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Die Zahl der in einem Gebiet vorhandenen Baumfalkenpaare ist am genauesten in der
Balzzeit (Mai) zu ermitteln. An schwach windigen frühen Morgen oder Spätnachmit¬
tagen/Abenden rufen beide Gatten oft, besonders das ♀, sanfte gezogene gjeeee gjeee
(gjiiii) — Reihen. Ist das ♂zur Jagd fortgeflogen, kehrt es bald zurück, und unter
großem Stimmaufwand finden Beuteübergabe, Besuche von alten Krähennestern, Be¬
gattungen usw. statt. Während der Balzzeit kann das Paar allerdings umherwandern,
so daß der endgültig bezogene Horst in einiger Entfernung vom zuerst angebalzten
Nest stehen kann. In Gebieten mit hoher Siedlungsdichte muß dieses Umherziehen zur
Vermeidung von Doppelzählungen besonders berücksichtigt werden, farbberingte
Paare brachten hier überraschende Ergebnisse.
Im Juni, während das Gelege bebrütet wird, ist im Baumfalkenrevier wenig zu hören
und zu sehen. Die Fütterung des brütenden Weibchens geschieht meist leise und unauf¬
fällig. Das ändert sich mit dem Schlüpfen und Heranwachsen der Jungen (Juli/August).
Sobald die Nestlinge nicht mehr gehudert werden, ist das $ auf einem Aussichtsbaum
anzutreffen. Von dort fliegt es laut rufend dem ebenfalls mit Geschrei sich ankündigen¬
den ♂entgegen, um ihm die Beute abzunehmen; bis zur Fütterung der Jungen ruft
es ununterbrochen gezogene Rufreihen, aber viel lauter als zur Zeit der Balz. Sind die
Jungen noch klein, ruft das ♀während der Fütterung am Horst in Abständen ein leises
„pik" und verrät dadurch den Standort des Nestes.
Eine Baumfalkenfamilie mit ausgeflogenen Jungen (August) schließlich ist nicht mehr
zu überhören. Beuteübernahme, spielerisches Jagen und Versuche der Jungen, sich
gegenseitig die Beute wegzunehmen, gehen unter lautem Geschrei vor sich. Bis in den
September hinein kann man am frühen Morgen oder am Abend die jungen Falken
hören. Sie wandern in diesen Tagen dem beutebringender) Männchen entgegen, so daß
die Plätze, an denen sie im September angetroffen werden, oft schon weit (bis zu 2 km)
vom Horst entfernt sind. Dadurch können jetzt in dicht besiedelten Gebieten Irrtümer
(Doppelzählungen) vorkommen, andererseits schließen sich Jungfalken gelegentlich
denen benachbarter Paare an.
Die Feststellung erfolgreicher Brutpaare bereitet demnach keine Schwierigkeiten. Paare
ohne Jungen dagegen sind bei einer Bestandsaufnahme im Juli/August nur mit Mühe zu
finden. Ist das Gelege zerstört oder sind die Nestjungen umgekommen, so hält sich das
Paar zwar noch am Brutplatz auf, doch meldet es sich höchstens kurz in der Dämmerung
mit lautem „kikikik". Schlüpfen aus dem Gelege keine Jungen, brütet das Weibchen auf den
„tauben" Eiern bis in den Äugst hinein. Es wird auch weiter vom Männchen gefüttert,
dann erfolgt die Bedeckung des Geleges immer unregelmäßiger, und schließlich gibt das
Weibchen die Eier endgültig auf. Diese Paare sind schwer zu finden, da die stimmlichen
Äußerungen (wie bei erfolgreich brütenden Paaren im Juni) auf ein Minimum be¬
schränkt sind.
Einige Paare scheinen gar nicht erst zur Brut zu schreiten und zeigen noch im Juli balz¬
artiges Verhalten (Fiuczynski, in Vorher.). Für ihr Auffinden gelten dieselben Grund¬
sätze wie für die Hauptbalzzeit. Später im August sind sie jedoch nicht mehr zu ent¬
decken.
Summary:
Finding out the population density of Falco subbuteo. While successful pairs of hobbies
(Falco subbuteo( can be discovered easily when they have fledged young in August
observations made only during that time would give a wrong picture of the real popu¬
lation density. Pairs without young due to destroyed eggs, perished young, addled eggs
or non-breeding are mostly overlooked later in the season. Therefore observations
during courtship (mainly May) give most exact data.
Anschrift des Verfassers: Dietrich Fiuczynski, D 1 Berlin 41 (Steglitz), Klingsorstr. 27
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