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Ornitliologisclies Centralblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Wiriclilslilalt (los gesaiiiintai Vcrcins-Wescns und Anzeiger für Sammler, Züchter und Händler.
ItcihlnU zum Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 15. BKKL.IN, Zweiter Jalirgang. 1. August 1877.
Das Orilithologische Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Mögen stark, und ist durch alle Postanstalten und
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Die Nordhälfte des Schweriner Sees.
Von C. Wttstnei.
Der Schweriner See, welcher sich in einer Ausdeh¬
nung- von etwa 3 Meilen von Süden nach Norden er¬
streckt, ist einer der grössten unter den Seen der nord¬
deutschen Tiefebene. Da seine Ufer zum Theil von
prächtigen Laubwäldern bewachsen sind, zum Theil
auch Moore, Wiesen und grössere Kohrwaldungen
bilden, so ist die Vogelfauna eine verhältnissmässig
reichhaltige zu nennen.
Der See wird durch eine Chaussee, welche über
zwei moorartige Inseln, die beide Ufer last verbinden,
geführt ist, in zwei grosse Hälften geschieden. Da die
Nordhälfte des Sees von dem Verkehr der Stadt nicht
berührt wird und die Ufer derselben zum grössten Theil
in schweigender Einsamkeit daliegen, so findet der Na¬
turfreund hier noch mancherlei Stoff zur Beobachtung'.
Das grösste der oben erwähnten inselförmigen Moore
ist nach einem an der östlichen Seite des Sees belege¬
nen Dorfe „das Ramper Moor" benannt.
Dieses Moor wird sowohl seiner Lage nach, da es
fast von allen Seiten mit Wasser umgeben und von
weiten Rohrwaldungen eingefasst ist, als auch seiner
Beschaffenheit wegen, weil Sümpfe dasselbe durch den
grössten Theil des Jahres fast unzugänglich machen und
auch grössere Flächen mit einem dichten Erlen- und
Weidendickicht bewachsen sind, von Sumpf- und
Schwimmvögeln mit Vorliebe als Brutaul'enthalt und in
den Zugzeiten als Station benutzt. Die Ausdehnung
dieses Moores ist eine nicht unbedeutende, da der grösste
Durchmesser wohl 2 Kilometer beträgt, und die weiten
Rohrwaldungen, von denen es umsäumt ist, schützen
dasselbe gegen Beunruhigung von der Seeseite, Orte
von solcher Einsamkeit haben nun noch manches men¬
schenscheue Geschöpf zu fesseln vermocht, welches an
anderen Orten schon lange der feindlichen Cultur ge¬
wichen ist, so findet man hier Anser cinereus in vielen
Baaren noch brütend und scheinbar ein behagliches Da¬
sein führend.
Die ausgedehnten Busch Waldungen, meistens aus
Erlen und Weiden bestehend, der sumpfige, mit Carex
bewachsene Boden, deren Kufen oft mit blankem Wasser
umgeben sind, geben freilich auch treffliche Brutplätze
ab, deren Sicherheit noch dadurch erhöht wird, dass
Eüchse und anderes Raubgesindel in dieser unwirth-
lichen Wildniss nicht zu existiren vermögen. Schon
beim Bassiren der Chaussee, welche über das Moor führt,
erhält man während der Brütezeit Kunde von der An¬
wesenheit der wilden Gänse durch das ferne Geschnatter,
oft auch sieht man namentlich in den Nachmittags-
stunden auf den freien Blätzen des Moores Gesellschaf¬
ten von 10 bis 20 Individuen dieser Vögel versammelt,
die ruhig ihrer Nahrung nachgehen, ohne sich schein¬
bar durch den Verkehr auf der Chaussee, welcher frei¬
lich nur ein schwacher ist, stören zu lassen. Ausser¬
dem ist letztere durch parallel gezogene Gräben von
dem Moore geschieden. Eine etwas nördlich gelegene
kleine Insel, die eine ähnliche Hodenbeschaff'enheit hatte,
war bis vor wenigen Jahren ebenfalls ein beliebter
Aufenthaltsort wilder Gänse. Letztere sind jedoch ge-
nöthigt worden, durch Abholzen der Insel und durch
den hohen Wasserstand der letzten Jahre, ihren Wohn¬
sitz ebenfalls nach dem Ramper Moor zu verlegen.
Ein anderer grosser Vogel, der hier vereinzelt noch
ein einsames Dasein fristet, ist der Kranich. Mir ist
derselbe während der Brütezeit einige Male zu Gesicht