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Oriiitliologisches Ceiitralblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichlsblatt dos gesammten fa«-fans und Anzeiger fiir Sammler, Züchter id Händler,
Beiblatt zum Jonrnal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 18. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 15. September 1877.
Das Ornitliolosrisclic Ccnlralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist. durch alle Postanstalten und
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Der Kukuk.
Von Brehm.
(Schluss.)
Der junge Kukuk entschlüpft dem Eie in einem
äusserst hiltiosen Zustande, „macht sich aber", wie
Naumann sagt, „an dem unförmlich dicken Kopf mit
den grossen Augäpfeln sehr kenntlich. Er wächst an¬
fangs schnell, und wenn erst. Stoppeln aus der schwärz¬
lichen Haut hervorkeimen, sieht er in der That hässlich
aus. Mir wurde einige Male erzählt, dass man im zu¬
fälligen Vorübergehen und bei flüchtigem Ansehen ge¬
glaubt habe, es sässe eine grosse Kröte im Neste".
Ein junger Kukuk, welchen Pässler fand, war drei
Tage später noch einmal so gross und mit blauschwarzen
Kielen und Stoppeln bedeckt, aber noch blind. Am
elften Tage füllte er das gange Nest aus, ja Kopf und
Hals, sowie der Steiss ragten über den Rand des Nestes
hinweg. Die Augen waren geöffnet. Er zeigte braune
Elügeldeckfedern, blauschwarze Kiele mit dergleichen
kurzen Fedorchon; unter dem Bauche war er ganz kahl.
Am sechszehnten war er ausgeflogen. So unbehilnich
der eben ausgekrochene Vogel auch ist, so fresslustig
zeigt er sich. Er beansprucht mehr Nahrung, als die
Pflegeeltern beschaffen können, und er schnappt dieselbe,
wenn wirklich noch Stiefgeschwister im Neste sind,
diesen vor dem Schnabel weg, wirft sie auch, wenn sie
nicht verhungern oder nicht durch seine Mutter entfernt
oder umgebracht werden, schliesslich aus dem Neste
heraus. Hieraus erklärt sich, dass man immer nur
einen einzigen bereits einigennasson erwachsenen Kukuk
im Neste findet. Von der Thatsacho, dass der Gauch
seine Stiefgeschwister absichtlich oder doch wirklich
aus dem Neste wirft, hat sich Friedrich durch zweck¬
entsprechende Versuche überzeugen können. Der erste
Fall betraf einen fast nackten jungen Kukuk, welcher
höchstens drei Tage alt war. Ihm goselltc der Be¬
obachter, weil er bereits allein im Neste sass, achttägige
Kanarienvögel. Der junge Kobold ruhto fortan nicht
eher, als bis er einen durch heftiges Umdrehen und
Unterschieben des Kopfes auf seinen llücken gebracht
hatte, richtete sich dann schnell und kräftig hoch auf,
bewegte sich rückwärts und warf damit den eingelegten
jungen Kanarienvogel hinaus. Genau ebenso vorfuhr
er mit den anderen. Anstatt junger Vögel nahm
Friedrich auch zusammengeknitterte Papicrballen,
legte sie in das Nest und konnte beobachten, wie diese
ebenfalls über den Band desselben geschleudert wurden.
Spätere Versuche mit etwas älteren Kukuken ergaben
immer dasselbe. Werden wirklich einmal zwei Kukuke
in einem Neste ausgebrütet, so erleidet der schwächere
dasselbe Schicksal, wie sonst die Stiefgeschwister. Man
mag dieses Verfahren als vererbte Selbstsucht oder
mindestens doch als einen zur Erhaltung des Kukuks
nothwendigen Naturtrieb bezeichnen: das Wort thut
hierbei nichts zur Sache. Bemerkensworth ist eine
Beobachtung Brucklacher' s. Einen jungen, bereits
gefiederten Kukuk setzte der Genannte unmittelbar nach
Empfang in die Ecke eines breiten Fenstergesimses,
auf welchem schräg gegenüber ein Nest mit vior zwölf
Tage alten, zur Zucht bestimmten Gimpeln sich befand.
Der Kukuk verhielt sich einen halben Tag lang ganz
ruhig in soiner Ecke und wurde dort auch gefüttert:
plötzlich aber begann er sich zu bowegen, watschelte
vorwärts, wandte sich schnurgrade dem Gimpelneste zu,
begaun dort angekommen an demselben hinaufzuklettern,