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Feldmäuse und in einzelnen Monaten stieg der Anteil der Feld¬
mäuse daselbst bis auf 90% der Beute. Die Folgen dieser reich¬
lichen Feldmausernährung war, daß Ersatznahrung an Fledermäusen,
Maulwürfen, Ratten und derartigem nur wenig zu finden war.
Ferner war beachtenswert, daß in den Funden aus dem Sommer,
wo die Schleiereule mit der Hausmaus offenbar wenig zusammen¬
trifft, die Zahl der echten Mäuse zuweilen recht gering war. Auch
die Vogelernährung trat infolge des Ueberflusses an Feldmäusen
stark zurück, und wenn Vögel gefangen wurden, waren es haupt¬
sächlich Haussperlinge, die aber keineswegs gleichmäßig in den
Funden verteilt waren, sondern in größeren Serien aufzutreten
pflegten und offenbar aus Zeiten stammten, wo der Schleiereule
etwa durch Bedeckung des Bodens mit Schnee die andere Nahrung
knapp war. Im übrigen ließen sich fast nur solche Vögel nach¬
weisen, die an Wohnungen oder in der Nähe derselben zu leben
pflegen, wie Segler, Hausrotschwanz, Feldsperlinge und Goldammer,
andrerseits aber 6 mal Feldlerchen, die wohl bei Gelegenheit der
Mäusejagd von der Eule erbeutet werden.
So hat das vergangene Jahr zwar keine Besonderheiten in
Bezug auf die Ernährung der Schleiereule ergeben, wie sie etwa
B. SCHNEIDER für ein mäusearmes Jahr nachgewiesen hat, vielmehr
auf das deutlichste gezeigt, wie stark der Verbrauch von Feld¬
mäusen durch die Schleiereule in einem Feldmausreichen Jahr zu
sein pflegt.
Außerdem aber zeigen die obigen Funde, daß das Sammeln
von Waldkauz- und Schleiereulen wollen recht geeignet sein dürfte,
über die Verbreitung verschiedener kleiner Säugetiere Deutschlands
wertvolles Material zu liefern.
Zunächst sind die Crociduraarten zu beachten. In Funden aus
Luxemburg, dem Rheinland sowie auch der Provinz Sachsen,
Thüringen und den westlichen Teilen von Sachsen fehlen sie fast
niemals, ja, sie sind zuweilen in erheblicher Zahl vorhanden. Dagegen
waren weder in dem Fund aus der Gegend von Görlitz noch in
den großen Funden bei Berlin auch nur ein Stück nachzuweisen.
Das zeigt, daß diese beiden Arten in diesen Gegenden jedenfalls
viel seltener und zerstreuter vorkommen dürften, als in West- und
Mitteldeutschland.
In Bezug auf die Arvicoliden ist zu bemerken, daß g lareolus
wegen ihres Aufenthalts im Wald natürlich vom Waldkauz ver-
hältnismäßig viel häufiger erbeutet wird als von der Schleiereule.
Immerhin ergibt sich aus unsern bisherigen Funden, daß sie nur
in sehr waldarmen Gegenden Deutschlands selten ist oder vielleicht
ganz fehlen dürfte. Dagegen stellt agrestis offenbar recht bestimmte
Anforderungen an ihren Wohnort und ist auch in Gegenden, in
denen sie vorkommt, nicht gleichmäßig verbreitet. Ja, sie scheint
innerhalb Deutschlands infolgedessen nur ein lückenhaftes Vor¬
kommen zu haben und in manchen Gegenden zu fehlen, während