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Ornithologisches Centraiblatt.
Organ für Wissenschaft und Verkehr.
Nachrichtsblätt des gesammten Vereins-Wesens und Anzeiger für Sammler, Züchter und Händler,
Beiblatt znm Journal für Ornithologie.
Im Auftrage der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
herausgegeben von
Prof. Dr. J. Cabanis und Dr. Ant. Reichenow.
No. 23. BERLIN, Zweiter Jahrgang. 1. December 1877.
Das Ornitliologischc Centralblatt erscheint zweimal monatlich, 1 Bogen stark, und ist durch alle Postanstalten und
Buchhandlungen zu beziehen. Abonnements-Preis halbjährlich 4 Mark. Im Laufe des Halbjahrs eintretenden Abonnenten werden
die erschienenen Nummern nachgeliefert. Inserate für den Anzeiger 20 Pf. pro gespaltene Zeile oder deren Raum. Zuschriften
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abonnement. Dieselben haben einen Raum im Werthe ihres Abonnements kostenfrei und bei Ueberschreitung desselben nur den
halben Insertionspreis zu entrichten.
Nachdem die Voraussetzungen, welche wir vor einem Jahre mit der Erweiterung
unserer Zeitschrift verbanden, im vollsten Maasse ihre Bestätigung erfuhren, werden
wir das „Ornithologische Centraiblatt" auch im nächsten Jahre in demselben Umfange
und unter denselben Bedingungen wie bisher erscheinen lassen. Indem wir unseren
geehrten Mitarbeitern und Förderern des Blattes unsern verbindlichsten Dank ab¬
statten und das gemeinnützige Unternehmen ihrer ferneren eingehenden Beteiligung
empfehlen, erlauben wir uns gleichzeitig, den Freunden unserer Zeitschrift die recht¬
zeitige Erneuerung des Abonnements in geneigte Erinnerung zu bringen.
Die Eedaction.
Aus dem Leben der Sumpf- und Wasservögel des östlichen Europas.
Von L. Martin.
(Sehluss.)
Mit unbeschreiblicher Grazie schreiten die last
federdünnen Beine auf dem schlammigen Grunde, bald
bedächtig - auftretend, bald in höchster Eile flüchtig
dahin. Einige haben es vorgezogen, so weit ihro
langen Beine es ihnen erlauben, ins schmutzige Wasser
zu gehen, um daselbst nach Mollusken oder Wasser-
insecten zu fischen, werden sich aber wohl hüten, ihr
zartes Weiss am Unterloibc zu beschmutzen, obschon
sie nothgedrungen auch eben nicht schlechte Schwimmer
sind. Die anderen auf der Schlammbank sehen wir jetzt
höchst possierliche Bewegungen mit den Füssen machen.
In ähnlichor Weise wie z. B. ein Mensch es thun würde,
wenn er Thon mit den Füssen knoten soll, oder wie
man noch hier und da das Sauerkraut einstampft, was,
beiläufig gesagt, sich besser halten und besser schmecken
soll, als auf appetitlicherem Wege eingelegtes Kraut,
eben ganz so sehen wir jotzt oinige diosor rothbeinigon
Stolzonläufer kurze Zeit auf einer Stello umhertrippeln,
das schlaue Köpfchen zur Erde gesenkt. Dieses
drolligo Manöver, was auch noch viele ihnen verwandte
Vögel gleich ihnen zur Ausführung' bringen, hat koinen
anderen Zweck, als durch die Erschütterung, welche
dieses Trippeln verursacht, das im Schlamm befindliche
Gewürm zu erschrecken und zum Vorschein zu bringen,
worauf es sofort mit dem spitzen Schnabel erfasst und
durch einen Ruck des Halses in die kleine Kehle ge-
schleudort wird.
Noch waren unsere Wasserläufer im vergnügtosten
Stillleben vereint, da plötzlich regt es sich im gegen¬
überliegenden Grase, ein knurrender Ton wird laut
und die Vögel strecken ängstlich die langen Hälse
empor, aber noch sehen sie nichts, das ihro Buhe stört.
Das lange dürre Gras raschelt hin und her, die Be¬
wegung kommt näher, und eine Wasserralle Hattert