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Blaumeisen- und Trauerschnäpperbrut gleichzeitig in einer Nisthöhle!
In dem Staatsforst Obernhain/Krs. Usingen (Hochtaunus) sind 410 Holzbetonnisthöh¬
len und Holznisthöhlen aller Art seit mehreren Jahren aufgehängt. Sie werden alljähr¬
lich von Herrn Vetter und seiner Vogelschutzgruppe aus Obernhain gereinigt und
repariert oder ersetzt. In der Brutperiode 1968 wurden die Nestjungen und teilweise
auch brütende oder hudernde Altvögel erstmals von mir beringt. Es waren 527 Trauer¬
schnäpper (Ficedula bypoleuca), 155 Blaumeisen (Parus caeruleus), 74 Tannenmeisen (Pa¬
rus ater), 70 Kleiber (Sitta europaea) und 7 Haubenmeisen (Parus cristatus). Sehr viele
Nisthöhlen waren auch von Kohlmeisen (Parus major) besetzt.
In einer der Nisthöhlen (Holzbeton) fand ich eine außergewöhnliche Brut vor. Bei einer
Kontrolle am 5. 6. 1968 befanden sich in der Nisthöhle ein bis zwei Tage alte Blau¬
meisen. Da diese für die Beringung noch zu klein waren, verließ ich die Nisthöhle wie¬
der, ohne die Jungen zu zählen und auf Besonderheiten zu achten. Am 15. 6. wollte ich
die jungen Blaumeisen beringen. Ich fand als Nestinsassen 5 Blaumeisen und 4 Trauer¬
schnäpper vor. Beide Arten waren fast voll befiedert und standen kurz vor dem Aus¬
fliegen. Die Jungen saßen dicht gedrängt und nach der Art geordnet in dem Nest, das
aus dem Nistmaterial eines Trauerschnäppernestes bestand. Unter diesem befand sich das
Blaumeisennest. Die Jungen wurden beringt. Anschließend beobachtete ich aus einiger
Entfernung, daß die Jungen nur von Blaumeisen gefüttert wurden. Adulte Trauer¬
schnäpper waren nicht wahrnehmbar. Als ich am 15. 7. die Nisthöhle kontrollierte, fand
ich nur noch das plattgetretene Doppelnest vor, ein Zeichen, daß die Jungen ausgeflogen
waren. Kurt Syha, D 6 Kalbach/Taunus, Im Kirschenwäldchen 14 a
Verhaltensforschung bestätigt negative Folgen der Hühnerintensivhaltung
Können sich Hühner unter Batteriebedingungen wohl fühlen wie von Seiten der Tier¬
züchter behauptet wird? Der moderne Tierschutz versucht mit Hilfe der vergleichenden
Verhaltensforschung etwas über Wohlbefinden oder Leiden der Tiere auszusagen. Das
angeborene Sozialverhalten des Huhnes zeigt uns, daß es in der Batterie nicht leben
kann ohne Schaden zu leiden. Durch die Übervölkerung kommt es zu intensiven
Revier- und Rangstreitigkeiten, die die Tiere nicht nur in Angst- und Unruhesitua¬
tionen halten, sondern häufig ein Höchstmaß an Aggressivität erzeugen. Das führt nicht
selten zu Kannibalismus. Auch die Beschäftigungslosigkeit, zu der die Tiere gezwungen
sind, kann Ursache von Kannibalismus sein. Der soziale Druck und die erzwungene hohe
Legeleistung übersteigen die physiologischen Anpassungskräfte der Tiere und erzeugen
eine deutliche Stress-Situation.
Ausführlicher wurde über „Tierschutz und Batteriehaltung der Hühner" auf der 5. Inter¬
nationalen Lebensschutztagung im Oktober 1968 in Schlangenbad berichtet. Der Vortrag
erscheint gedruckt in der Zeitschrift „Das Leben". Dr. G. Martin, Stuttgart-Hohenheim
Diesjährige Erfolge mit Kunsthorsten
Ermutigt durch den vorjährigen Erfolg (Orn. Mitt. Heft 2/1968) waren wir gespannt,
wie sich 1968 die Erfolge mit Kunsthorsten auswirken würden.
Der vorjährige, von Baumfalken benutzte Kunsthorst wurde trotz stärkster Abnutzung
auf ca. „2 Handvoll" Horstinhalt zeitig von Turmfalken bezogen die ein 5er Gelege
zeitigten. Bei der geringen Unterlage jedoch mußte es so kommen! Zwei Eier stürzten
wohl beim Abflug ab und fanden sich zerbrochen unter dem Horstbaum. Der Horst
wurde ausgebessert und dann schlüpften die 3 Jungen. Inzwischen waren die Baumfalken
eingetroffen. Und wiederum geschah das nicht Erwartete! Obschon sofort ein mit einem
neuen Krähennest ausgelegter neuer Kunsthorst angebracht wurde, nahmen die Baum¬
falken einen vorjährigen, mit selbstgebasteltem Horstinhalt ausgelegten Kunsthorst an.
So lebten beide Falkenpaare mit Jungen und Gelege in einem Abstand von ca. 15 mtr.
nebeneinander und alle Jungen flogen aus. In anderen Distrikten und anders fabrizierten
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