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Fagetum) plötzlich auf einen artenreicheren Perlgras-Buchenwald (Melico-
Fagetum) stößt, in dem anspruchsvolle Pflanzen, wie das Einblütige Perl¬
gras (Melica uniflora), das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) und der
Waldmeister (Galium odoratum — Asperula oderatä) u. a. das Anstehen kalk¬
reicher Gesteins-Schichten verraten 1 ). In diesem Perlgras-Buchenwald ein¬
gebettet liegen das „Teufelsbad" und der „Kuhstall" als treppig abfallende
und durch kleine Buckel gegliederte muldenförmige Quellgebiete, die hang¬
ab wärts in schmale Kerbtälchen mit ganzjährig fließenden klaren Bächen
auslaufen. Die randlichen Hänge neigen in regenreichen Zeiten noch immer
zu Rutschungen, die zu der gestuften, unruhigen Oberflächengestaltung bei¬
getragen haben, durch die auf kleinem Räume die verschiedensten Feuchte¬
grade bis zu dauernd nassem, weichem Tonschlamm und vom Wasser über¬
rieseltem festem Quellkalk in mannigfachem Wechsel vorkommen. Einige
ähnliche Quelltöpfe oder -hänge finden sich in der Nähe auch noch an anderen
Stellen.
In diesen Mulden fehlt die ringsum allein wachsende Buche (Fagus
silvaticd) so gut wie ganz. An ihre Stelle treten Schwarzerle (Alnus glutinosä)
und Esche (Fraxinus excelsior), die im Gegensatz zu dem hohen dunklen
Buchenwald lichtere Bestände ^von 18 bis 20 m Höhe bilden, in denen bald
die eine oder andere dieser Baumarten vorherrschen kann und die gegen den
anschließenden Buchenwald der frischen und trockenen Hänge scharf ab¬
stechen.
Weil die hier zu findenden, für das Gebiet sehr bezeichnenden Pflanzen¬
gesellschaften nahezu natürlich und in Nordwestdeutschland selten sind und
weil die wissenschaftliche Untersuchung dieses kleinen Gebietes neben ihrem
didaktischen Wert zugleich forstwirtschaftliche Hinweise verspricht, möchten
wir unsere bisherigen, wenn auch nur flüchtigen Beobachtungen hier kurz
wiedergeben.
Wir wollen versuchen, an diesem Beispiel die Methoden unserer Arbeits¬
weise zur Herauskristallisation von Vegetationstypen (Pflanzengesellschaften)
darzustellen, wenn diese auch schon mehrfach (Braun-Blanquet 1964, Ellen¬
berg 1956, v. Glahn und J. Tüxen 1963, Knapp 1958, 1971) beschrieben
worden sind. Bisher wurden aber noch keine Waldgesellschaften herangezogen,
obwohl gerade diese als Beispiel besonders eindrucksvoll sein können. Zudem
sind die genannten Schriften zum Teil vergriffen oder nicht gerade leicht
zugänglich. Endlich glauben wir auch noch einige neue methodisch-technische
Hinweise und Gesichtspunkte für die Auswertung der erzielten Ergebnisse
an Hand dieses Beispiels aufzeigen zu können, das in seiner Klarheit nicht
leicht zu übertreffen ist.
Pflanzensoziologische Aufnahmen und Ausarbeitung der Tabelle
An zwei Nachmittagen wurden einige pflanzensoziologische Auf¬
nahmen der in den Quellmulden der Heeßer Berge vorkommenden Wald-
Gesellschaften in der Absicht gemacht, möglichst alle floristisch verschiedenen
Ausbildungen desselben bis zu den Fazies, d. h. Beständen mit einer oder
mehreren herrschenden Arten, zu erfassen. Dabei konnten die Probeflächen
sehr dicht beieinander liegen und auch von verschiedener Größe sein, sofern
sie nur deutlich floristisch, d. h. in ihrer Artenverbindung oder in den herr-
x ) Herrn Oberförster Kulke, der uns auf diese Örtlichkeit hinwies und uns verschiedene
Male führte, möchten wir auch hier unseren herzlichen Dank sagen.
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