Seite
146
Wolfgang Hergarten
Hypogastrura armata, Xenylla maritima, Onychiurus quadriocellatus, Mesaphorura calli-
pygos, Neonaphorura duboscqi, Isotomina scapellifera, Isotoma westerlundi, Isotoma sensi-
bilis und Lepidocyrtus curvicollis. Bemerkenswert ist das Fehlen der auf allen anderen
Standorten vorhandenen eurytopen Art Isotomodes productus.
Von den 33 Arten wird nur Folsomia quadrioculata mit 17,2% Individuendominanz als
dominant eingestuft. Sie und die Subdominanten Arten Mesaphorura krausbaueri mit 9,3%,
Folsomia fimetaria mit 8,1% und Isotomiella minor mit 8,1% Individuendominanz sind die
Hauptbestandsbildner der Collembolenpopulation und machen 44,1% von dieser aus
(Abb. 10).
Einschließlich der schon genannten drei Subdominanten Arten gibt es fünf weitere, die
mit 53,1% an der Population beteiligt sind. Acht rezedente Arten stellen dann noch 16,5%
und 15 subrezedente 4,8% der Individuen. Das Populationsmaximum liegt im Oktober
1980, das Minimum im Januar 1981.
5. Vergleich der Arten- und Individuenzusammensetzung der Standorte
Mit zunehmender Intensität der anthropogenen Beeinflussung eines Standortes ist eine,
auch von Palissa (1964) festgestellte Abnahme der Collembolenabundanzen in der Reihen¬
folge Laubwald-Wiese-Acker verbunden. In der vorliegenden Untersuchung ist, abwei¬
chend davon, das Grünland mit den höchsten Individuenzahlen ausgestattet.
Rechnet man die Individuenzahlen des Waldes auf zwei Jahre hoch, so liegt er wert¬
mäßig unter dem des Grünlandes. An letzter Stelle stehen die Ackerflächen, die aber unter¬
einander größere Unterschiede aufweisen. So ist die Abundanz der Collembolen auf „Am
Hof“ am niedrigsten, auf dem Schlag „Bei Kost“ fast viermal so hoch.
Etwa 50% der Collembolenpopulation eines Standortes setzt sich dabei in wechselnder
Konstellation aus nur vier, in der Regel ubiquistischen Arten wie Mesaphorura krausbaueri,
Isotomiella minor, Isotomodes productus, Isotoma viridis und Isotoma notabilis, zusammen.
Deutlicher als die Abundanz nimmt die Artenanzahl mit zunehmender Bewirtschaf¬
tungsintensität ab. Die ungestörten Wald- und Grünlandböden sind mit 33 bzw. 35 Arten
sehr artenreich, die biologisch-dynamisch bewirtschafteten Ackerflächen haben 26 bis 28
verschiedene Arten, der intensiv genutzte Schlag „Am Hofacker“ ist mit 19 Arten als arten¬
verarmt zu bezeichnen.
Für die Artenverarmung der Kulturflächen kann man verschiedene landwirtschaftliche
Maßnahmen wie Agrarchemikalien, Bodenbearbeitung oder die Gestaltung der Frucht¬
folgen verantwortlich machen (Siegel 1982). Die Bodenart scheint auf die Artenanzahl
weniger Einfluß zu haben, wie auf dem Schlag „Bei Kost“ deutlich wird, obwohl Dhillon &
Gibson (1962) und Naglitsch (1963) für leichte Böden eine geringere Artenzahl feststellen.
Ebenso konnte ein an Jahreszeiten gebundenes Artenspektrum nicht herausgestellt werden.
Auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen besteht durch die Bewirtschaftungsma߬
nahmen ein immer wiederkehrender Zyklus, dem sich nur Arten mit weit gefaßten Lebens¬
ansprüchen in ihrem Generationszyklus anpassen können; die anderen Arten werden ausge¬
schaltet (Tischler 1959). So werden sich die landwirtschaftlichen Flächen in der Zusam¬
mensetzung ihrer Restarten immer ähnlicher. Im Ackerboden fehlen solche Arten, die eine
engere Bindung an die speziellen Verhältnisse des Grünland- oder Waldbodens haben. Ent¬
sprechend ist die Artenidentität zwischen den Ackerstandorten „Am Hofacker“, „Am
Hof“, „Am Kreuzweg“ und dem Waldstandort sehr gering. Lediglich auf dem dem Wald¬
stück benachbarten Schlag „Bei Kost“ kommen eine Reihe von gleichen Arten vor. Wegen
der direkten räumlichen Nachbarschaft ist nicht auszuschließen, daß diese Ackerfläche
durch eine Restgesellschaft der ursprünglich dort angesiedelten Waldcollembolengesell-
schaft bevölkert wird. Die Ackerstandorte untereinander haben dagegen aus den oben
genannten Gründen eine relativ hohe Artenidentität, dies umso mehr, je näher sie räumlich,
wie z. B. die biologisch-dynamischen Schläge „Am Hof“ und „Am Kreuzweg“, beieinander
liegen. Die höchste, jedoch nicht weiter erklärbare Arten- und Dominanzidentität existiert
zwischen dem Grünland und dem Schlag „Bei Kost“.
Bezieht man die relativen Häufigkeiten der Arten in die Betrachtung ein, so kommt man
zum Diversitätsindex, mit dessen Hilfe man die menschlich beeinflußten Biotope von den
naturnahen unterscheiden kann (Remmert 1978).