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Ornithologisches Centralblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichtsblatt des gcsaramten Vercins-Wesens und Anzeiger ftlr Sammler, Züchter und Händler,
Beiblatt zum Jonrnal tür Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 5. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 1. März 1877.
Das Ornitliologisclic Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
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Ueber die Präparation der Eier für die Sammlung.
Von W. Tkieuemann.
Wie fast überall, so hat sich auch auf dem Gebiete
der praktischen Oologie in den letzten Decennien der
Fortschritt geltend gemacht und seit etwa 25 Jahren in
der Präparation der Eier tür die Sammlung eine ent¬
schiedene Umänderung hervorgerufen.
Früher pflegte man an den beiden Polen des zu
präparirenden Eies eine Oeffnung zu machen, an der
Spitze etwas kleiner, an der Basis grösser, die kleinere
Oeffnung sanft an die Lippen zu setzen und durch
starkes Blasen den Inhalt aus der grösseren Oeffnung
auslaufen zu lassen. Es war dies nicht blos eine beschwer¬
liche, sondern für die zartschaligen Eier auch eine ge¬
fährliche Manipulation, indem viele derselben dabei zu
Grunde gingen; und dass das Unglück meistens über
die seltensten und werthvollsten Sachen kam, war ja
ausgemacht. Wer könnte all' den Missmuth und Ver-
druss aufzählen, den ein Sammler in dieser Beziehung
erlebt hat! Die angewendeten Instrumente waren aber
auch damals noch ausserordentlich primitiv. Eine Steck¬
nadel, welche man im Kockaufschlage bei sich trug,
war Alles, was man brauchte, und es war — wie ich
mich aus meiner Jugendzeit erinnere — schon ein grosser
Fortschritt, als ich ein in einen kloinen Holzgrift' ein¬
gefügtes Häkchen mit in Anwendung brachte. Die in
die Schale eingestochenen Löcher wurden freilich immer
eckig und rissig, so dass sie der Zerbrechlichkeit Vor¬
schub leisteten.
In einer Specialconferenz der Oologon während der
Versammlung der deutschen Ornithologen-Gesellschaft
zu Halberstadt im Jahre 1853 kamen — wenn ich mich
recht erinnere — aucli die Nachtheile der damals üblichen
Präparationsmethode zur Sprache und fand es sich, dass
schon mehrere Oologen die seitliche Präparation an¬
genommen hatten. Dr. Baldamus empfahl den jüngeren
Sammlern, zu denen ich damals auch noch zählte, das
Ausblasen durch ein in der Mitte der Längsseite des
Eies angebrachtes Loch vermittelst des Löthrohrs, ja
auch schon, wie ich glaube, die Anwendung des Konischen
Eierbohrers.
Die Vortheile des letzteren leuchteten mir sofort
ein, und seit dem Frühjahr 1854 führe ich denselben,
besitze auch immer noch dasselbe Exemplar, welches
mir Herr Professor Cabanis gütigst von P o k o r n y
aus Berlin sendete. Die runden Bohrlöcher machen nicht
bloss für das Auge einen viel günstigeren Eindruck als
die eckigen Stichlöcher, sondern sie stellen auch den
Rand der Oeffnung vollkommen rissfrei her, so dass die
Wandung einem viel grösseren Drucke zu widerstehen
vermag und seltner Verluste entstehen.
Auch das endseitige Anbohren wollte mir bald nicht
mehr behagen, da bei etwas grossen Oelfnungen, wie sie
bisweilen nicht zu vermeiden sind, die Messungen un¬
genau werden. Ich bohrte nun, und Viele thaten's mit
mir, 2 Löcher an ein und derselben Längsseite, wobei
ich das Ausblasen mit den Lippen beibehielt. Man
hängt ja so gern am Alten. — Diese einseitige Bohrung
erschwerte aber wieder das Ausblasen ausserordentlich.
Man denke nur daran, dass es der Oologe nicht selten
mit vielem Schwefel-Wasserstolfgas zu thun hat, welches
er sich auf diese Weise vor dem Munde und dor Nase
vorbei blasen muss. Zudem nimmt auch der goschwefelto
Strahl bei seiner schrägen Bichtung oft eine noch schrägere
und fährt direct in's Gesicht, was natürlich mit Gleich-
muth ertragen werden muss, wenn nur sonst Alles
glücklicli gelingt.
Bei gar nicht oder nur wenig bebrüteten Eiern zog
ich das Aussaugen vor, welches, sobald man nur den Ekel