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Zum Herbstgesang der Misteldrossel (Turdus viscivorus)
Dankenswerterweise veröffentlichte G. Nitsche in Heft 9/1968 dieser Zeitschrift eine
Feldbeobachtung aus Südbayern über den weitgehend unbekannten Herbstgesang der
Misteldrossel. Da er frühere einschlägige Literaturhinweise vermißt (vergl. etwa Voigt-
Bezzel, Exkursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen, 12. Auflage, 1961), regt er an,
weitere Beobachtungen aus dem „Herbst 1967" mitzuteilen.
Tatsächlich liegen bereits Veröffentlichungen zum Thema vor: „Am 16. Oktober hörte
ich gelegentlich der Kulturarbeiten eine Misteldrossel fast den ganzen Tag über laut sin¬
gen" (A. Daubner, Neuburg an der Donau, in Mitt. ü. d. Vogelw. 22 (1923), p. 78).
Bei der Beobachtung des Tagzugs am Albtrauf auf dem Filsenberg ( 805 m NN.), Kreis
Tübingen, hörten meine Frau und ich am 26. September 1968 um 10.50 h 19 laute Stro¬
phen einer Misteldrossel in rascher Folge. An diesem Morgen beherrschten lebhafte, oft
durch Rast auf der Hochfläche unterbrochene Ortsbewegungen von Misteldrosseltrupps
das Bild. Ferner notierten wir hier zwei Tage später um 7.10 h 5 Misteldrosselstrophen.
Der von Nitsche aus British Birds 1952, p. 367 zitierte Dezember-Sänger steht ebenfalls
nicht allein; vergl. hierzu im deutschen Schrifttum die Mitteilung über Misteldrosselge¬
sang an einem 10. Dezember von H. Schiemann (Beiträge zur Vogelwelt des Nieder¬
elbegebiets, Biol. Abh. Heft 24; 1960).
Burkhard Kroymann, D 7000 Stuttgart N, Hölderlinstraße 1 Ug.
In seinem Beitrag „Zum Herbstgesang der Misteldrossel" (Orn. Mitt. 20, S. 193) bemerkt
G. Nitsche, er habe nur in British Birds eine Mitteilung über Misteldrosselgesang außer¬
halb der Brutzeit finden können.
In dem Kapitel „Biologie der Misteldrossel" meiner „Ornithologischen Forschungen"
(Paderborn, 2. Aufl. 1948) habe ich zwei Fälle angeführt: H. Geyr von Schweppenburg
hörte lauten und anhaltenden Gesang einer Misteldrossel am 23. 12. 1929 in der Eifel
(Orn. Monatsber. 1930).
Ich selbst hörte den halblauten Gesang (Subsong) eines Vogels am 28. 8. 1940 unter vor¬
hergehendem und nachfolgendem Schnarren bei Wiedenbrück.
Herr O. Rehage teilt mir freundlichst mit, daß er Herbstgesang einer Misteldrossel am
9. 9. 1956 bei Lünen (Westf.) hörte. Prof. Dr. J. Peitzmeier, Wiedenbrück i. W.
Belobigungen für Greifvogelschutz im Rheinland
Die Kulturpflegeabteilung des Landschaftsverbandes Rheinland, der übergeordneten
kommunalen Selbstverwaltungsinstanz für diesen Gebietsteil Nordrhein-Westfalens,
hatte 1966 innerhalb eines Wettbewerbs „Wir erwandern die Natur — Wir helfen der
Natur" eine Belobigung für den erfolgreichen Schutz gefährdeter Vogelarten (insbeson¬
dere von Greifvögeln) ausgeschrieben.
Auf dem „Tag der rheinischen Landschaft" 1968 in Wuppertal wurde durch Überrei¬
chung einer Urkunde und eines Buchpreises erstmals diese Belobigung ausgesprochen.
Im Rahmen einer vogelkundlichen und Vogelschutzarbeitsgruppe im Landkreis Bonn
hat Herr Josef Weber aus Duisdorf sich für den Greifvogel- und Eulenschutz besonders
intensiv eingesetzt, systematisch ihre Ansiedlung betrieben und den Greifvogelschutz
vor allem mutig in der Presse und bei den Behörden vertreten.
Der andere Preisträger, Herr Günther Wonneberger aus Geldern, hat sich besonders
mit der Erarbeitung der Grundlagen für den Schutz der Weihenarten befaßt. Hervorzu¬
heben ist sein Einsatz in der Öffentlichkeit gegen Übergriffe bei einem Rohrweihen¬
horst. Sein Eintreten für die Strafverfolgung führte zur Verurteilung des Täters.
Das Beispiel dieses Belobigungs-Wettbewerbs, für das der Leiter der Kulturpflege-Ab¬
teilung beim Landschaftsverband Rheinland, Herr Landesrat Dr. Schaefer, verantwort¬
lich zeichnet, ist sehr dafür geeignet, als Beispiel in anderen Ländern und Landesteilen
nachgeahmt zu werden. Die Ausschreibebedingungen sind beim Landschaftsverband
Rheinland, 5 Köln-Deutz, Kennedy-Ufer 2, zu erhalten. Dr. W. Erz
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