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Anmerkungen
zu den „Beiträgen zur Geologie der Rheinpfalz, II. Teil"
von O. M. Reis in den „Mitteilungen der Pollichia", 1935, Bd. IV.
Von Oberlehrer a. D. Ph. FAUTH, Grünwald bei München.
Zu den geologischen Deutungen von Sonderheiten der Tal¬
hänge der nördlichen und nordöstlichen Rheinpfalz durch O.
M. REIS wird eine zunächst die Morphologie betreffende
Mitteilung von Interesse sein, die allerdings ein anderes Ge¬
biet, nämlich die Sickinger Höhe betrifft, aber auch Verallge¬
meinerung zuläßt.
Zweierlei Merkmale finden sich hier, die auf Wasser- und
Windwirkung deuten: Gewisse Talbildungen am Steilrand
der Sickingerhöhe nebst Anzeichen, wie solche entstanden
sind, und Dünen am Fuß der Hochebene. Hier sei die Auf¬
merksamkeit auf sie gelenkt, weil auch in der Äußerungen
von REIS Wasser- und Windwirkungen angezogen sind.
Dabei möchte ich mich den kritischen ZweifeLn des Heraus¬
gebers anschließen und bin auch der Ansicht, daß bei so
kleinen Wassermengen, bei so mäßigen Gefällen und Hangnei¬
gungen der einseitig wirkende Einfluß der Erdrotation keine
fühlbaren Wirkungen zeigen kann. Auf 30 km Luftlinie ent¬
fallen nur knapp 3 m Unterschied in der Umdrehungsge¬
schwindigkeit der Breite des Donnersberggebietes, auf 10 m
nur 1 mm. Da die gewundenen Bachläufe aber viel länger sind,
käme gar auf rund 15 m Lauf nur je 1 mm Seitenwirkung,
die aber überhaupt wegen innerer Reibung im Wasser, Wir¬
belbildung und anderer Einflüsse völlig gegenstandslos wird.
Sie wäre es auch für sehr lange Zeiträume, selbst wenn die
Rinnsale wie Kanäle glattwandig wären. Man sieht auch hier,
wie die Darstellung des LYELL'schen Quietismus hereinge¬
spielt hat, ohne im geringsten begründet zu sein.
Was nun die Talformen auf der Sickingerhöhe und an
ihrem NNW-Rand betrifft, so sind diese wohl kaum hin¬
sichtlich ihres Alters und der verursachten Kräfte verschie¬
den. Wer die scharf eingeschnittenen Täler im Steihang der
„Höhe" mit 220—23 Grad messender Böschung durchwandert,
wird bei den am schönsten ausgebildeten, dem Bärenloch
(„Beerenloch" der alten Sickingerkarte) bei Kindsbach, dem
Landstuhler Talzwickel, dem Fleischhackerloch und dem
Lochweihertal, erstaunt sein über die Schroffheit der Schluch¬
ten, aber ebenso über die dazu im stärksten Gegensatz ste¬
hende Wasserarmut der Rinnsale. Es drängt sich die Frage
auf, welche Gewalten die mindestens 5 m und mehr mächtige
Deckplatte der Karlstalsehichten mit ihren Kugelfelsen und
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