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Ornitliologisches Centralblatt
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
is Iii Anzeiger
MIßT, «er di
Beiblatt zum Jour nal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 12.
BERLIN, Zweiter Jahrgang.
15. Juni 1877.
Das Ornithologlsclic Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
Buchhandlungen zu beziehen. Abonnements-Preis halbjährlich 4 Mark. Im Laufe des Halbjahrs eintretenden Abonnenten werden
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Mit dieser Nummer schliesst die erste Hälfte des Jahrganges 1877, wobei
wir denjenigen Lesern, welche halbjährliches Abonnement haben, die rechtzeitige
Erneuerung desselben in geneigte Erinnerung bringen. ^ ^
Aus unseren Mauern.
Eine oi'iiithologisrhc Plauderei.
Von Hörnum Sclialow.
(Schluss.)
Der Wiedehopf, Upupa epops, war in früheren
Jahren ein nicht seltener ständiger Bewohner der grösse¬
ren Stadtgärten; jetzt ist er seltener geworden, doch
soll noch im vergangenen Jahre ein Pärchen im Garten
des Kriegsministeriums in der Leipzigerstrasse gebrütet
haben. Auch die Zeiten sind nicht allzu lange vorüber,
in denen der Ruf des Kukuks, Cuculus canorus, in den
Gärten der Wilholmstrasse alljährlich erklang. Den
Wendehals, Jynx torquilla, habe ich noch im vergange¬
nen Jahre in einem kleinen Gärtchen in der Linien-
strasse beobachtet. Hin und wieder wird er wohl in
allen Gärten, selbst der innersten Stadt angetroffen.
Dasselbe gilt von dem Baumläufer, Certlda familiaris,
und der Spechtmeise, Sitta caesia. Als ein interessantes
Vorkommen in Mitten der Stadt dürfte wohl das des
Eisvogels, Alcedo ispida, in der Burgstrasse, an der
Spree, zu bezeichnen sein, von dem mein hochverehrter
Ereund, Herr Dr. Bolle, der den Vogel selbst gesehen,
mir zu berichten die Güte hatte. Wir kommen nun
zu der Eamilie der Spechte. Unsern grossen Bunt¬
specht, Picus major, finden wir in allen in der Nähe
des Thiergartens liegenden Gärten, manch' ein Mal
häufiger, manch' ein Mal seltener. Vor wenigen Tagen
habe ich ihn auch im Innern der Stadt auf dem alten
Jacobikirchhofo umherfliegen sehen. In seiner Jugend
beobachtete Herr Professor Cabanis, im Winter als
vorübergehenden Gast, den Schwarzspecht, Dri/ocopus
martius, in seines Vaters Garton in der Lindenstrasse.
Uebcr den dritten der hier zu nennenden Spechte hat
Herr Professor Altum bereits früher ausführlich be¬
richtet. Im Winter 1853/54 beobachtete er im Invaliden¬
park den weiBsrückigen Specht, Picus leueonotus, dem
er sich so weit näherte, dass er mit Schneeballen nach
ihm werfen konnte.
Ein Mal habe ich unseren Kolkraben, Corvus corax,
in der Stadt gesehen. Ziemlich niedrig flog ein Exem¬
plar am 20. November 1870 die Karlstrasse entlang
dem Thiergarten zu. Was nun die Dohle, Corvus monc-
dula, und die Nebelkrähe, Corvus comuv, anbetrifft, so
ist erstore jetzt bei Weitem häufiger, als sie es früher
war, während letztere entschieden in ihrer Anzahl ab¬
genommen hat. Wir treffen die Nebelkrähe nur noch
im Winter in grösserer Menge an. Sie bewohnt im
Sommer hauptsächlich die Ränder der Stadt, die Gegen¬
den an der Spree und an den grossen Kanälen. Die
Dohlen brüten vielfach inmitten der Stadt aul'Thürmen
und Gebäuden, die Krähen kommen meist nur aus der
Umgegend, um ihre Nachtruhe Iiier zu halten. Bei