Seite
Zur Kenntnis der Collembolenfauna des Naturparkes Kottenforst-Ville
153
der Bäume. Von Xenylla boerneri wurden lediglich zwei Exemplare in einem Moospolster
an einem Eichenstamm gefunden.
4.3. Collembolen der Wiese
Bei der untersuchten Wiese handelt es sich nicht um Dauergrünland sondern um einen
Wildacker, der während der Untersuchungszeit als Wiese genutzt wurde. Da diese Fläche
mitten im Wald angelegt wurde, fehlen die typischen Arten des Kulturlandes, denen ein
direktes Zuwandern nicht möglich ist. Bei der Collembolengemeinschaft, die hier lebt,
handelt es sich im wesentlichen um Arten des Waldes, die unter den Bedingungen des
Ackers noch leben können und um einige eingeschleppte Arten. So kamen Onychiurus spi-
nularius, Isotoma tigrina und Tullbergia quadrispina lediglich im Boden dieser Wiese vor.
Sie sind hier wahrscheinlich bei Düngemaßnahmen oder bei der regelmäßigen Wildfütte¬
rung mit Rüben, an denen noch viel Erde haftet, eingeschleppt worden. Onychiurus spinula-
rius lebte als euedaphische Form in allen Tiefenschichten und trat das ganze Jahr über auf.
Im Boden dieser Wiese fehlten alle anderen Onychiurus- Arten der Waldböden ringsherum.
Über die Verbreitung von Onychiurus spinularius ist noch wenig bekannt. Er wurde von
Gisin (1952) in einem feuchten Eichen-Hainbuchenwald bei Genf in Lehmboden gefunden.
Hüther (1961) stellte ihn in Weinbergen auf tiefgründigem Lehm bei Flemlingen (Pfalz)
fest. Dieser Boden wies in tieferen Schichten Staunässe auf. Die Funde aus Schottland
(Sheals 1957) stammten aus einer Wiese auf schwerem Lehmboden. Alle diese Fundorte
sind trotz ihres unterschiedlichen Pflanzenbewuchses und ihrer geographischen Entfernung
voneinander doch erstaunlich ähnlich. Überall handelt es sich um schwere Böden mit einer
Neigung zu Vernässung.
4.4. Collembolen der Feuchtflächen
Neben den ausgedehnten Waldflächen gibt es im Kottenforst kleine Weiher mit ganzjähriger
Wasserführung, aber auch Tümpel und Radspuren, die sich bei Regen mit Wasser füllen
und dann langsam wieder austrocknen. Auf und an diesen Wasserflächen, die von A.
Schleuter (1984) hinsichtlich ihrer Insektenfauna untersucht wurden, konnten folgende
Collembolenarten gefunden werden: Podura aquatica, Isotomurus palustris, Isotoma viridis,
Tomocerus minor, Orcheselia flavescens, Sminthurides aquaticus und Sminthurides malmgre-
ni.
Podura aquatica, Sminthurides aquaticus und Sminthurides malmgreni sind durch eine
besondere Anpassung der Mucro, dem Endglied der Sprunggabel, zum Leben auf dem
Wasser befähigt. Diese ist fächerartig vergrößert und ermöglicht es den Tieren, sich beim
Sprung kräftig von der Wasseroberfläche abzudrücken. Podura aquatica lebte das ganze
Jahr über auf und an der Wasseroberfläche der besonnten Weiher und der lange wasserfüh-
renden, freiliegenden Tümpel. Lediglich bei Eisbedeckung wurden keine Tiere gefunden,
aber schon an sonnigen Tagen des Februars hüpften sie in großer Zahl auf dem Wasser
umher. Im Sommer bildeten sie auf den Algenwatten durch ihr Massenauftreten oft graue
blecken. Während dieser Zeit gesellte sich zu Podura aquatica in gleicher Menge Sminthu-
r ides aquaticus. Wegen seiner grün-gelben Färbung fällt er aber auf der Wasseroberfläche
Weniger auf als die grau-schwarze Podura aquatica. Sminthurides malmgreni dagegen wurde
uur in wenigen Exemplaren zwischen Sminthurides aquaticus gefunden. Ebenfalls in grö¬
beren Mengen trat an der Wasseroberfläche Isotomurus palustris auf. Sein Lebensraum ist
)Veniger das Freiwasser als die Gräser im Randbereich der Gewässer, von denen die Tiere
b ei Störungen zahlreich aufs Wasser flüchten. Isotoma viridis, Tomocerus minor und Orche-
Se tta flavescens wurden zwar gelegentlich an und auf dem Wasser gefunden, sind aber nicht
speziell diesem Lebensraum zuzuordnen.