. Große Flächenstücke glei¬
ten hinab, wölben sich auf und bedecken fruchtbaren Boden.
So liegen denn mitten in wohlgepflegten Weinbergen größere
Flächen Ödlandes, die durchaus nicht in die Umgebung passen.
Vor vielen Jahrtausenden rutschten Felsen, die sich von dem
anstehenden Kalkplateau hinter dem Dorfe losgelöst hatten,
am Hang hinab und ragen heute als isolierte Türme aus den
Weinbergen heraus.
Diese Rutschungen sind nun nicht kontinuierlich und erfas¬
sen auch nicht den Hang in seiner ganzen Ausdehnung. Es
handelt sich immer wieder um einzelne Schollen von mehreren
Ar, die bald hier, bald einige Jahre später an einer andern
Stelle abreißen. Sie machen natürlich fortwährend eine Klä¬
rung der Eigentumsverhältnisse notwendig, verschütten Feld¬
wege oder verbiegen, zerreißen sie, oder schleppen sie hang-
abwärts. Auch die Straße Mölsheim—Zell wurde vor Jahren
so in Mitleidenschaft gezogen und konnte nur dadurch ge¬
sichert werden, daß man sie hoch an den Hang auf ruhige
Schichten verlegte. Auch hier sind die vorbeugenden Ma߬
nahmen die einzig rechten. Man kann die rutschenden Massen
unmöglich aufhalten.
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