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Exkursionsbericht
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und kam schließlich in Bereiche, in denen das Dach dem Gasdruck nicht mehr standhielt. Es
kam zu gewaltigen Explosionen, bei denen sich mehrere Schlote und Spalten öffneten, aus
denen gleichzeitig feine, aus Gesteinsglassplittern und zermahlenem Nebengestein beste¬
hende Aschen mit Fetzen von Trachytschmelze, die z. T. durch Gas zu Bimsstein aufgebläht
wurde, ausgestoßen wurden. Diese Auswurfsmassen, die auch größere Bruchstücke anderer
vulkanischer Gesteine aus dem Herdbereich und des unterdevonischen Dachs enthalten,
breiteten sich in Glutwolken auf einer Ebene aus, in der sie durch kein Tal abgelenkt
wurden. Denn zur Ausbruchszeit der Tuffe hatte die Niederrheinische Bucht gerade
begonnen, einzusinken, aber sie war noch nicht von Gebirgsrändern umgeben, sondern von
Tiefländern, ähnlich wie heute das deutsche Nordseebecken. Deshalb konnten sich die
Tuffe um die Ausbruchsstellen in einem großen Areal ausbreiten. Sie sind im Süden noch
am Apollinarisberg bei Remagen aufgeschlossen, im Norden sind sie in Bohrungen bis in
den Raum Porz nachweisbar (Grünhagen 1981). Ihr Verbreitungsgebiet ist eine in NNW-
Richtung langgestreckte Ellipse mit einer Längsachse von etwa 40 km und einer Querachse
von 20 km Ausdehnung. Die Tuffdecke ist im Bereich des Ölbergs über 200 m mächtig. An
wenigen Stellen läßt sich ihr Aufbau studieren, zwei besonders aussagekräftige wurden auf
der Exkursion besucht, die Ofenkaulen und das untere Nachtigallental.
Im Nachtigallental und im Höllental sind fast ungeschichtete Tuffe mit dezimetergroßen
ballistisch transportierten Bomben, deren Einschlagstrichter auf ein Ausbruchszentrum im
Gebiet des Bahnhofs Königswinter weisen, aufgeschlossen. Dieses Ausbruchszentrum zeigt
sich auch daran, daß hier die Tuffe bis ins Rheinniveau hinabreichen, während sonst ihre
Basis etwa 100 m höher der Rumpffläche des Schiefergebirges aufliegt.
Es gibt im Siebengebirge noch weitere Ausbruchstellen für die Trachyttuffe. Eine ist im
südlichsten Abbaubereich des Ofenkaulengebietes Östlich Königswinter aufgeschlossen, sie
wurde auch auf der Exkursion besichtigt. Innerhalb eines etwa 10 m breiten Streifens wird
hier die Tuffsequenz von chaotisch gelagerten Tuffen unterbrochen, in denen kubik¬
metergroße Schollen der Tuffe stecken. Dieser Tuffschlot wird von einer an Gesteinsfrag¬
menten reichen Tuffeinheit abgeschnitten und überdeckt.
Im Bereich der Ofenkaulen ist die Textur der Tuffe in relativ frischen Anschnitten zu
beobachten. Hier zeigt sich, daß feine Aschen, Lagen mit Trachytfragmenten und Bims¬
stücken und Partien, die überwiegend aus Xenolithen (Gesteinsbruchstücken aus der Nach¬
barschaft des Herdes) bestehen, miteinander abwechseln. In den an Trachytstücken reichen
Lagen sind die meist höchstens dezimetergroßen trachytischen Bimsstücke in der Horizon¬
talen abgeplattet und stark parallel zueinander orientiert, oft dachziegelartig in spitzem
Winkel zur Horizonalen. Oft sind sie in Richtung des Parallelgefüges flammenartig ausge¬
schwänzt oder spindelförmig; die italienischen Vulkanologen sprechen von „fiamme“-Struk-
turen. Diese Ablagerungen aus Glutwolken nennt man Ignimbrite. Eine Verschweißung der
einzelnen Lavafetzen, wie sie oft in Ignimbriten zu beobachten ist, fand bei den Sieben-
gebirgstuffen nicht statt, dazu war die Temperatur zu niedrig. Die Verfestigung des abgela¬
gerten Materials erfolgte noch während der Abkühlung durch zirkulierende Lösungen.
Dabei wurde der Tuff so homogenisiert, daß er in metergroße Platten zersägt werden kann.
Im Bereich der Öfenkaulen wurde er bis in die 1950er Jahre im Untertagebetrieb abgebaut.
Der vulkanische Transport erfolgte durch pyroklastische Ströme. Die Gesteinsfragmente
haben sich nicht in ballistischen Kurven bewegt, sondern in mehr horizontal sich ausbrei¬
tenden Stößen. In größeren Tuffprofilen lassen sich mehrere meterdicke Fließeinheiten
unterscheiden. Sie beginnen oft mit xenolithreichen Partien, im höheren Teil finden sich die
Lagen mit Trachytbimsstücken, den Abschluß bildet meist eine feine Aschenlage.
Die schnelle Entleerung des Herdes durch den Ausstoß der Trachyttuffe führte dazu,
daß die Kruste in einer großen Caldera einbrach. Im Zentrum der Siebengebirgs-Caldera,
z. B. beim Wintermühlenhof östlich Königswinter liegt die Oberkante des Schiefergebirges
110 m über NN hoch, außerhalb von ihr, z. B. an der Fritscheshardt östlich Rhöndorf ca.
318 m über NN, daraus ergeben sich Absenkungsbeträge von mindestens 200 m. Die Ost-
West-Lavagänge der Löwenburg sind auf den Randstörungen der Caldera aufgedrungen.
Unmittelbar nach der Förderung der Trachyttuffe sind in einem Ost-West-Streifen zwi¬
schen Königswinter und Ittenbach Trachytlaven aufgedrungen und als Quellkuppen (Intru-
sivdome) innerhalb der Trachyttuffdecke erstarrt. Am Drachenfels haben H. und E. Cloos