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Ornithologisches Centralbktt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichtsblatt des gesaniinten Vercins-Wescns und Anzeiger für Sammler, Züchter und Händler,
Beiblatt zum Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 19. BKRLIN, Zweiter Jahrgang. 1. October 1877.
Das Ornitholoirfsclie Ccntmlblsitt erscheint zweimal monatlich, 1 Mögen stark, und ist. durch alle Postanstalten und
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Der Kukuk in seinem Fortpflanzungsgeschäft.
Von Ad. Walter.
Herr Dr. Brehm hat uns in seinem Aufsatz „der
Kukuk" (No. 16 bis 18) nicht nur eine genaue Bo¬
schreibung dieses Vogels, sondern auch ein so umfas¬
sendes treffliches Bild seines Lebens vorgeführt, dass
es überflüssig erscheinen möchte, den Kukuk noch ein¬
mal zum Gegenstand einer Besprechung machen zu
wollen; aber es ist auch gar nicht meine Absicht, hier
noch einmal eine ausführliche Beschreibung dieses Vo¬
gels versuchen zu wollen, sondern ich will mich nur
über solche Punkte jenes Aufsatzes, die verschiedene
Deutung zulassen, näher aussprechen, meine zustim¬
mende oder abweichende Ansicht kundgeben und zu¬
gleich einige meiner neuerdings gemachten Beobacht¬
ungen mittheilen.
Der männliche Kukuk kehrt, wie auch Dr. Brehm
und andere Ornithologen beobachtet haben, jeden
Sommer regelmässig wieder an seinen früheren Wohn¬
ort zurück, aber auch das Weibchen sucht sein altes
Revier wieder auf und bringt seine Eier wieder in
demselben Gebiet und, wenn möglich, bei derselben
Vogelart unter, der es im vorhergegangenen Sommer seine
Eier anvertraut hatte. Eigentümlich gefärbte, von
anderen Kukukseiern in Form und Farbe abweichende
Eier, die man jedes Jahr in demselben Revier wieder¬
findet, lassen hierüber keinen Zweifel.
Dass das Weibchen ein grösseres Gebiet durch¬
streift als das Männchen, scheint auch mir wahrscheinlich.
Nicht nur Dr. Brohm's Beobachtungen, sondern auch
meine eigenen Wahrnehmungen bestätigen dies.
Oft habe ich gesehen, wie ein von einem Männchen
begleitetes Weibchen bei seinen Streifereien in ein
weiteres Gebiet, z. B. über einen grossen See, plötzlich
vom Männchen verlassen wurde, welches letztere zu¬
erst im grossen Bogen, dann in gerader horizontaler
Richtung in sein eigentliches Revier zurückflog. Hatte
das Weibchen in diesem Revier schon ein Ei unter¬
gebracht, dann kehrt es, wenn auch erst am anderen
Tage, dahin zurück. Nur in dem Falle, das es in der
Nähe des zuerst benutzten Nestes kein zweites auffinden
konnte, bleibt es länger aus und lässt sich mitunter
Tage lang nicht wieder sehen.
Das Gebiet, welches das erste Ei enthält, wird dem
Weibchen zur engeren Heimath; d. h. es legt auch hier,
w r ie eben bemerkt, sein zweites und drittes Ei und so
fort in die Nester ein und derselben Vogelart, wenn
es davon brauchbare finden kann.
Dies beweisen z. B. drei auffallend kleine Kukuks¬
eier von gleicher Farbe und Form, die ich im vergan¬
genen Jahre auf der Jahresversammlung vorzeigte, und
die nach und nach in nafie beisammen stehende Zaun¬
königsnester gelegt worden waren. Das erste Zaun¬
königsnest war etwa ÜO Schritt vom zweiten, das zweite
etwa 60 Schritt vom dritten entfernt. Ein viertes ganz
ähnliches Ei fand ich eine Woche später in einem
Dorngrasmückennest, das zwischen den drei mit
Kukuksoiern belegten Zaunkönigsnestern stand und
das ich mitnahm, weil es von der Dorngrasmücko nicht
angenommen und bebrütet wurde.
Auch 2 in BacliBtelzennester am 5. und 9. Juli vor.
Jahres gelegte Kukukseior von gleicher Farbe, über die
ich schon früher einmal berichtet, auf die icli aber nachher
noch einmal zurückkommen werde, zeigen deutlich, dass
das Kukuksweibchen nur ungern die einmal gewählte
Brutstelle aufgiebt.