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Ornithologisches Centralblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichtsblalt des gesammten Vereins-Wescns und Anzeiger für Sammler, Züchter und Händler,
Beiblatt znm Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 8. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 15. April 1877.
Das Ornithologisclie Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
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Zur Fütterung einiger kerbthierfressenden Vögel.
Von E. t. Schleclitendal.
Meine kleine Sammlung kerbthierfressender Vögel
besteht aus Blausängern (1 Art: Sialia sialis), Drosseln
(2 Arten: Turdus albiventris und Merula vulgaris),
Bülbüls (3 Arten: Pi/cnonotus pygaeus, nigricans und
leueotis), Heuerlingen (2 Arten: Garrulax auritus und
sinensis), Drosselmeisen (1 Art: Liothrix Intens), Horden¬
vögeln (5 Arten: Sturnella ludoviciana und militaris,
Leistes frontalis und flavus, Agelaius xanthocephalus),
Grakeln (2 Arten: Chalcophanes quiscalus und speef),
Beutelstärlingen (4 Arten: Cassicus icteronotus, Icterus
vulgaris, baltimore und spurius), Staaren (3 Arten: Psa-
rites contra, Acridotheres cristatellus und cristatelloides)
und Glanzstaaren (3 Arten: Lamprocolius auratus, cha-
lybaeus und chalcurus), also lediglich aus Vogelarten,
welche in der Freiheit nicht ausschliesslich thierische
Nahrung zu sich nehmen, sondern mehr oder weniger
auch pflanzliche Kost gemessen und zwar entweder
Frucht oder Sämereien, oder Frucht und Sämereien.
Das Hauptfutter für alle diese Vogelarten setze ich
wie folgt zusammen:
Klein zerschnittenes rohes Rindfleisch wird mit
etwaB Maismehl versetzt, um die einzelnen Stückchen
besser von einander trennen zu können. Geriebene
Möhre wird ebenfalls mit Maismehl vermischt, bis
beides eine lockere, weder zu feuchte noch zu trockene
Masse bildet, und dann wird das Fleisch nebst etwas
frisch zerquetschtem Hanfsamen hinzugefügt. Ameisen¬
puppen und Weisswurm werden, nachdem jener wie
dieser vorher in Wasser aufgequellt worden sind, mit
fein gestossenem Eierbrod (von E. Krone in Halle)
vermischt, bis das Ganze ebenfalls weder zu feucht
noch zu trocken ist, und schliesslich wird dies
zweite Gemisch dem Fleisch- und Möhrenfutter bei¬
gemengt.
Ab und zu wird auch etwas Maikäfer-, Heuschrecken¬
oder Drohnenschrot dem eben beschriebenen Hauptfutter
zugesetzt.
Bei dieser Art der Futtermischung bin ich im Gan¬
zen und Grossen den Grundsätzen gefolgt, die in den
„Gefangenen Vögeln" von Dr. A. Brehm aufgestellt
worden sind, sowie den Rathschlägen, die mir bei wei¬
terer Besprechung des Gegenstandes Prof. Liebe ge¬
geben hat; dabei habe ich selbstverständlich auch meine
eigenen Erfahrungen zu Rathe gezogen und glaube mit
den Erfolgen, die ich erzielt habe, im Ganzen zufrieden
sein zu dürfen. Ich glaube namentlich gefunden zu
haben und stimme darin mit Dr. A. Brehm vollkommen
überein, dass ein Zusatz von zerquetschtem Hanfsamen
den Vögeln zusagt und ihnen gut bekommt. Die Vögel
verstehen es vortrefflich, aus dem obigen lockeren
Futtergemisch diejenigen Bestandteile sich herauszu¬
suchen, die ihnen besonders munden. Eine grosse Vor¬
liebe haben fast alle Arten für das rohe Fleisch, das
in der Regel sehr bald aus allen Futtergeschirren ver¬
schwunden ist. Die Blausänger lassen Maismehl und
Eierbrod, besonders aber Drohnonschrot, einige Bülbüls
(P. pygaeus und leueotis) Ameisenpuppen und Weiss¬
wurm bis zuletzt übrig. Andere, z. B. die Drossolmeisen
und die Beutelstärlinge, sparen in der Regel die Möhre
aus, dagegen habe ich nicht beobachtet, dass irgend
eine Vogelart vorzugsweise zerquetschten Hanf übrig
lässt.
Als Zukost erhalten die Blau- oder Hüttensängor
im Spätherbst ab und zu etwas zerschnittene Eber¬
eschenbeeren, die Hügelmeisen ein Gemisch von ange¬
leuchtetem Maismehl und gestossenem Eierbrod, sowie
Sämereien, namentlich Mohnsamen, die UHierlingo,