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20 Jahre Ornithologische Mitteilungen
Vor 20 Jahren, kurz nach der Währungsreform im Jahre 1948, erschien die erste Num¬
mer der Ornithologischen Mitteilungen. Sie war hervorgegangen aus den vervielfältig¬
ten Rundbriefen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Ems-Weser-Niederelbe und
den Göttinger Ornithologischen Mitteilungen. Das Echo unter den Ornithologen war
erfreulich positiv, denn eine Zeitschrift für Feldornithologie war der Wunsch vieler.
Da alteingeführte ornithologische Zeitschriften ihr Wiedererscheinen zu dieser Zeit noch
nicht wagten, wurde immer wieder der Mut zu der Herausgabe der Zeitschrift bewun¬
dert, allerdings zu Unrecht. Zwar war der Herausgeber als Student ohne finanzielle
Mittel, aber durch die Voreinzahlung der Bezugsgebühr kam das für die Druckkosten
benötigte Geld rasch herein. Das genügte für einen Selbstverlag, denn kommerzielle
Interessen an einem Gewinn bestanden damals ebensowenig wie heute.
Als dann weitere ornithologische Zeitschriften erschienen, unterstützte der Herausgeber
der Orn. Mitt. auch diese, verbreitete z. B. Hunderte von Werbeblättern der Vogelwelt
und jüngst Beiträge zur Vogelkunde. Inzwischen haben sich die deutschsprachigen orni¬
thologischen Zeitschriften — fast jedes Bundesland hat eine eigene, eines sogar drei —
derart vermehrt, daß selbst publizierende Ornithologen, die es bisher für selbstver¬
ständlich gehalten haben, alle Zeitschriften zu beziehen, heute bekennen, sie könnten nun
nicht mehr jedes regionale oder lokale Blatt lesen. Umso wichtiger bleibt daher die
Aufgabe einer überregionalen Zeitschrift, deren Finanzierung jedoch heute
schwieriger als früher geworden ist, nachdem viele Vogelbeobachter sich leider mit dem
Lesen einer Zeitschrift ihres Heimatlandes begnügen. Der Bücher- und Zeitschriften¬
markt wird immer größer. Der Kenner weiß, daß Niveau und Auflagenhöhe, und damit
die finanziellen Einnahmen, oft im umgekehrten Verhältnis zueinander stehen (vgl. Auf¬
lage und Niveau von „Bild-Zeitung" und „Die Welt"). Anspruchsvollere Illustrierte,
wie „Kristall", mußten ihr Erscheinen einstellen.
Auch gegenüber den Ornithologischen Mitteilungen werden immer wieder Ansprüche
angemeldet, allerdings nicht selten gegensätzlicher Art. Wie oft ist in Briefen an den
Herausgeber dem einen das Niveau zu hoch, d. h. zu wissenschaftlich, dem anderen zu
niedrig. Der eine wünscht mehr Vogelschutz, der andere mehr Feldornithologie, der
eine weniger, der andere mehr Bilder. So wurde tatsächlich ein Mittelweg beschritten und
versucht, möglichst vielen Interessen gerecht zu werden.
Schon vor vielen Jahren, eine Zeitlang sogar alljährlich, wurde dem Herausgeber immer
wieder nahegelegt, den Charakter der Zeitschrift in Richtung auf eine reine Unterhal-
tungs- und Bildzeitschrift und Auflagensteigerung (mit höheren Einnahmen) zu ändern.
Zweifellos gibt es viele Vogelfreunde, die einen allgemein, interessant geschriebenen
Aufsatz, auch wenn er inhaltlich nichts Neues bringt, lieber lesen als eine rein fach¬
wissenschaftliche erstmalig veröffentlichte Abhandlung oder Zusammenstellungen von
Literaturzitaten. Doch, die Ornithologische Mitteilungen blieben den finanziellen Ver¬
lockungen gegenüber standhaft.
Sowohl die wissenschaftliche als die liebhabermäßige Seite der Ornithologie haben ihre
Daseinsberechtigung. Daher muß es auch für jede der verschiedenen Richtungen eine
eigene Zeitschrift geben. Es wäre verkehrt, die eine zugunsten der anderen zu ändern.
In den 20 Jahrgängen der Orn. Mtt. mit insgesamt 236 Heften und 5105 Seiten
haben bisher 970 Autoren über 2895 Beiträge veröffentlicht. Niemand auf der ge¬
samten Erde, der auf ornithologisch-wissenschaftlich tätig ist und publiziert, kann hieran
vorbeigehen. Die Ornithologischen Mitteilungen werden daher in allen Erdteilen in vie¬
len Ländern gelesen. Sie werden auch weiterhin ihrer Zielsetzung treu bleiben und so¬
wohl die Feldornithologie (insbesondere Faunistik, Ökologie, Freilandverhalten
der Vögel) wie auch den Vogelschutz, und zwar aus fachlicher und wissenschaft¬
licher Sicht, bevorzugt behandeln. Verlag und Herausgeber danken allen Lesern, Bezie¬
hern und Autoren, die die Zeitschrift im Dienste einer ideellen Aufgabe unterstützen.
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