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lung feststellen. Dieser langgestreckte, von der Nette durchflossene See ist 1863 durch
einen Bahndamm geteilt worden. Im südlichen Teil (kleiner Wittsee) setzte sich im Laufe
der Zeit durch die Abwasser führende Nette viel Faulschlamm ab. Von der einstigen See-
fläche des kleinen Wittsees von 31 ha verlandeten 26,5 ha, die mittlere Wassertiefe beträgt
nur noch 0,63 m. 1964 wurde ein Teil wieder entschlammt, dabei wurden Dämme und
Gräben im Schilfgebiet gezogen, die eine Begehung erst möglich machten. Im Röhricht
liegen noch einzelne Lachen, der Wasserstand ist gegenüber den Schilfbeständen der ande¬
ren Nette-Seen verhältnismäßig hoch, wegen des tiefgründigen Schlammes ist der Bewuchs
des kleinen Wittsees kaum betretbar. Umgeben wird der See von einem Erlensumpfmoor
(Carex elongata — Alnetum typicum), in dem auch das Blaukehlchen brütet. Die
pflanzensoziol. Aufnahmen in 5 x 5 m — Quadraten rund um die beiden Neststandorte
ergaben folgende Artmächtigkeiten:
Phragmites communis 4. Typha latifolia 2. Glyzeria maxima 2. Epilobium hirsutum
1. Iris pseudacorus 1. Carex acutiformis 1. Mentha aquatica 1. Senecio bulbosus 1. Cicuta
virosa + .Sium erectum + . Eupatorium cannabium .r. Galium palustre r. Rumex hydro-
lapathum r. freie Wasserfläche 1.
B. Das Brut vorkommen:
Am 6. 6. 1966 berichtete H. Nootz, Kaldenkirchen, daß er 2 Bartmeisen mehrmals fut¬
tertragend im Gebiet beobachtet habe. Nach mehrmaligen erfolglosen Gängen im Herbst
und Winter 1966 konnte die Art erst im Frühjahr 1967 von uns bestätigt werden. Am
30. 4. 1967 trugen 3 ♂u nd 2 ♀längere Zeit Futter ein, so daß sich die Neststandorte
ausmachen ließen. Der eine lag nahe einem Wassergraben unter einer Kaupe vorjähriger
Typhastengel, im Abstand von ca. 200 m lag das andere Nest neben einer Lache. Am
3. Juni beobachteten wir 3 adulte Tiere (2 ♀♀, 1 ♂), die 3 juv. führten. Am 9. 7. konnten
wiederum 2 ♀♀und 1 ♂m it 3 juv. längere Zeit beim Führen und Futterzutragen be-
obachtet werden. Es handelte sich hier wahrscheinlich um eine Zweitbrut. Ob hier ebenso
wie bei Feindt (1968) ein Fall von Bigynie vorliegt, kann aus den wenigen Beobachtun¬
gen nicht behauptet werden. Bis zum 30. 10. 1967 wurden danach stets mehrere Ex, rufend,
fliegend oder kletternd festgestellt.
1968 wurden wiederum 2 futtertragende Paare gesehen, am 23. 5. fütterte ein Männchen
2 flügge Junge, drei andre adulte Vögel (2 ♀♀, 1 ♂) zeigten sich noch ohne Junge, trugen
aber Futter und lockten.
Z. Zt. besteht keine Gefahr, daß sich das Brutbiotop im kleinen Wittsee verändert, so daß
mit einer Daueransiedlung an dem scheinbar zusagenden Standort gerechnet werden kann.
Damit wäre die Bartmeise auch Brutvogel im Lande Nordrhein-Westfalen geworden.
Literatur:
1. Axell, H.-E. (1966) Eruption of Bearded Tits during 1959—65 Brit Birds Nr. 59, pp. 513—543.
2. Avifauna van Nederland (1962).
3. Altenhoff u. Scharlau (1967), Faunist. Mitt. in: Charadrius 1967.
4. Bengtson, S. A. (1965) zitiert nach Feindt 1968.
5. Bock A. (1966) Zum Vorkommen der Bartmeisen im Frühjahr 1966 in Westfalen. Anthus 3,
pp. 44—45.
6. Feindt und Jung (1968 Zum Gast- und Brutvorkommen der Bartmeise in Südniedersachsen
mit Angaben zur Brutbiologie. Die Vogelwelt 1968 pp. 3—14.
7. König, O. (1951) Das Buch vom Neusiedler See.
8. Möbius, G. (1966) Bartmeisen an den Riethberger Fischteichen, zitiert nach J. f. O. 1967, p. 100.
9. Niethammer, Handbuch 1937, pp. 244—248.
10. Spreeuwenberg, P., WEERT/Niederlande briefl. 1967.
11. Temme, M. (1966) NSG Südtrandpolder auf Norderney neuer Brutplatz der Bartmeise. Orn.
Mitt. 18, pp. 3—8.
12. Voous, K. H., (1962) Die Vogelwelt Europas, pp. 221 u. 237.
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