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gekommen, auch habe ich ein zerbrochenes Ei von ihm
gefunden, er ist also als Brutvogel zu betrachten. In
den letzten 4 Jahren habe ich jedoch von seiner An¬
wesenheit nichts mehr entdecken können, obgleich ich
dies Moor zu wiederholten Malen besucht habe. Doch
ist es immerhin möglich, dass der Kranich auch jetzt
noch hier brütet, da derselbe sich bekanntlich sehr ge¬
schickt zu verbergen weiss. Im Allgemeinen steht der¬
selbe in hiesigen Gegenden als Hrutvogel auch auf dem
Aussterbeetat, da solche unzugänglichen Sümpfe immer
seltener werden.
Auf den freien wiesenartigen Flächen des Moores
brüten zahlreiche Kiebitze, sowie Becassinen, Kampf¬
läufer, rothschenkelige Wasserläufer, die laut pfeifend
sich bald bemerklich machen. Hin und wieder begegnet
man auch einem Paar Rebhühner, die sich hier einen
etwas feuchten Wohnort ausgesucht haben. Die Erlen-
brücher, welche mit einzelnen Kiefern und Birken ver¬
mischt sind, beherbergen Vogelarten, die sonst auf den
Wald angewiesen sind, wie verschiedene Raubvögel,
Ringeltauben, Singdrosseln und die kleineren Sänger.
Namentlich ist der Kuckuk Iiier ein häufiger Vogel, der
vermuthlich den hier zahlreich nistenden Anthus pra¬
tensis und Calamoherpe-Arten seine Nachkommenschaft
anvertraut. Einmal habe ich hier sogar eine ganze
Familie Picxis miiwr angetroffen.
Für die Rohrsänger sind die weiten Rohrwaldungen,
die nicht allein die Ufer umkränzen, sondern auch stellen¬
weise wiesenartige Flächen überziehen, ein wahres Eldo¬
rado, und Calamohcrpe turdoides, arundinacea und phrag-
mitis sind den ganzen Sommer äusserst zahlreich anzu¬
treffen. Wie zu erwarten steht, ist auch Emberiza
schoeniclus hier ein sehr gemeiner Vogel. Von der
Menge der sich hier aufhaltenden Rohrsänger erhält
man einen Begriff, wenn man in den ersten Tagen des
Mai den Rohr Waldungen einen Besuch abstattet, wenn
arundinacea und phragmitis ankommen und durchziehen;
überall zirpt, zwitschert und huscht es durch das auf¬
keimende Rohr. Dazwisohen vernimmt man aus hoher
Luft das Meckern der Becassine, dem das verlangende
„tiküy, tiküy" des Weibchens aus dem sumpfigen Ver¬
stecke antwortet und das helle Pfeifen von Totanus
calidris. Hier möchte ich die Bemerkung einschalten,
dass ich schon einige Male das Meckern der Becassine
bei völliger Dunkelheit, eine Stunde nach Sonnenunter¬
gang gehört habe.
Von anderen bemerkenswerthen Stelzfüsslern mag
wohl der Brachvogel, Numenius arcuatus, zuweilen hier
brüten, da er an anderen Orten Mecklenburgs brütend
vorgekommen ist. Im Monat August habe ich ihn mehr¬
mals hier angetroffen. In den beiden Zugperioden trifft
man an den rohrfreien Uferplätzen nicht selten den kleinen
Actitis hypoleucos an. Es soll hier auch Tringa alpina
brüten, doch habe ich etwas Sicheres hierüber nicht in
Erfahrung bringen können.
Die Uferstrecken werden zahlreich bewohnt von
Fulica atra, Podiceps aistalus, Anas boschas und von
einzelnen Paaren Gallinula chloropus, Anas ferina und
anderen Entenarten. Mergus serrator nistet ebenfalls
nicht selten hier. Einige Paare dieser Art sieht man
zur Brütezeit stets mit Schwimm- und Tauchkünsten
in der Nähe des Ufers beschäftigt. Unter ihnen ist das
Männchen an den leuchtenden Farben und einem ver¬
wegenen Aussehen leicht und weithin kenntlich. Von
Mergus merganser habe ich ebenfalls von hier schon
Eier erhalten.
Ardea cinerea geht watend seiner Nahrung nach, in
den Lüften späht Circus rufus und Milvus ater nach
Raub umher, und zahlreiche Seeschwalben und Müven
umschwärmen die Ufer, Larus ridibundus und Sterna
hirundo haben auf den nördlich belegenen Inseln zahl¬
reich besetzte Brutcolonien. Einzeln bemerkt man auch
die zierliche nigra.
Aber nicht allein der Sommer und die Brütezeit
giebt dem aufmerksamen Naturfreund Stoff zur Beob¬
achtung der gefiederten Welt, sondern auch im Herbst
und ersten Frühjahr, wenn der Sturm die Wasserfläche
furcht, und im Winter, so lange die Eisdecke nicht alles
Geniessbare begraben hat, sind die weiten Wasser¬
flächen stets belebt von Schaaren nordischer Tauchenton,
die oft aus vielen lausenden bestehen und die haupt¬
sächlich von Anas fuligula, clangula und ferina gebildet
werden. Letztere brütet, wie schon erwähnt, hier nicht
selten, aber auch von Anas fuligula bleiben einzelne
Paare bis in den Sommer hinein hier, woraus sich
schliessen lässt, dass dieselben hier wohl brüten mögen,
was auf dem Krakower See in der That auch schon vor¬
gekommen ist.
Der Seeadler, der sich im Winter auf dem Schweriner
See nicht gerade selten zeigt, macht hauptsächlich
diese Schaaren nordischer Enten zum Gegenstande
seiner Jagd. —
Andere interossante Partieen bietet die nordwest¬
liche Küste des Sees. Hier erstreckt sich ein prächtiger
Laubwald von dem Dorfe Lübsdorf bis zur Eisenbahn¬
station Kleinen circa eine Meile an der Küste hin, welcho
nach einem feuchten Vorland ein steil ansteigendes
Ufer bildet. Mächtige Buchen und Eichen bedecken
das Vorland sowie die Abhänge, diesen leisten Ahorn¬
bäume, Ulmen, Eschen und andere Laubholzbäume Ge¬
sellschaft, deren Wurzeln von den klaren Wellen des
Sees bespült werden. Letztere haben nach und nach
auf der einen Seite die Wurzeln freigelegt und die
Stämme nach der Wasserseite geneigt, so dass sich ein
schattendes Laubdach der ganzen Ausdehnung nach über
das Ufer wölbt. Auffallend häufig trifft man auf der
ganzen Länge dieses Ufers unsern Zaunkönig an, wel¬
chem die Nähe des Wassers besondere Annehmlichkeiten
zu bieten scheint, da er auch an anderen ähnlichen Orten
häufig angetroffen wird. Mit mausartiger Geschwindig¬
keit durchschlüpft er das Wurzelgezweig und hat hier
auch sein kunstvolles Nest hineingewebt oder in die Spal¬
ten eines Baumstumpfes. An lichten Stellen drängt sich ein
dichtes Unterholz ein, bestehend aus Hasel, Faulbaum,
Hollunder, Schneeball und anderem Gebüsch, welches
den Sängern willkommene Aufenthaltsorte darbietet und
denen auch gleichzeitig durch die Nähe des Wassers
eine Füllo von Nahrungsstoff zu (Jebote steht. Den
Höhlenbrütern bieten zahlreiche altersschwache Eichen
und Buchen passende Nistorte, daher finden sich alle
im Laubwalde vorkommenden Meisen, Spechte u. s. w.
nicht selten vor. Aus den Baumkronen vernimmt man
den Ruf des Pirols, des k'uekuks, und Sing- und Schwarz¬
drosseln lassen ihre Weisen hören.