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Ornithologisches Centraiblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichtsblatt des gcsamniten Vereins-Wesens und Anzeiger für Sammler, Züchter und Händler,
Beiblatt zum Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 6. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 15. März 1877.
Das Ornitholosischc Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
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Der Wasserschwätzer (Cindus aquaticus) in
Freiheit und Gefangenschaft.
Von Dr. A. Girtanuer.
(Schluss.)
An den bevorzugten Orten, wo unser Wasserschwätzer
die Bedingungen zu einer fröhlichen Existenz — denn
eine andere erträgt er nicht — noch erfüllt findet, bleibt
er gerne Sommer und Winter stationirt. Mit dichtem,
stark eingefettetem, und auch sonst dem der Wasser¬
vögel ähnlichen Gefieder bekleidet, wird ihm das frische
Bergwasser im Sommer nie zu warm, im Winter nicht
zu kalt. Immer munter, tummelt er sich unablässig
in seinem Elemente umher und wo es am ärgsten spritzt
und am tollsten toset und schäumt, da ist er am liebsten,
und wenn es ihm einmal irgendwo zu stille werden
will, so langt er selbst schnell eines zu singen an, um
der verhassten miserablen Stille ein unerwartet jähes
Ende zu bereiten. Die Bachamsel dürfte einer unserer
sangeslustigsten Vögel sein, denn sie begleitet buch¬
stäblich fast Alles, was sie thut, mit ihrem hellen, kräf¬
tigen Gesänge. In Gefangenschaft sah ich sio oft Nachts
singen, während sio den Kopf unter den Flügel gebettot
hatte, dann aber nur leise, wie träumend und nur ein¬
zelne Partien ihres Liedes. Sie singt beim Baden und
singt beim Fressen; singend stürzt sie sich muthig in
den Kampf gegen eine grenzverletzendo Reviersnach¬
barin. Bei der Toilette muss etwas gesungen sein und
zuletzt schliesst sie singend ihr sangreiches Leben, wie
dies nicht nur von mir beobachtet worden ist. Aber je
nach der Ursache des Gesanges ist auch der Ton ein
durchaus verschiedener. Der durch einige scharfe,
herausfordernd hervorgestossene Locktöno eingeleitete
Schlachtgesang kennzeichnet deutlich genug die bedenk¬
liche Gemüthsverfassung der sonst so friedlichen Sän¬
gerin. Freundlich, aber lebhaft tönt das Liedchen, das
sie, auf einem Bein, mit gehobenem Bücken und lässig
niederhängenden Flügeln auf ihrem Lieblingsplätzchen
sitzend, sich selbst zum Besten giebt; ein Plaudern nur
ist das Toilettenliedchen; aber wchmüthig und rührend
ergreift uns der mit schwindenden Kräften und man¬
gelndem Athem hervorquellende Sterbegesang. —
Unter einem schützenden Stein im Uferrande, in den
Schaufeln alter Mühlräder, am Wuhr hinter dem herab¬
stürzenden Wasser und in ähnlichen oft eigenthümlichen
Zufluchtsorten findet man je nach den obwaltenden
Witterungsverhältnissen früher oder später im Jahre
ihr oft sehr grosses, fast ausschliesslich aus Moos auf¬
geführtes, an das des Zaunkönigs erinnernde Nest, das
nicht selten grosse Höhlungen vollständig ausfüllt und
nur einen kleinen wohlgedeckten Eingang ollen stehen
hat. Es ist nur möglichst nahe am Wasser zu suclieu,
aber leider nicht immer genügend vor dem Eindringen
desselben geschützt. —
In günstigen Sommern legt die Bachamsel 2 Gelege
von je bis 5 Eiern, wenigstens erhielt ich nie mejir
Junge, und sollen nach Beobachtungen meiner Leute selten
alle ausfallen. Hecht oft aber bringt sie es durch die
Ungunst einer Ueberschwemmung, zu grosser Feuch¬
tigkeit des Nestplatzes, durch mordendes Raubzeug
zu nur 1 Partie Jungen. —
Eine eben dem Neste entwachsene, im Bachbetto
horumhüpfende Brut junger Wasseramseln unter An¬
führung ihrer Eltern sich tummeln zu sehen, gehört
mit zu den reizendsten Einblicken in das Treiben freier
Vogelwelt. Bald rennt und purzelt die ganze Gesell¬
schaft schreiend und wimmernd über Stock und Stein
einem einzigen Wasserinsect, einer Libelle oder dess
etwas nach, bald steht sie anscheinend in tiefes Nach-
%.