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OrnitMogisches Centralblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichtsblatt k gesammten Vereins-Wesens und Anzeiger für Saniler, Züchter und Händler,
Beiblatt znm Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 11. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 1. Juni 1877.
Das Ornitliolojrische Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
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Reiseerinnerungen an Süd-Russland,
mit vergleichenden Betrachtungen dortiger und Pommerscher Brutvögel.
Von Ludwig Holtz.
(Schluss.)
Gehen wir zu den Watern über, so finden wir
unter denselben als ausschliessliche Brutvögel des Pom-
m er sehen Gebietes: den Dickfuss (Oedicnemus crepi-
tans), den rothfüssigen Wasserläufer (Totamis calülris),
den weissstirnigen und buntschnäbligen Strandpfeifer
(Aegialitis cantianus und Matioula), den Austerniischer
(Haematopus ostralegus), den Halsbandsteinwälzer (Strep-
silas interpres), die gemeine Waldschnepfe (Scolopax
rusticola), den gemeinen Kampfstrandläufer (Machetes
pugnax), den Alpenschlammläufer (Pelidna alpina), den
grossen- und Gold-Regenpfeifer (Numenius arcuatus und
Charadrius pluvialis), den Säbelschnäbler (Recurvirostra
avocetta), den Wachtelkönig (Orex pratensis) und den
schwarzen Storch (Giconia nigra) ; dagegen als aus¬
schliesslich dem Um ansehen Gebiete angehörend:
den Teichwasserläufer (Totanus stagnatilis), den schwarz-
schwänzigen Uferläufer (Limosa melanura), den Purpur¬
reiher (Ardea purpurea), den Seidenreiher (Ardea gar-
zettä), den Silberreiher (Herodias egretta), den Nachtreiher
(Nycticorax griseus) und den Jungfernkranich (Grus virgo).
Die Water sind sehr wählerisch hinsichtlich der
Wahl ihrer Brutplätze. So finden wir z.B. den Wald-
wasserläufer (Totanus glareola), den getüpfelten
Wasserläufer (Totanus ochropus), den trillern¬
den TJferläufer (Actitis hypoleucos) nur an einzelnen
Stellen Hinterpommerns; überall tritt dagegen dorroth-
füssige Wasserläufer auf.
Der grosse- und G o 1 d - lieg en p fei fe r kommen
uueh nur in Hintorpommern vor.
Den T emminckischen Schlammläufer (Pe-
lidna Temminckii), welcher nach Eug. v. Homeyer's
Verzeichnisse: „hier nur höchst einzeln nistet", und den
seh war z schwänz igen TJferläufer, welcher nach
demselben „einmal auf einem Moore Rügens genistet
haben soll'', habe ich nicht als Brutvögel des Pommerschen
Gebietes betrachten können, da, meines Wissens, seit
jenen Anführungen keine weiteren sicheren Beobach¬
tungen über das Brüten derselben gemacht worden sind.
Der Nacht reihe r soll nach Eug. v. Homeyer
früher in manchen Gegenden Pommerns jährlich ge¬
brütet haben, während er jetzt ganz verschwunden ist.
Der schwarze Storch ist für das Pommersche
Gebiet gerade kein seltener Brutvogel. Gehen wir nun
schliesslich die letzte Ordnung der Schwimmvögel durch,
so finden wir ausschliesslich dem Pommerschen Ge¬
biete angehörig: die Zwerg-, langschwänzige und silber¬
graue Seeschwalbe (Sterna minuta, maorura und fluviatilis),
die Sturmmöve (Lärm canus), den langschnäbligen und
Gänse-Säger (Mergus serrator und merganser), die Kor-
moransoharbe (Phalacrocorax carbo), den arktischen
Meertaucher (Golymbus areticus), die Euchs-, Löffel-,
Spiess-, Krick- und Schollente (Anas tadorna, clypeata,
acuta, crecca und clangida) ; wogegen nur dem U m a n -
sehen Gebiete angehörend: die weissschwänzige See¬
schwalbe (Hydrochelidon leueoptera) und die woissäugige
Ente (Anas nyroca).
Wenngleich H. Göbel (J. f. 0. 1871 p. 150) bei der
Zwerg-Seeschwalbe bemerkt: „scheint Brutvogel