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Blaukehlehen ((Luscinia svecia cyanecula) füttert
junge Dorngrasmücken (Sylvia communis)
Am 16. 5. 1954 beobachteten wir im südwestlichen Münsterland zum ersten Male
an dieser örtlichkeit ein Blaukehlchen ♂. Während der ganzen Brutperiode fielen uns
die Balzflüge des Tieres auf, obwohl wir trotz genauester Beobachtung kein $ aus¬
findig machen konnten. Am 5. 6. 1954 standen wir vor einem weiteren Rätsel. Das
Blaukehlchen flog mit Futter im Schnabel. Sollte uns das Weibchen mit Nest doch
entgangen sein? Plötzlich bemerkten wir, daß das Blaukehlchen beim Füttern gestört
wurde. Jedesmal wenn es in einen bestimmten Bezirk kam, flog eine Dorngras¬
mücke herbei und verscheuchte das Blaukehlchen. Nach kurzer Zeit fanden wir ein
Dorngrasmückennest, zu dem das Blaukehlchen aller Wahrscheinlichkeit nach hin
wollte, von den fütternden Dorngrasmücken jedoch immer wieder verjagt wurde.
Wir beschlossen, die Dorngrasmücken fortzufangen, was auch nach kurzer Zeit ge¬
lang. Nun kam das Blaukehlchen heran und fütterte die jungen Dorngrasmücken. Es
wartete auf die Ablage eines Kotballens, mit dem es dann davonflog, um gleich
darauf wieder mit neuem Futter zu kommen. Durchschnittlich kam es alle vier Minu¬
ten mit Futter. Nach einer geraumen Zeit ließen wir die Grasmücken, nachdem sie
beringt worden waren, wieder fliegen.
Um 11.25 Uhr ließen wir zunächst das Männchen wieder fliegen. Nach 45 Minuten
kam es zum ersten Male zum Nest, fütterte aber nicht. Um 13.34 Uhr fand die erste
Fütterung statt. Um 13.45 Uhr wurde auch das Weibchen wieder freigelassen. Um
14.29 Uhr kam das Weibchen zum ersten Male mit Futter. Zur gleichen Zeit kam
auch das Blaukehlchen, welches von der Grasmücke jetzt nicht verjagt wurde. Um
14.33 Uhr fütterte das Weibchen zum ersten Male. Seltsam erschien uns die Tatsache,
daß das Blaukehlchen nun von den Grasmücken gewissermaßen als gleichberechtigter
Partner beim Füttern der Jungen angesehen wurde. Nach wie vor fütterte das Blau¬
kehlchen durchschnittlich alle vier Minuten.
Bei zwei weiteren Blaukehlchenmännchen, die wir während der ganzen Brutperiode
beobachteten, konnten wir auch nie ein Weibchen feststellen.
Diese Beobachtungen wurden durchgeführt von der Ortsgruppe Dortmund des Bun¬
des für Vogelschutz an acht verschiedenen Sonn- und Feiertagen mit je 4—6 Beob¬
achtungsstunden. H. Rehage, Dortmund
Nahrungsschmarotzende Stockenten (Anas platyrhynchos)
In den „Ornithologischen Mitteilungen" 1950 und 1951 bringen Söding und
Schulz Beobachtungen über Bläßhühner und Pfeifenten als Nahrungsschmarotzer.
Daß auch Stockenten sich auf diese bequeme Weise Nahrung zu beschaffen wissen, geht
aus einer Mitteilung von C. Wüstnei hervor, die im Journal f. Ornithologie 1901
veröffentlicht ist. Dort heißt es: „Sobald ein solcher Vogel (Reiherente oder Blä߬
huhn) wieder auftauchte, warteten schon die (Stock-)Enten und nahmen die Beute
ohne weiteres für sich in Anspruch, wenn es nicht gelang, dieselbe rechtzeitig
hinunterzuschlucken. Auch kamen die Enten von allen Seiten herbei, wenn ein
Bläßhuhn ein größeres Beutestück auf das Eis brachte, um es hier zu zerstückeln,
und meistens mußte es den Enten überlassen werden."
Kurt Vollbrecht, Braunschweig
Schlafplatz des Graureihers (Ardea cinerea) in Felsen.
Die im Rhein-Durchbruchstal zwischen Bingen und Bonn in größerer Zahl das
ganze Jahr über anzutreffenden Graureiher nächtigen zum größten Teil, soweit ich
das für das Gebiet zwischen Bingen und Oberwesel aussagen kann,' nicht auf den
Baumbeständen der Rheininseln, sondern haben ihre Schlaf- und Ruheplätze an den
Berghängen. Ein derartiger Platz befindet sich z. B. in der Nähe des Schlößchens
Rheinstein in Bäumen nahe dem Hangabsturz und ein zweiter auf der rechten Rhein¬
seite gegenüber Oberwesel auf den steilen Schieferfelsen in etwa halber Hanghöhe.
Er ist durch die weißen Kotspritzer weithin kenntlich. G. Bodenstein, Ingelheim
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