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von P hilopterus crassipes (Burmeister, 1838) bestimmt. Bei Niethammer (1937) ist die-
ser Federling auch bei N. c. caryocatactes genannt.
In diesem Zusammenhang darf einmal der (leider noch weitgehend ungenutzte) Wert
der Vogelberingung (vgl. auch Creutz u. Gottschalk, 1969) hinsichtlich der Mithilfe an
der Klärung parasitologischer Fragen erwähnt werden. Die Vogelwarten Helgoland
und Radolfzell baten die Beringer schon mehrfach um an Frischfängen abgesammelte
Federlinge und bemühen sich in allen Fällen sehr um die Identifizierung eingesandter
Endoparasiten.
Schrifttum
Creutz, G., u. Gottschalk, C. (1969): Vogelberingung und Parasitologie. Beiträge zur
Vogelkunde 14. S. 187—190.
Niethammer, G. (1937): Handbuch der deutschen Vogelkunde. Bd. 1. Leipzig.
Karl Kliebe, D 3551 Moischt, Krs. Marburg/L., Waldweg 1
Nistmaterialraub durch ein Kohlmeisenpaar (Parus major)
Eine von mir im März 1969 neu aufgehängte Nisthöhle (Holzbeton, Flugloch 32 mm —
Birnbaum in 1,70 m Höhe) wurde schon wenige Tage nach der Anlage beflogen, und
zwar von einem Paar Kohlmeisen und einem Paar Blaumeisen. Am 2. 4. be¬
obachtete ich erstmals auch ein Paar Feldsperlinge, das die Nisthöhle inspizierte.
Kontrollen um den 15. 4. ergaben, daß das erste Nistmaterial, wenige trockene Halme
und zwei Hühnerfedern, eingetragen war. Zu dieser Zeit flogen die Blaumeisen den
Kasten nicht mehr an, jedoch regelmäßig die Kohlmeisen und die Feldsperlinge. Ge¬
legentlich waren beide Paare in unmittelbarer Nähe der Höhle zu beobachten, wobei
kaum Abwehrreaktionen zu erkennen waren. Nur zweimal sah ich aktive Vertrei¬
bungsversuche durch Anfliegen und Jagen, dabei schienen die Meisen die aggressive
Partei zu sein. Nistmaterial trugen nur die Feldsperlinge ein, jedoch flog gelegentlich
auch eine der Kohlmeisen den Nistkasten direkt an und verschwand für kurze Zeit
darin. Die Feldsperlinge beantworteten das Eindringen der Meisen mit leisen Schilpen
aus dem Nistbaum.
Vom 20. 4. an waren die Kohlmeisen nur noch selten in der Nähe dieses Nistplatzes
zu beobachten. Vermutlich hatten sie einen anderen Nistkasten, etwa 35 m entfernt,
inzwischen besetzt. Zu diesem Zeitpunkt war die Nisthöhle der Feldsperlinge zu etwa
2/3 mit Nistmaterial, Halmen, Federn und einigen grünen Blättern, gefüllt. Eine tiefe
Nestmulde war angelegt.
Am 21. 4. beobachtete ich von einem Fenster aus (etwa 4 m Entfernung von der Höhle)
von 7.15 Uhr bis 10.45 Uhr. Während dieser Zeit waren die Feldsperlinge fast immer
in Nestnähe zu hören oder zu sehen. Einige Male wurde Nistmaterial eingetragen,
häufiger aber besetzte das ♀die Nisthöhle, ohne Nistmaterial einzubringen. Es hielt
sich aber immer nur wenige Minuten im Kasten auf.
Ab 8.30 Uhr erschienen auch die Kohlmeisen wieder. Immer erschien das S zuerst und
lockte durch seinen Gesang das ♀. Dies flog regelmäßig einen Ast in etwa 50 cm Ent¬
fernung vom Flugloch der Nisthöhle an, und von dort aus die Nisthöhle selbst. Von
außen inspizierte sie dann das Innere der Nisthöhle, schlüpfte aber nur zweimal ganz
ein. Während der Beobachtungszeit flogen die Kohlmeisen so die Nisthöhle 8mal an,
davon wurde 3mal Nistmaterial entwendet, und zwar 2mal je eine Feder (siehe Auf¬
nahme) und lmal ein etwa 10 cm langer, trockener Halm.
Bei Anwesenheit der Kohlmeisen verhielten sich die Feldsperlinge recht passiv. Beim
Lockgesang des Meisenhahnes flog das S der Feldsperlinge auf einen Zweig, etwa 2 m
von der Nisthöhle entfernt. Von dort war dann ein leises Schilpen zu vernehmen,
oder aber es begann sich zu putzen (Übersprunghandlung!)
Am 1. 5. enthielt das Nest 5 Eier. Um den 1. 6. flogen 5 Feldsperlinge aus.
Curt Panzke, D 3071 Schessinghausen, Kreis Nienburg/Weser
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