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Der Westmärker in seinen
Beziehungen zur Pflanzenwelt.
Von JUL. WILDE, Oberlehrer a. D. in Neustadt/H.
I.
Pfalz—Saar: Zwei kleine Worte mit großem Inhalt! Als
Land und Volk von Westen her seit nahezu zwei Jahrtausen¬
den begehrt, umworben, geliebt, gehaßt, bedrückt, geschändet,
gebrandschatzt, hat sie das Schicksal als granitne Ecksteine
an die Grenzmark des Reiches gesetzt und aufs innigste mit
ihm verkettet. Des Reiches Nöten waren stets auch ihre
Nöten und sein Schicksal in erhöhtem Maße auch das ihrige.
Da Deutschsein treu sein heißt, konnte es für die Bewohner
dieser zwei Lande zu keiner Zeit einen Zweifel darüber geben,
daß der Boden, dem sie entsprossen, die Scholle, die sie be¬
bauten, deutsch sein und immer deutsch bleiben mußte. So
oft auch fremde Horden das Land besetzten oder durchzogen,
Haus und Boden, Feld und Wald zerstörten, sie fanden immer
wieder in dem Gedanken an ihr Deutschtum neuen Mut und
neue Kraft den verwüsteten Boden wieder ertragsreich zu ge¬
stalten. Treue, Trutz und eiserner Wille und der Blick zum
Lenker aller Geschicke gab ihnen hiezu die gleiche seelische
Kraft wie der Gedanke an den hohen Wert der Scholle als
Voraussetzung und Grundlage zur Entwicklung ihrer Zusam¬
mengehörigkeit und ihres ausgeprägten Heimat- und Vater¬
landsgefühls. So waren sie seit altersher stolz darauf als
arbeitsames, mutiges, treues und frommes Volk den deutschen
Nährboden ihren kommenden Geschlechtern zu erhalten und
damit stets auch das zu schaffen, was zu ihres Leibes Not¬
durft und des Körpers Erhaltung vonnöten war. Aus dieser
Einstellung heraus blieben sie auch ihren alten, auf geistigen
Vermächtnissen beruhenden Anschauungen gegenüber der
Pflanzenwelt treu und nirgends gibt es wohl ein Land, das
mit solcher Zähigkeit an alten und veralteten Traditionen
hängt und sie als unantastbares Gut von Geschlecht zu Ge¬
schlecht weitervererbt, als die Westmark. Nichts im Kultur¬
leben eines Volkes ist von ungefähr! Alle alten Sitten und Ge¬
bräuche, der wahre Glaube und der Aberglaube in seiner
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