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ken erfüllt erscheint. Wer damals den Hang am Roßberg bei
Langwieden besuchte, fand hier etwa den Mittelpunkt des
Wolkenbruchs angedeutet in einer flachbreiten Delle des
lehmigen Hanges, in der Gräben wie Glieder eines Fächers
zusammenliefen und von da vereinigt, aus einer großen Fläche
das Wasser gesammelt zur Lochweiherschlucht weiterleiteten.
Man sah hier Anfang und Ende der gewaltsamen Talbildung
nahe beieinander: Inmitten des Hauptwassersturzes den be¬
sonders angegriffenen Platz mit seinen Ableitungsrinnen für
das Übermaß, weiter talwärts die Schlucht, in die sich die
Wassermassen gedrängt fanden. Oben eine in wenigen Mi¬
nuten entstandene Anlage zur Talbildung in vorher glatt
gerundetem Hang, unten die Verschärfung des Schluchtcha¬
rakters. Es ist nun klar, wenn jährlich wiederholt starke
Regen fallen, so werden die flachen Rinnen der Delle immer
die Richtung des Abflusses bestimmen und die mitgeführten
Massen werden immer stärker eingetiefte Rinnen zurück¬
lassen, die schließlich Tälchen in kleinem Maßstab bilden
müssen: Anfang der „Tal"-Bildung.
Andere Wegweiser sind über alle Hänge der flach ge¬
wölbten Rücken zwischen den Sickinger Tälern verstreut:
lauter große Flachdellen, mit vielfach sichtbaren zusammen¬
laufenden Regenrinnen. Ist so eine Anlage ein einziges Mal
durch eine starke Gewitterböe oder gar durch einen Wolken¬
bruch geschehen, so bleibt sie eine nie mehr heilende Wunde
des Berghanges; sie entwickelt sich weiter, bis eine Mulde,
und, je nach Untergrund, Spalten im Sandstein und Häufigkeit
der starken Niederschläge, auch der oft begünstigenden Frost¬
wirkungen, ein Seitentälchen daraus wird.
So bezeugt der Zustand von heute und läßt der dem ehe¬
maligen „Landstuhler Bruch" entsprechende frühere Zustand
schließen, daß die Gewalten des fließenden Wassers niemals
ausgereicht haben, die Randschluchten der unteren Stufe der
Sickingerhöhe auszunagen. Nur die von Zeit zu Zeit einge¬
tretenen Wolkenbrüche haben gegebene Abflußwege: erweitert
und vertieft, weil die besonders geartete Vergesellschaftung
der harten Decke (Karlstalschichten) mit sehr mächtigen,
weicheren Unterschichten (Rehbergschichten) das zu gestal¬
ten erlaubte. Das einebnende Alluvium der trichterförmig nach
der Moorniederung verbreiterten Täler enthält die abge¬
schwemmten Masser so locker gefügt, daß fast alles Wasser,
auch in der Regenzeit darin versickert, ehe es die Niederung
selbst erreicht. Es mag sein, daß man selten so greifbar
deutlich Ursache und Folge der Talbildung erkennen kann
wie auf und am Rande der Sickingerhöhe.
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