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KURZE MITTEILUNGEN
Abnorm singender Fitis (Phylloscopus trochilus)
Nach seinen äußeren Merkmalen war der „Rätselvogel", der mir am 29. April 1954
am Rande des Naturschutzgebietes „Gildehauser Venn" (Grafschaft Bentheim) begeg¬
nete, ein Fitislaubvogel, obwohl er derart ungewöhnlich sang, wie mir in jahrzehnte¬
langer Beobachtungstätigkeit bisher niemals vorgekommen war.
Daß der Fitisgesang moduliert werden kann, auch indem sich zwei oder gar drei
mehr oder minder vollständige Abwärtsfolgen koppeln, ist bekannt, ebenso daß ge¬
legentlich Fitis- und Zilpzalp-Laute — worauf z. B. Alwin Voigt hinweist — mit¬
einander verquickt werden. Demgegenüber ließ der oben erwähnte Vogel einen Ge¬
sang hören, der weitgehend an das kräftige „Rollen" eines Kanarienhahnes erinnerte:
nur war jenes nicht ganz so gleichförmig, sondern strebte unter deutlicher Tempo¬
zunahme einem betonten Mittellaut zu, um dann abzuklingen (nicht aber in der Ton¬
höhe dabei abzusinken). Auch dem Gesang des Berglaubvogels war diese Strophe
vergleichbar, nicht hingegen dem spitzen Schwirren des Waldlaubsängers.
Bereits aus ziemlicher Entfernung irritierte mich dieses unter anderen Vogelstim¬
men unschwer unterscheidbare Lied außerordentlich; anschließend konnte ich den
Vogel in lichtem Laub- und Mischbestand über 1 Stunde lang beobachten bzw. ver¬
folgen: in kurzen Abständen gab er immer wieder ganz den gleichen Gesang von sich,
ohne jemals eine typische Fitisstrophe einzuschalten. Nur selten waren flüchtige hüid-
Laute hörbar. Obwohl die Art durch mehrere Normalsänger in der Nachbarschaft
vertreten war, schienen diese keinerlei Notiz von dem andauernd allein umherstrei¬
fenden Stück zu nehmen, das sich unruhig und flüchtig alsbald auch meiner Kon¬
trolle entzog. Dr. Hans Kumerloeve, Osnabrück
Briten der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) an „beweglichen" Gegenständen
In einem der letzten Sommer stand ich vor der Cäcilienbrücke in Oldenburg i. O.,
einer Hebebrücke, die sich eben gehoben hatte, um den Schiffsverkehr passieren zu
lassen. Dabei wurde ich auf eine Rauchschwalbe aufmerksam, die mehrmals — im
Fütterungsabstand — von unten in die Eisenkonstruktion der Brücke einflog und sich
bei ihrer Tätigkeit auch nicht stören ließ, als sich die Brücke unter rollendem Dröh¬
nen langsam wieder senkte. Dieses kleine Erlebnis brachte mir eine noch merkwür¬
digere Rauchschwalbenbrut aus dem Jahre 1943 wieder in Erinnerung, die ich vom
Anfang bis zum glücklichen Ende verfolgen konnte.
Zu dieser Zeit war ich bei einer Marine-Flakbatterie zwischen Belum und Neuhaus
an der Niederelbe, wo in den Deich eingebaute 10,5-cm-Flakgeschütze mit Decken-
schutzschild zu bedienen waren. Rauchschwalbenansiedlungsversuche im Batterie¬
gelände waren ab Mitte Mai festzustellen, wurden aber z. B. durch nicht ständig ge¬
öffnete Fenster u. dgl. gestört. Daraus erklärt es sich wohl, daß ich am 3. 6. 1943 ein
angefangenes Nest auf einem Eisenträger unter der schwenkbaren (!) Kuppel des
mittleren Geschützes bemerkte. Trotz aller Störungen wurde das Nest in den folgen¬
den Tagen vollendet, und vom 13. — 17. 6. wurden fünf Eier gelegt. Von nun an hat¬
ten wir bei nächtlichem Alarm Schwalbengesellschaft. Der nichtbrütende Partner saß
in Greif höhe auf dem Kabel des Rauchabsaugers! Dafür waren die Alten für Störun¬
gen bei Tage (Exerzieren, Geschützreinigen, Alarm usw.) umso empfindlicher. Gegen
Ende der Brutzeit wurde nachts auch scharf geschossen — ohne Schaden für die Eier!
denn am 3. 7. schlüpften nach 16 Bruttagen (worin sich deutlich die Störungen aus¬
drücken!) alle 5 Jungschwalben, von denen dann vier tatsächlich am 22. 7. flügge
waren. Eine zweite Brut wurde an dieser Stelle nicht versucht.
Dieter Richter, Braunschweig, Walkürenring 54
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