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Ornithologisches Centraiblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Naclirichtsblält k gesaminien Wiis-ftsciis und Anzeiger hr Siiinlcr, Züchter und Händler.
ßcihlatt zum Jon mal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 14. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 15. Juli 1877.
Das Urnithologisclic Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
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Ornithologische Notizen.
Von Ad. Walter.
1. Sonderbarer Nistplatz einer Haubenmeise.
Von den 3 von mir im letzton Sommer aufgefun¬
denen Nestern der Haubenmeise, Parus crislatus, stand
das eine einige 30 Fuss hoch in einem Astloch einer
hohen Kiefer, das zweite in einer hohlen Weide etwa
10 Fuss hoch, das dritte in der Erde.
Dies letztere entdeckte ich, als ich im Mai mit
Herrn Lehrer Martins an der kleinen Jägelitz, einem
kleinen Bach in der Nähe von Wusterhausen a. Dosse,
entlang wanderte, und mir derselbe an einer senkrecht
abfallenden Sandwand des Ufers die Niströhre eines
Eisvogels, Alcedo ispida, zeigte, aus der einige Wochen
vorher von einem Oologen 7 Eier des Eisvogels ge¬
nommen waren.
Bei näherer Untersuchung dieser Bohre fand ich sie
von Neuem bewohnt und zwar von einer Haubenmeise,
deren flügge Jungen bei einem späteren Besuch des
Herrn M. aus dieser Bohre schlüpften.
Dass die Haubenmeise diesen Ort gewählt hatte, ist
um so auffallender, weil in der nächsten Umgebung
kein Baum oder Strauch zu finden ist, wohl aber ein
alter Hochwald sich in Entfernung von etwa 100 Schritt
vom Bache hinzieht, in welchem die Meise loicht einen
passenden Platz zum Nisten hätte linden können.
2. Laui'i'ertigkeit eines jungen Vogels.
Zwischen dor Stadt Joachimsthal und dem an der
Prenzlauer Chaussee liegenden Dorfe Gross-Schönebeck
belinden sich die wegen ihres grossen Wildstandes be¬
kannten Forstreviere Grimnitz und Schönebeck. Die2'/ i!
Meile betragende Strecke wird fast nur von hohem
Kiefernwalde ausgefüllt, von keinem Dorfe, keinem
Hause unterbrochen.
Als ich vor Jahren einmal im Begriff war, diese
Tour vom Dorfe Gr. Schönebeck aus zu Fuss zu machen,
fand ich gleich hinter dem Dorfe auf einer weiten Sand-
fläche, durch die der Weg führte, hart an den Sand
geschmiegt, einen jungen Fluss-Begenpfeifer, CJiaradrius
minor, der sich, ohne sich zu regen, ergreifen Hess, ob¬
gleich er vollständig beliedert war. Er machte auch,
als ich ihn frei liess, keinen Gebrauch von seinen Flü¬
geln, einen um so grösseren aber von seinen Füssen.
Sobald er die Sandlläche passirt hatte, rannte er auf
dein neben dem Fahrwege fortlaufenden Fusssteige so
schnell fort, dass er nach mehreren Minuten einen
Vorsprung vor mir von etwa 00 Schritt orreicht hatte.
Dann legte er sich platt auf den Boden, liess mich bis
auf (3 Schritt herankommen und setzte nun seinen Lauf
auf dieselbe Weise und auf demselben Wege fort, bis
er wieder den vorher bezeichneten Vorsprung erlangt
hatte. Und so ging's dritthalb Meilen durch den Wald
und zuletzt durch das Feld fort, ohne dass eine Er¬
müdung des Vogels bemerkbar wurde.
Wenn man bedenkt, dass ich bei starkem Schritt
etwa 8V4 Stunde Zeit gebrauchte, um diese Tour zu¬
rückzulegen, dass der niedliche Vogel von Feldlerehen-
grösse kaum 14 Tage alt sein konnte, so muss man
über die Laufl'ertigkeit und Ausdauer erstaune)).
3. Kino vorübergehende Vori'ilrbiing der Federn.
Bei der Ohroulo, Otus sylvestris, werden jedes Jahr
nach dor Mauser, Anfang September, die weissen Deck¬
federn des Unterilügels, auch diu woisslicllöu Unterseiten