Jung-Kuckucke (Cuculus canorus) im Industriegelände
Als ich am 10. 6. 54 ein mir bekanntes Nest der Weißen Bachstelze kontrollieren
wollte, welches in dem Stahlgerüst einer Verteilertafel des städtischen Wasserwerkes
stand, fand ich an Stelle der Bachstelzen einen ca. 6 Tage alten Kuckuck darin. Diese
Beobachtung fiel mir jedoch nicht besonders auf, da sich die zwar eigenartige Brut¬
stelle immerhin im freien Waldgelände befand.
Um so größer war jedoch mein Erstaunen, als ich am 1.1. 7. 54 im Industriegelände
eines Teersplitt — und Kieswerkes, direkt neben qualmenden und dampfenden Teer¬
kesseln wieder ein Nest mit einem zwölf Tage alten Kuckuck vorfand. Zwei weitere
Nester mit einem Kuckuck besetzt entdeckten die Arbeiter des gleichen Werkes am
15. 7. (Alter ca. 8 Tage) und am 28. 7. (Alter ca. 6—8 Tage). Das eine Nest lag unter
den Brettern einer Rollbahn, das andere in den Seitenwänden eines Lastschiffes; die
Entfernung der Nester voneinander betrug jeweils 40—60 m. Außerdem war in allen
3 Fällen die Weiße Bachstelze Wirtsvogel, so daß die Kuckucke sicher von einem
Weibchen stammen. Stets waren die Nester so gelegen, daß das Weibchen sein Ei nur
im Schnabel dorthin gebracht haben konnte.
Leider konnten von den vier Kuckucken nur zwei verfolgt und besiegt werden, da
die übrigen beiden bereits nach einigen Tagen ausgeplündert waren.
Hubert Weinzierl, Ingolstadt/Donau, Parkstraße 6
Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) als Kuckucksnahrung
In der von der steirischen Landesjägerschaft herausgegebenen Jagdzeitschrift „Der
Anblick" (9, S. 262, 1954) berichtet J. Zapf über Untersuchungsergebnisse an im
Frühjahr gesammelten Kuckucksmagen. Nach Zapf werden im Frühjahr gerne
Maulwurfsgrillen (G. gryllotalpa (L.)), die um diese Zeit ihre Paarungszeit haben und
auf der Partnersuche sich viel oberirdisch bewegen, gefressen. Zapf belegt diesen
Befund mit einem Bild, das den geöffneten Magen und die darin enthaltenen Reste
von 3—4 Maulwurfsgrillen zeigt. Wenn auch z. B. das Handbook of British Birds so
große, harte Insekten wie Mai- und gr. Laufkäfer (Carabus) als Beutetiere anführt, so
verdient dieser Fund doch mitgeteilt zu werden; um so mehr, als die Aufnahme von
Maulwurfsgrillen gar nicht selten zu erfolgen scheint.
Kurt Bauer, Österreichische Vogelwarte Neusiedlersee
Nachtrag zu: Feldornithologische Kennzeichen der Rosenseeschwalbe
(Sterna d. dougallii Mont.) (Orn. Mitt. 7, S. 7; 1955)
Bei der Skizze waren versehentlich die beiden Artnamen verwechselt worden.
Das obere Tier ist St. dougallii, das untere St. hirundo.
Auf Grund kritischer Zuschriften der Herren Dr. H. Kirchner, Bad Oldesloe,
und AI. Grosse, Heide, denen ich für ihre Bemerkungen danke, will ich noch
etwas deutlicher, als aus dem kurzen Text offenbar zu ersehen war, sagen, weshalb
ich die Notiz und das Bild brachte. Es bestanden bei der geschilderten Beobachtung
wenig Möglichkeiten der Unterscheidung beider Arten; aber es war die sicher seltene
und deshalb feldornithologisch bemerkenswerte Tatsache des gleichartigen Verhal¬
tens der Tiere und damit die Vergleichbarkeit gegeben (ein Lichtbild, auf dem zu
ersehen ist, wie die beiden Arten nebeneinander saßen, habe ich seinerzeit als Beleg
angefertigt). Im übrigen wollte ich zeigen: 1. Klarstes Unterscheidungsmerkmal ist
anscheinend die Schnabelfarbe, auf die man zuerst achten sollte. 2. Die feldornitholo-
gischen Unterschiede des Gefieders, sind nicht immer so deutlich oder manchmal gar
nicht so vorhanden, wie sie in der typischsten Ausprägung (wohl frisch vermausert)
zu sehen und in der Literatur angegeben sind. 3. Unter den gleichen Umständen
(hinsichtlich Sitzmöglichkeit, Windverhältnissen, psychischer Lage der Tiere) kann es
offenbar feinere Unterschiede in der Haltung geben, die sonst nicht vorhanden sind,
und die man bei Betrachtung eines einzelnen Tieres überhaupt schwerlich wird fest¬
stellen können. Dr. D. König , Husum
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