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Neubürgers auf Hawaii ausgewählt (Abb. 1). Rußbülbüls sind nach Pyle (1992) erst 1965
nach Hawaii gelangt; sie sind damals wahrscheinlich trotz des bereits bestehenden Verbotes
wohl absichtlich ausgesetzt worden und nicht nur zufällig auf dem Flughafen entkommen
(Lever 1987). Ursprünglich auf Kulturland beschränkt, galten sie 1976 noch als
ungewöhnlich, nur wenige Jahre später aber schon als weitverbreitet. Trotz dieser schon
früher dokumentierten Ausbreitung war es für uns überraschend, wie stark diese Vögel in
nur 3 Jahren seit unserem ersten Besuch zugenommen und sich aus dem Park- und
Gartenbereich Honolulus bis in den dichtbesiedelten, städtischen Teil ausgebreitet hatten.
Auch auf Kauai haben wir Rußbülbüls diesmal angetroffen und inzwischen haben sie auch
Molokai, Kaholawe und Big Island (Hawaii) erreicht.
Weniger ist uns eine Veränderung beim südasiatischen Rotohrbülbül Pycnonotus jocosus
aufgefallen, obwohl dessen Auftreten ebenfalls mit Sorge beobachtet wird. Er hat sich
jedenfalls nicht so stark vermehrt. Von den fruchtenden Bäumen im Kapiolani Park
abgesehen, wo aber auf einen Rotohrbülbül zumindest 10 Rußbülbüls kamen, haben wir
diese Art eher in botanischen Gärten und in Parks mit höherem und dichterem Bewuchs und
seltener in Kulturland gesehen. In Honolulu gab es mehrere Gruppen im Foster Botanical
Garden, desgleichen im Waimea Valley Park, aber sonst war diese Art noch immer eher
spärlich vertreten. Auf Oahu bildet er daher wohl keine Konkurrenz für die hier weit in die
Bergwälder zurückgewichenen, letzten Kleidervögel.
Zunahme auch bei eingeführten Körnerfressern
Die zweite Art mit auffallender Ausbreitung im verbauten Bereich bildete der aus Südamerika
stammende Graukardinal Paroaria coronata, der an und für sich bereits seit 1928 auf Hawaii
eingebürgert und über alle größeren Inseln verbreitet ist. 1997 haben wir Graukardinäle in
Honolulu vor allem im Kapiolani Park angetroffen, wo die weiten Rasenflächen nicht nur für
ausreichende Nahrung durch die von den Besuchern übriggebliebenen Speisereste sorgten,
sondern die attraktiven Vögel auch gerne von Touristen wie Badegästen des nahen
Strandes gefüttert wurden. Obwohl die Fütterung mittlerweile auch im Park verboten worden
ist, waren Graukardinäle dort nach wie vor häufig. Erstaunlicherweise waren aber auch sie
mittlerweile in den anschließenden, dicht verbauten Teil Waikikis vorgedrungen, suchten auf
den Straßen und Parkplätzen nach Futterresten und fühlten sich auf den Baikonen wie auf
den immerhin 10 und mehr Stock hohen Flachdächern heimisch. In den Gruppen befanden
sich auch häufig jüngere unausgefärbte Vögel mit noch gefleckten oder zumindest
orangeroten Kopf- und Haubenfedern, die in manchen Flügen sogar zahlenmäßig deutlich
überwogen.
Auch außerhalb Honolulus sind Graukardinäle auf Oahu oft anzutreffen, vor allem auf den
den Beach Parks anschließenden Rasenflächen, wo Besucher zusätzlich für Fütterung
sorgen.
Auf den anderen Inseln sind Graukardinäle weniger häufig, aber auch auf Kauai haben wir
sie erneut gesehen. Mit dem in weit geringeren Zahlen auftretenden nordamerikan. Roten
Kardinälen Cardinalis cardinalis besteht übrigens keine Konkurrenz, da diese durchwegs in
busch- und baumreicheren Habitaten bis zu dicht bewaldeten Bereichen auftreten und nicht
auf dem Boden und offenen Rasenflächen nach Nahrung suchen. Rote Kardinäle haben wir
im übrigen auch fast immer nur paarweise registriert.
Der dritte Exote und zweite Körnerfresser, der seit 1997 auffällig zugenommen hatte, ist der
ursprünglich javanische Reisfink Padda oryzivora, der zwar schon 1865 erstmals und später
mehrmals auf der Inselgruppe ausgesetzt worden ist, aber zunächst offenbar nicht Fuß fas¬
sen konnte.