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als Zwergadler überrascht mich eigentlich nicht, denn wir haben ihn zuerst auch als
solchen angesprochen gehabt. Erst dann sind wir auf Schreiadler gekommen. Es ist ja
immerhin schon drei Jahre her, und damals habe ich leider noch nicht so auf wichtige
Kennzeichen geachtet". Um der Gefahr einer
subjektiven Auswertung der Bilder vorzu¬
beugen, habe ich diese meinen Freunden R.
Lugitsch (Mödling) und G. Rokitans¬
ky (Wien) vorgelegt. Ihr Urteil stimmt mit
dem meinen überein. Zu einer Veröffent¬
lichung sind die Bilder leider alle ungeeig¬
net, deshalb wurde das beste Flugbild um¬
gezeichnet.
So, wie der Schreiadler ein Erstnachweis
für Kärnten gewesen wäre, ist es der Zwerg¬
adler. Er wird im Kärntner Schrifttum nur
zweimal erwähnt. So einmal von L. v. Hue-
ber (1859): „Ist zwar in Kärnten nicht hei¬
misch, erscheint jedoch öfter auf seinem
Zuge aus dem Orient". Keller (1890)
Abb. 1: Zwergadler im Flug
schreibt, daß er ihn m 15 Jahren nur einmal Nach einem Foto von G. sigi
festgestellt habe: vom 11. bis 18. Dezember
will er ein Stück zwischen Kötschach und
Mauthen beobachtet haben. Während man bei manchen möglich scheinenden An¬
gaben des nicht sehr zuverlässigen Autors Bedenken hat, sie auszuscheiden,
kann man dies in vorliegendem Fall wohl unbedenklich tun. Hieraaetus pennatus ist
ein Zugvogel, der im tropischen Afrika überwintert und im Dezember sicher nicht
im Gebiet anzutreffen ist. Obwohl Kärnten zur Zeit Huebers und Kellers noch
weiter nach Süden reichte, kannten die beiden Autoren also kein Brutvorkommen des
Zwergadlers. Gleichwohl möchte ich in dieser ersten Feststellung vorläufig keine Aus¬
nahmserscheinung sehen. Wie unsere Beobachtungen gezeigt haben, kann Hieraaetus
pennatus unschwer verkannt werden. Eigene Beobachtungen aus der Brutzeit 1954 im
Leithagebirge, über die zu gegebener Zeit berichtet werden soll, und die Mitteilung
H. Peters (Wien), daß er einen Zwergadler heuer im nördlichen Wienerwald beob¬
achtet habe, einem Gebiet also, in dem die Art bis zur Jahrhundertwende als Brut¬
vogel bekannt war, machen es für mich wahrscheinlich, daß sie nicht nur nach wie
vor ganz regelmäßiger Brutvogel ist, sondern daß auch das von ihr in Österreich
bewohnte Areal ausgedehnter ist als gegenwärtig angenommen. In diesem Zusammen¬
hang ist ganz interessant, daß von ungarischer Seite 1949 und 1950 der erste Brut¬
nachweis im Kapuvarer Erlenwald — im ungarischen Teil des Neusiedlersee-Gebietes
— erbracht werden konnte (Horvath 1954, Patkai 1954).
Zum Abschluß möchte ich den Herren R. Lugitsch und G. Rokitansky für
ihre Hilfe, ganz besonders aber Herrn G. Sigl für die Überlassung der Bildbelege,
die die Klärung dieses interessanten Falles ermöglichten, herzlich danken.
Schrifttum :
Bauer, K.: Adler am Neusiedlersee. Orn. Mitt. 6, S. 69—72 (1954).
Horvath, L.: Hieraa etus p. pennatus Gm.-Bo oted Eagle breeding in the Hanysag".
Aquila, 55—58, S. 282—283 (1954).
Hueber, L. v.: Verzeichnis der Vögel Kärntens. Jb. Naturhist. Landesmus. Kärnten,
4, S. 1—32 (1859).
Keller, F.: Ornis Carinthiae. Klagenfurt, S. 1—132 (1890).
Patkai, I.: Birds of prey researches in the years 1949—50. Aquila, 55—58, S. 75—79 (1954).
Anschrift des Verfassers: Dipl. Ing. Kurt Bauer, österreichische Vogelwarte Neusiedlersee,
Neusiedl, Bgld., Österreich
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