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Um eine Gliederung der aufgenommenen Bestände in verschiedene
Ausbildungen, d. h. niedere Gesellschaftseinheiten zu erreichen, kann man
nach mehreren Gesichtspunkten vorgehen:
Bereits im Gelände lassen sich Artengruppen erkennen oder doch ver¬
muten, die gemeinsam auftreten oder fehlen, wobei dem Beobachter deutlich
ausgeprägte Standortsunterschiede, in unserem Falle vor allem Relief und
Feuchtegrad des Bodens, zu Hilfe kommen. Diese an den Einzelbeständen
(analytisch) unmittelbar gemachten Beobachtungen werden zwar bei arten¬
reichen Gesellschaften selten das ganze Trennarten-Inventar umfassen,
können aber ein wertvoller Ausgangspunkt für die am Schreibtisch durchzu¬
führende Ordnung der Rohtabelle sein.
Die Ordnung der Tabelle wird erleichtert und gesichert, wenn sich zur
guten Beobachtungsschulung des Bearbeiters die wachsende pflanzensozio¬
logische und ökologische Erfahrung gesellt, die bestimmte Artengruppie¬
rungen erwarten und beurteilen läßt.
Die Vertrautheit mit ähnlichen Gesellschaften aus anderen Gebieten oder
aus der Literatur kann die eigene Anschauung der Aufnahmeflächen soweit
ersetzen, daß sich eine brauchbare Ordnung der Rohtabelle allein nach den
Aufnahmen vornehmen läßt. Der erfahrene Pflanzensoziologe kann auch in
der Tabelle Artengruppen suchen, die ihm als soziologisch-ökologisch zu¬
sammengehörig aus anderen Gesellschaften bekannt sind, und prüfen, ob sie
sich als Trennarten für bestimmte Aufnahmen auch in der zu gliedernden
Tabelle bewähren. Hierbei kommt dem Bearbeiter die wachsende Kenntnis
des pflanzensoziologischen Systems zugute. Erfahrung bewahrt auch im
Verein mit sorgfältiger Beobachtung in gewissem Grade davor, im Gelände
Gemische, d. h. soziologisch uneinheitliche Bestände aufzunehmen.
Eine Ordnung der Rohtabelle läßt sich auch erreichen, indem man nach
bestimmten Artengruppierungen sucht, d. h. indem man fragt, welche Arten
zusammengehen oder sich ausschließen. Als brauchbare Arten kommen hier
gewöhnlich nur solche im Bereich mittlerer Stetigkeit in Frage. Hochstete
Arten ergeben keine Differenzierung, seltene Arten sind diagnostisch mehr
oder weniger wertlos.
Diese Arbeitsweise kann durchaus zu brauchbaren Ergebnissen, aber
ebenso gut in ganz falsche Richtung führen. Die mechanisch aus dem Ta¬
bellenbild gewonnenen Beziehungen von Artengruppen werden um so brauch¬
barer für die Ordnung der Tabelle sein, je mehr Aufnahmen zur Verfügung
stehen und je größer die soziologischen und synökologischen Erfahrungen
des Bearbeiters sind, der das zufällige oder wirklich soziologisch-ökologisch
normale Zusammentreffen der Arten beurteilt. Bei unbekannten Gesell¬
schaften aus fremden Gebieten muß vor solchen Methoden aber gewarnt
werden. Ausschließlich aus dem Tabellen-Bild gefundene Trenn¬
arten sollten stets im Gelände überprüft werden!
Der beste Weg dürfte eine Verbindung aller drei Methoden, also die
Kombination von eigener Geländeanschauung, pflanzensoziologisch-syn-
ökologischer Erfahrung und aus dem Tabellenbild sich ergebender Schlüsse
sein.
Die Betrachtung unserer ersten Zusammenstellung zeigt erhebliche Unter¬
schiede unter den Aufnahmen. Sie erfordert allerdings einige Geduld und
Übung, da die weder nach Stetigkeit noch soziologischer Bindung der Arten
geordnete Rohtabelle nicht leicht zu lesen, d. h. zu übersehen ist. Ohne
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