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Omithologisches Centraiblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichtsblatt des gesammten Vereins-Wesens und Anzeiger für Sammler, Züchter und Händler.
Beiblatt zum Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 13. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 1. Juli 1877.
Das Ol'uithologisclic Ccntralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist. durch alle Postanstalten und
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Die Fütterung kerbthierfressender Vögel.
Von Emil Linden.
In No. 8 dieses Blattes befindet sich ein dankens¬
werter Aufsatz des Hrn. v. Schlechtendal über die
Fütterung einiger kerbthierfressenden Vogel, die im
Wesentlichen von der meinigen abweicht. Es ist des¬
halb vielleicht nicht ohne Interesse, wenn ich unter
der gleichen Aufschrift meine Fütterungsweise folgen
lasse.
Ich schicke voraus, dass meine Futtergeschirre
sämmtlich aus weissem Steingut bestehen, die täglich
gewechselt und gewaschen werden und sich am besten
reinigen lassen.
Am Abend wird altgebackenes Semmelbrod, das aus
feinstem Mehl mit Zusatz von Milch und Butter be¬
reitet und in Süddeutschland unter dem Namen „Gipfel"
bekannt ist, in Wasser eine Stunde eingeweicht, gut
ausgedrückt und bis zum Morgen liegen gelassen. Ge¬
riebene gelbe Rüben mische ich sodann mit getrock¬
neten Ameiseneiern, die ich ebenfalls über Nacht
stehen lasse.
Meine früheste eigenhändige Beschäftigung ist nun
das Austheilen des Weichfutters in die grosse Anzahl
von Geschirren, die ich nöthig habe, da ich selbst am
besten weiss, was ich von diesem oder jenem mehr oder
weniger geben muss. — Zuerst wird die aufgeweichte
Semmel vertheilt, dann die Mischung Rüben und Amei¬
seneier, über diese Käsequark, der ebenfalls Abends
vorher bereitet wurde und am besten gerathen ist, wenn
er durch die Berührung mit der Hand leicht zerbröckelt,
manchesmal aber auch etwas zu milchig oder auch zu
hart ausfällt, zwei Fälle, die nicht vorkommen sollen,
aber sich oft nicht vermeiden lassen. — Auf dieses
streue ich dann geriebenes gesottenes Rindfleisch, dann
die Beeren, wie es die Jahreszeit mitbringt, getrocknet
oder frisch, Kirschen, Johannisbeeren, Hollunder, Eber¬
eschen, Corinthon, auch klein geschnittene Aepfel, die
sich besser halten lassen als Birnen und fast alljährlich
noch bis Ende Juni gefüttert werden konnten. — Birnen
habe ich immer vermieden, wegen der oft steinigen Con-
sistenz, und weil ich der Meinung bin, dass sie mehr kälten
als Aepfel, die ich nur in ganz guten Tafelsorten verwende,
denn ich denke nie, es ist gut genug für einen Vogel. —
Nur so lange ich den Bartvogel von Hrn. Dr. Stoiker
hatte, gab ich diesem Birnen, da er daran gewohnt
war. — Herr Gudera in Wien schrieb mir auf meine
Schilderung des grünen Sirgang, dass ich demselben
auch aufgekochten Reis geben solle, was ich befolgt habe,
jedoch zuerst gerade nicht mit besonderer Vorliebe ge¬
nommen wurde; da aber einige Zeit lang der Quark
wegen knapper Milch auch knapp war, so fütterte ich
allgemein diesen gekochten Reis als Surrogat und fand
dieses dem Zwecke ganz entsprechend.
Sind die Geschirre dann ausgetheilt, so kommt in
jedes noch eine Anzahl Mehlwürmer, ein Futter, das
nicht hoch genug angeschlagen worden kann und für
sämmtliche Weichfresser geradezu unentbehrlich ist, ob¬
wohl es allerdings auch Exemplare giebt, die nie oder
Tage lang kein Bedürfniss darnach haben. — So ver¬
schmäht meine Katzendrossol durchaus seit langen Jah¬
ren diese Fütterung.
Aber wie mancher neue Ankömmling wäre ohne
reichliche Gabe von Mehlwürmern nicht aufzubringen
gewesen und wenn er im elendesten Gefieder, schmutzig
und halb nackend ohne Kraft, auf die Stange zu kom¬
men, auf dem Boden sitzt, so wecken einige Mehlwürmer