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In der artenreichen Variante von Dryopteris filix-mas (6e) zeigen
zahlreiche Trennarten das tieferer Grundwasser an. Hier herrschen in der
Baumschicht unbedingt die Esche und in der Krautschicht Impatiens noli-
tangere, eine geringe Vegetationsbedeckung im Frühling mit Sicherheit ver¬
ratend, weil es sonst nicht in solcher Menge keimen und wachsen könnte.
In der Typischen Variante (6f) fehlen eigene Trennarten., wenn man
von einer Anreicherung von Deschampsia cespitosa bis zur völligen Vor¬
herrschaft absehen will. Hier scheint das Grundwasser noch tiefer und nur
langsam zu fließen. Der Boden ist immer noch so reich, daß die Esche höchste
Deckung erreichen kann, die ihr von der Erle nicht streitig gemacht wird.
Andere Holzarten fehlen.
Aus wertungsmöglichkeiten der gewonnenen Gesellschafts -
gliederung
Wenn die Tabelle mehr Aufnahmen enthielte, würden wohl noch feinere
soziologische Unterschiede herauszukristallisieren sein, die synökologisch
deutbar wären. Erst nach einer solchen qualitativen Analyse, die je nach der
Zahl der Aufnahmen bis zu Subassoziationen, Varianten, Subvarianten oder
Fazies führt, gewinnen quantitative Messungen der als entscheidend erkannten
oder doch vermuteten Faktoren einen Sinn. Sie sind zudem nur auf der
Grundlage eingehender pflanzensoziologischer Untersuchungen reproduzier¬
bar oder mit ökologischen Untersuchungen an anderen Wuchsorten ähnlicher
Gesellschaften vergleichbar.
Die örtlich floristisch gefaßten Untereinheiten liefern auch die Grundlage
für eine Gesellschafts-Kartierung, für die ein Kartierungsschlüssel an Hand
der Kenn- und Trennarten aufgestellt wird (Tüxen u. Preising 1951, Tüxen
1965). Der zu verwendende Maßstab der Kartierung entscheidet, bis zu
welcher Stufe (Subass., Variante, Subvar., Fazies) die Gliederung der Asso¬
ziation kartographisch dargestellt werden kann.
Für den Forstmann ist die Kenntnis der Untereinheiten und ihrer Syn-
ökologie wichtig als Richtlinie bei der Pflege und Verjüngung der Bestände.
Die soziologische Gliederung zeigt untrüglich das Optimum der Esche und
der Erle und zugleich das natürliche Fehlen anderer Holzarten auf diesen
extremen Standorten. Um diese Baumarten zu verjüngen, muß allerdings das
Wild ausgeschlossen werden, das sonst im Winter über dem meist schnee¬
freien Boden zu starken Verbiß der Jungpflanzen ausüben würde.
Hie und da sind Pappeln neben den natürlichen Holzarten angepflanzt
worden. Aber der wirtschaftliche Gewinn eines solchen Eingriffs bleibt bei
der Kleinheit der Flächen belanglos und steht in keinem Verhältnis zu dem
Verlust der seltenen natürlichen Waldgesellschaft von hohem wissenschaft¬
lichen und landschaftlichen Wert. Ihre Fällung verursacht zudem nicht ge¬
ringe Schäden an den langsamer wüchsigen natürlichen Holzarten. Diese
wenigen kleinen Bestände sollten daher, wie schon vor längerer Zeit angeregt,
unter strengen Naturschutz gestellt werden und von jeder Bewirtschaftung
ausgenommen bleiben. Aber auch der freie Zugang der Spaziergänger und
spielender Kinder müßte geregelt werden, um Schäden in der empfindlichen
Krautschicht zu vermeiden.
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