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Eine bemerkenswerte Bildungs¬
abweichung an Viola Riviniana Rchb.
Von H. WOLF, Heidelberg.
Mit einer Abbildung.
Im September 1931 führte mich eine Exkursion in die im
Buntsandsteingebiet liegende Umgebung des Städtchens Elm¬
stein in der Pfalz. Die Exkursion verfolgte in allererster Linie
das Ziel, die dortige Verbreitung der Campanula rotundifolia
var. lancifolia K. (= Baumgarteni Becker) festzustellen.
Nach den Angaben, die Schultz in seiner „Phytostatik der
Pfalz" gibt, hätte sie bei Elmstein ziemlich häufig vorkommen
müssen. In typischer Ausbildung, wie die Pflanze z. B. an
der Bergstraße zwischen Heidelberg und Weinheim auftritt,
konnte ich sie hier aber nicht auffinden. Trotz dieses nega¬
tiven Resultats war, wie die folgenden Ausführungen erwei¬
sen, die Zeit aber keineswegs unnütz vertan.
In einem Seitentälchen zwischen den Orten Elmstein und
Speyerbrunn fand ich, unmittelbar neben einem Bache, an
einer Stelle mit geringer Neigung auf anmoorigem Boden die
hierzulande nur recht zerstreut auftretende Potentilla pro-
cumbens Sibth. und eine für das Sphagnetum typische Pflanze:
Viola palustris L. Nicht weniger erstaunt war ich aber, als
ich mitten im Sphagnum auch ein Exemplar der Viola Rivi-
ana Rchb. antraf. Die Lokalität war für diese Pflanze mehr
als ungewöhnlich. Noch nie hatte ich, obgleich sie in der
Pfalz an buschigen Waldrändern und in Wäldern eine häufige
Erscheinung ist und ich schon seit längerer Zeit dem Genus
Viola besondere Aufmerksamkeit widme, sie an einer solchen
örtlichkeit beobachten können.
Ihrem absonderlichen Lebensort entsprechend, machte die
Pflanze auch einen recht sonderbaren Eindruck. Schuld an
diesem waren die Laubblätter, die einmal durch ihre über¬
mäßige Breite und außerdem durch ihre helle Färbung auf¬
fielen. Wären nicht die beblätterten, fruktifizierenden Stengel
gewesen, so hätte man dem Irrtum verfallen können, es mit
Blättern der V. palustris zu tun zu haben. Jch hielt die Pflanze
zuerst auch für den Bastard V. palustris und Riviniana, der
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