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Michael Schieuter
5. Bemerkungen zur Systematik und Besonderheiten einiger Arten
Onychiurus quadriocellatus Gisin 1947
Onychiurus quadriocellatus kam im Kottenforst unter und an der Streu aller untersuchten
Waldflächen vor. Bei einigen Exemplaren wurden festsitzende Nematoden festgestellt. Die
Tiere waren an verschiedensten Körperstellen der Collembolen, vom Kopf bis zur Afterre¬
gion, zu finden. Sie waren spiralig aufgewunden und hafteten mit ihrem Vorderende fest am
Collembolen, dort war an jedem Nematoden eine kappenartige Bildung zu erkennen. Para¬
sitische Nematoden sind gemeinhin Entoparasiten. Nur wenige Arten durchlaufen eine
kurzfristige ektoparasitische Lebensphase. Da die Würmer zudem an unterschiedlichen
Körperstellen des Collembolen saßen, ist zu vermuten, daß es sich hierbei um eine phoreti-
sche Lebensweise handelt. Phoresie bei Nematoden ist ein bekanntes Phänomen, daß aber
auch Collembolen als Transportwirt ausgenutzt werden ist bislang unbekannt. Vor allem die
in saproben Substraten lebenden Fadenwürmer sind auf Transport angewiesen. Sie
benutzen aktiv andere Tiere für diesen vorübergehenden Transport, um nach Erschöpfung
ihrer Nahrungsquelle auf eine neue zu gelangen.
Tullbergia novemspina Gisin 1963
Tullbergia novemspina wurde in Eichen-Hainbuchen- und Rotbuchenbeständen, nicht aber
im Fichtenwald gefunden. Die Tiere traten in den Monaten Mai bis Juli in wenigen Exem¬
plaren in Proben aus 15 bis 40 cm Tiefe auf. Das Verhältnis von Männchen und Weibchen
war ausgeglichen. Über die Verbreitung und Autökologie dieser Art gibt es bisher noch
keine Kenntnisse. Meines Wissens wurde bis jetzt lediglich ein Exemplar (Weibchen) dieser
Art gefunden. Der Fundort lag bei Visegrad (Bosnien, Jugoslavien) in einem Schwarzkie¬
fernwald (Gisin 1963).
Pseudosinella aelleni Gama 1973
Pseudosinella aelleni wurde erstmalig 1970 in der Bärenhöhle im Lonetal (Schwäbische Alp)
an Käseködern gefunden (Gama 1973). Das Auftreten dieser augenlosen, weißen Pseudosi¬
nella ist in Waldböden noch nicht beobachtet worden. Möglicherweise wurde sie bisher auf¬
grund ihrer geringen Abundanz übersehen. Auch im Kottenforst war sie mit 36 gefangenen
Tieren nicht besonders zahlreich, wenn man bedenkt, daß dafür die Streu von 3,6 m 2 durch¬
sucht werden mußte.
Pseudosinella ksenemani Gisin 1944 sensu Hüther 1969
Die im Kottenforst aufgefundenen Exemplare dieser Art stimmen in allen wesentlichen
Punkten mit den Angaben von Hüther (1969) überein. Lediglich in der Kopfchaetotaxie
gibt es Abweichungen. Die Tiere des Kottenforstes weisen die Macrochaetenformel R011
und nicht Rill wie bei Hüther auf. Die Macrochaete S wurde nicht gesehen. Über die
Ökologie dieser Art ist noch wenig bekannt, zumal noch nicht geklärt ist, ob es sich bei
Pseudosinella ksenemani um eine Art oder eine Artengruppe handelt. Hüther (1969) gibt
als Verbreitungsraum die Tschechoslowakei, Österreich, Spanien und für Deutschland
Würzburg, Tübingen und Lindenberg (Pfalz) an. Seitdem wurde sie noch von Doppelreiter
(1979) bei München, aber auch weiter nördlich von Bode (1973) auf rekultivierten Kippen
bei Braunschweig gefunden. Bockemühl (1956), der sie bei Tübingen fand, stellte sie in die
Gruppe der thermophilen Arten südexponierter Hänge. Für eine gewisse Trockenresistenz
dieser Art spricht, daß sie besonders im Sommer im Kottenforst in trockener Fichtenstreu
gefunden wurde.
Disparrhopalites spec.
Bisher ist aus dieser Gattung nur eine Art bekannt. Sie wurde bislang nur in Höhlen Frank¬
reichs, Großbritanniens, Italiens, Kretas und Madeiras gefunden (Betsch 1980). Bei diesen
Funden handelte es sich um die weiße Form Disparrhopalites patrizii (Cassagnau). Hier in
der Köln-Bonner-Bucht (Dikopshof, M. Schleuter unveröff., Berrenrath Hermosilla