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Ornithologisches Centralblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Hricliliall des gesamten Vercins-Wcsens und Anzeiger für Sammler, Züchter und Händler,
Beiblatt zum Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 20. BERLIN, Zweiter Jahrgang. lö. October 1877.
Das Ornitholoffisclic Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
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Der Kukuk in seinem Fortpflanzungsgeschäft.
Von Ad. Walter.
(Schluss.)
Ich habe in sehr verschiedenen Gegenden nach
Rohrsängernestern geforscht, um Kukukseier darin zu
finden; ich habe die Werra-, Fulda-, Havel- und Elb¬
ufer durchstreift und an einzelnen Punkten dieser Fluss¬
ufer gute Ausbeute gemacht. Auf einer 3 Meilen langen
Strecke fand ich 9 Kukukseier in Gal. phragmitis- und
Cal. palustris-^ estern, und auch mein Begleiter eins im
G. palustris-^ est.
Es war zu Anfang des Juni, zu welcher Zeit
C, phragmitis theils vollzählige Gelege hatte, theils
noch legte. C. palustris war aber noch mit dem Bau
des Nestes beschäftigt, hier und da fand sich auch schon
ein Ei vor. Alle diese 10 auf der 3 Meilen langen
Strecke aufgefundenen Kukukseier waren gleichfarbig,
alle später entdeckten ebenfalls, ebenso die im folgenden
Jahre gesuchten. Der Unterschied sämmtlicher Eier
ist kaum bemerkbar, in der Farbe sind sie grössten-
theils ganz gleich, nur die grauen oder graubräunlichen
Flecken auf der graubräunlichen Grundfarbe sind bei
einigen mehr bemerkbar als bei anderen. Diese grau¬
braunen Eier finden sich nun häufiger in C- palustris-
ak in C. phragmitis-N estern vor, obgleich sie den Eiern
des Uferschilfsängers, C. phragmitis, oft gleich gefärbt
sind und mit den Eiern des Sumpfrohrsängers, C. pa¬
lustris, gar keino Aehnlichkeit haben, denn der Sumpf¬
rohrsänger legt Eier, deren Grundfarbe ein zartes Bläu-
lichweiss ist, auf dem meist nur am stumpfen Endo
aschgraue und olivenbrauno Flecken vorkommen. Aber
noch mehr! In der Nähe des mit einem Kukuksei be¬
legten C. palustris Nest fanden sich immer einige C.phrag-
wtjWs-Noster vor, die der Kukuk hätte benutzen können,
um seine gleichfarbigen Eier hinein zu legen (denn
G. phragmitis war hier in grösserer Anzahl vorhanden
als G. palustris), aber er wählte auch dann noch C. pa-
lustris-N extor, wenn diese noch nicht fertig gebaut waren.
Daher kam es, dass ich in unfertigen G. palustris-N estern
ein Kukuksei fand, zu dem erst am zweiten, sogar
erst am dritten Tage das erste Nestei gelegt wurde.
Mehrere nur mit einem Kukuksei belegte C. pa-
lustris Nester erhielten keinen Zuwachs, weil C. palustris
nicht immer das Kukuksei annimmt; dagegen macht
C. phragmitis gar keine Umstände; es weicht ja auch
das Kukuksei nicht von der Farbe der C. phragmitis-
Eier ab.
Hierbei will ich jedoch bemerken, dass einige
Vogelarten die Eier des Kukuks nicht immer, manche
wohl gar nicht annehmen, selbst wenn die Farbe der
Kukukseier mit der der Nesteier übereinstimmt, weil
sie sehr empfindlich sind und bei jeder geringen Störung
ihr Nest verlassen.
Der Grund nun, warum einige Kukuko in C. phrag¬
mitis-, andere in G. palustris !^ oster legen, liegt wieder
darin, dass erstere Kukuke in C. phragmitis-, die anderen
in C. palustris- Nestern erzogen sind.
Nun mag man meinen, der Kukuk mache einen so
feinen Unterschied nicht, könne die C. palustris- und
C. phragmitis-^ estev nicht unterscheiden, sobald sie noch
keine Eior haben. Wer das meint, irrt sehr. Wie
viel vergebliche Mühe habe ich mir schon gegeben, um
in einem Gebiet, in dem der Kukuk jedes Jahr seine
Eier in Gartengrasmückennester legt, auch einmal ein
Kukuksoi in einem Neste der schwarzköpiigen Gras-